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Thema Wind und Wende

31. Jul. 18

Japan ist ein Vorreiter bei schwimmenden Windrädern – schon weil viele Küsten zu steil für im Boden verankerte Anlagen sind. Dieses 150-Meter-Windrad wird von Schiffen an seinen Bestimmungsort vor Fukushima gebracht.

An fernen Küsten: Offshore-Wind in Übersee

Die Stromerzeugung auf See konzentriert sich bislang auf Nordeuropa und China. Doch etliche Staaten in Übersee setzen zur Aufholjagd an, allen voran die USA, Taiwan, Indien und Südkorea.

Von Steven Hanke

In Deutschland sind Windparks auf dem Meer längst nicht Ungewöhnliches mehr. Tausende Anlagen mit insgesamt mehr als 5000 Megwatt Leistung drehen sich mittlerweile vor deutschen Küsten. Auch in etlichen anderen Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden oder Dänemark gehören sie seit Jahren zum Panorama.

Bei ihrem Anblick vergisst man leicht, dass in den meisten Staaten noch keine einzige Anlage auf See installiert ist. Gerade erst haben die Türkei und Irland angekündigt, die ersten Projekte auszuschreiben. Besonders groß ist der Nachholbedarf aber außerhalb Europas, sieht man einmal von China ab, wo immerhin schon Windräder mit einer Leistung von knapp 3000 Megawatt am Netz sind.

Doch gerade in diesem Jahr kündigten einige Staaten an, in großen Stil in Offshore-Windkraft zu investieren. Besonders motiviert werden sie dadurch, dass die Kosten deutlich sinken und die ersten Projekte in Europa schon bald ohne öffentliche Förderung realisiert werden sollen. Davon wollen künftig auch die USA, Taiwan, Indien und Südkorea profitieren. Ein Überblick.

Trotz großer Ausbaupläne erzeugt in den USA bislang erst ein Windpark Strom auf See. Doch jetzt schreitet der Genehmigungsprozess weiterer Projekte voran – zur Freude dieser Demonstranten, die bereits 2016 mehr Engagement forderten.

Offshore-Wind in den USA: Der Markt kommt in Bewegung

Schon 2011 verkündeten die USA in ihrer „National Offshore Wind Strategy“, bis 2020 Meereswindparks mit 10.000 Megawatt Gesamtleistung errichten zu wollen. Bis 2050 sollte die Zahl auf 54.000 Megawatt steigen. Unter Präsident Barack Obama hat man die Zielmarke im Jahr 2016 sogar noch einmal auf 86.000 Megawatt erhöht.

Das war überaus ehrgeizig. Zum Vergleich: In Europa hat sich bislang nur Deutschland überhaupt ein langfristiges Ausbauziel für die Offshore-Windkraft gesetzt, und auch hier sind es nur 15.000 Megawatt bis 2030.

Passiert ist in den USA lange Zeit nichts. Erst 2017 ging vor der Ostküste des Landes das erste, bislang einzige und ziemlich kleine Projekt in Betrieb: die Block Island Wind Farm mit 30 Megawatt.

Langsam aber sicher kommt jedoch Bewegung in den Offshore-Windmarkt in den USA. Konkret geplant sind nach Angaben der US-Außenhandelskammer Projekte mit insgesamt knapp 25.000 Megawatt.

In den vergangenen gut drei Jahren versteigerte die Bundesbehörde BOEM sechs Gebiete auf hoher See an Projektentwickler, allesamt vor der Ostküste. Die verpachteten Meeresflächen verteilen sich auf zwölf Projekte mit insgesamt 14.686 Megawatt Leistung.

Die Unternehmen erhielten so die Exklusivrechte an einem Standort, womit sie aber erst ein Etappenziel erreicht haben. Als nächstes müssen sie bei den jeweiligen Bundesstaaten eine Baugenehmigung beantragen und sich um Netzanschluss und eine öffentliche Förderung bewerben. Ökostrom fördern die USA auf Bundesebene über steuerliche Anreize. Die Staaten habe aber auch eigene Programme, etwa in Form grüner Zertifikate.

Im Mai dieses Jahres genehmigten die Bundesstaaten Rhode Island und Massachusetts die ersten 1200 Megawatt. Zu den glücklichen Gewinnern zählt wiederum Deepwater Wind. Der Pionier, hinter dem eine US-Investorengruppe steht, darf ab 2022 die Revolution Wind Farm mit 400 Megawatt inklusive eines innovativen Batteriespeichers bauen.

In Massachusetts erhielten der spanische Versorger Iberdrola und der dänischer Vermögensverwalter CIP den Zuschlag für ein 800-Megawatt-Projekt. Weitere Bundesstaaten wie New York, New Jersey, Connecticut, Maryland and Delaware haben ebenfalls ihre Unterstützung für Offshore-Wind zugesagt.

Der Windpark Formosa 1 ist das erste Offshore-Projekt in Taiwan. Er nahm 2017 seinen Betrieb auf, derzeit läuft die Planung für die Erweiterung.

Offshore-Wind auf Taiwan: Die Branche drängt nach Asien

Der absolute Hotspot für Offshore-Windkraft war in diesem Jahr Taiwan. Praktisch alle bekannten Unternehmen der Branche traten dort im Frühjahr an, als die Regierung Projekte im Umfang von 5500 Megawatt zu vergeben hatte. Sie sollen bis 2025 realisiert werden.

Die Regierung lockte für die ersten 3836 Megawatt mit attraktiven Einspeisetarifen von 16 Cent je Kilowattstunde. Im internationalen Vergleich ist das angesichts der ersten Pläne für subventionsfreie Windparks viel. Einen Zuschlag erhielten sieben Bewerber, die ein besonders ausgereiftes technisches Konzept für ihre geplanten Projekte und eine hohe Finanzkraft vorweisen konnten. Erfolgreich waren am Ende unter anderem der Bremer Projektentwickler WPD und Marktführer Ørsted, der auch Energie-Winde betreibt.

Die üppige finanzielle Starthilfe ist der Tatsache geschuldet, dass der Offshore-Windmarkt in Taiwan noch in den Kinderschuhen steckt. Die Bewerber haben mit widrigen lokalen Gegebenheiten zu kämpfen, insbesondere den Wirbelstürmen. Sie stellen besondere Anforderungen an Mensch und Technik.

Außerdem verlangt Taiwan, dass die einheimische Wirtschaft vom Bau der Kraftwerke profitiert. Die Windfirmen müssen einen bestimmten Teil der Anlagen vor Ort fertigen lassen und ihre Mannschaften für Planung, Bau und Betrieb dort ansiedeln. Das kostet zusätzliche Investitionen.

In einer zweiten Runde versteigerte Taiwan im Juni weitere 1664 Megawatt, wobei diesmal der Gebotspreis eine entscheidende Rolle spielte. Die erfolgreichen Projekte erhalten 20 Jahre lang eine Vergütung von umgerechnet 7,2 bis 6,3 Cent je Kilowattstunde. Erfolgreich waren mit Ørsted und Northland Power ausschließlich solche Unternehmen, die bereits in der ersten Runde zum Zuge kamen. Dadurch hatten sie natürlich einen gewissen Wettbewerbsvorteil.

Bislang nutzt Indien die Kraft des Windes ausschließlich an Land. Doch schon 2022 will das Land Offshore-Windparks mit einer Leistung von bis zu 5000 Megawatt vor seinen Küsten stehen haben.

Offshore-Wind in Indien: Der Subkontinent hat ehrgeizige Pläne

Schlange steht die Offshore-Windbranche derzeit auch in Indien. Im Mai startete die Regierung die Ausschreibung für den ersten kommerziellen Offshore-Windpark des Landes. Der soll eine recht große Leistung von 1000 Megawatt haben und vor der Küste der Provinz Gujarat entstehen.

Bewerben konnten sich Firmen und Konsortien mit Erfahrung in dem Geschäft oder zumindest engen Beziehungen zu erfahrenen Unternehmen. Alle Interessenten mussten bestimmte Kriterien wie eine gewisse finanzielle Stärke erfüllen, um in die Endauswahl zu kommen.

Von 35 Bewerbern hatte das zuständige Ministerium 28 für Ende Juli zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Darunter sind die deutschen Konzerne Eon und Innogy, Shell, WPD und auch Ørsted. Bei dem Treffen sollen sie ihre Pläne konkretisieren. Wie es weitergeht, ist derzeit noch offen. Ende des Jahres ist wohl mit einer Entscheidung zu rechnen. Zum Auktionsverfahren ist bislang kaum etwas nach draußen gesickert.

Kein Geheimnis ist, dass die Regierung in Neu-Delhi ehrgeizige Pläne für die Offshore-Windkraft verfolgt. Bis 2022 sollen 5000 Megawatt installiert sein, bis 2030 sogar 30.000 Megawatt, hat das Ministerium im Juni offiziell bekräftigt.

Diese Ziele sind eine große Herausforderung, wenn man sie beispielsweise mit Deutschland vergleicht: Hierzulande sollen bis 2030 etwa 15.000 Megawatt entstehen, wobei schon mehr als 5300 Megawatt am Netz sind. Indien steht dagegen noch ganz am Anfang.

In Südkorea fristet die Offshore-Windkraft bislang ein Schattendasein. Doch das soll sich nach dem Willen des neuen Präsidenten Moon Jae-in ändern. Dieses Anlage gehört zum Windpark Jeju Island.

Offshore-Wind in Südkorea: Einstieg in die Energiewende

Ein nächster vielversprechender Markt für Offshore-Windkraft in Übersee könnte Südkorea werden. Der neue Präsident Moon Jae-in, der im Frühjahr gewählt wurde, plant die Energiewende. Bis 2030 soll die installierte Leistung der Ökostromanlagen von derzeit rund 11.000 auf 58.000 Megawatt steigen.

Dadurch würden der Ökostromanteil am Strommix von derzeit sechs auf 20 Prozent steigen und die CO2-Emissionen des Landes halbiert.

Eine große Rolle spielt dabei die Offshore-Windkraft. Bis 2030 sollen vor der Küste Südkoreas Anlagen mit insgesamt rund 12.000 Megawatt entstehen. Bislang sind erst ein paar Demonstrationsanlagen mit zusammen 28 Megawatt installiert und 60 Megawatt im Bau.

Das Energieministerium stellt im Juni seinen Aktionsplan zur Umsetzung dieser Ziele vor. Demnach ist geplant, zunächst kleinere Offshore-Wind-Projekte bis 500 Megawatt und auf lange Sicht auch fünf größere bis 730 Megawatt zu installieren. Bei der Standortsuche sollen die Gemeinden entscheiden.

Weiterhin kündigte das Ministerium an, mittel- bis langfristig auf große und schwimmende Windräder zu setzen.

Volker Kühn
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