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Thema Wind und Wende

01. Jun. 18

In Südeuropa sind die Bedingungen für Sonnenenergie besonders gut. Solarparks wie hier in Spanien erzeugen Strom zu immer niedrigeren Kosten.

Ökostrom braucht keine Subventionen

Die Komponenten sind günstiger, die Anlagen leistungsfähiger, die Verfahren zum Bau- und Betrieb haben sich eingespielt: Erneuerbaren Energien werden effizienter – und kommen in immer mehr Ländern ohne Staatshilfe aus.

Von Steven Hanke

Was war das für eine Überraschung bei den ersten beiden Auktionen von Offshore-Windparks in Deutschland. Nur die Wenigsten hätten damit gerechnet, dass einige der Bieter ihre Projekte ohne staatliche Vergütung bauen wollen.

Dabei sind subventionsfreie Ökostromprojekte gar nicht so außergewöhnlich, wie viele glauben. Eine erhebliche Zahl der 2017 weltweit in Betrieb genommenen Kraftwerke, die Biomasse, Wasserkraft, Geothermie, Onshore-Windkraft oder Sonnenenergie nutzen, können auch ohne finanzielle Hilfe des Staates schon mit den fossilen Energien konkurrieren. Das teilte die internationale Agentur für erneuerbare Energien (Irena) Anfang dieses Jahres mit. Offshore-Windparks und Solarthermie-Kraftwerke sind demnach ab 2020 ebenfalls konkurrenzfähig.

Auch wenn man es angesichts des frostigen Motivs aus Schottland kaum glauben mag: Nicht nur in der Windkraft, auch in der Solarenergie kommen Erzeuger in Großbritannien ohne Subventionen aus.

Die Kosten der Ökostromerzeugung sinken kontinuierlich. Sie sind in einigen Fällen, an besonders günstigen Standorten, bereits niedriger als der jeweilige Marktwert des Ökostroms.

Mancherorts sind die Erneuerbaren inzwischen gezwungen, ohne Vergütung auszukommen. Großbritannien zum Beispiel fördert seit 2015 keine Onshore-Windparks mehr, weil die nach Ansicht der Regierung nicht mehr darauf angewiesen sind. Solche (geplanten) Projekte ohne direkte staatliche Förderung sind freilich noch die Ausnahme und werden nicht systematisch erfasst. Energie-Winde stellt einige der jüngsten Beispiele vor.

  • USA: Subventionsfreier Offshore-Windpark Block Island

Bereits in Betrieb ist der relativ kleine, subventionsfreie Offshore-Windpark Block Island vor der gleichnamigen Promi-Insel an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Bis zur Inbetriebnahme der fünf Anlagen mit 30 Megawatt Gesamtleistung Mitte 2017 mussten die 2000 Bewohner ihren Strom mit Dieselgeneratoren produzieren.

Das war nicht nur relativ dreckig, sondern auch teuer. Der Strompreis auf Block Island betrug stolze 60 Dollar-Cent je Kilowattstunde, als 2008 während der Ölpreisexplosion und der Finanzkrise die Bauentscheidung für den Windpark fiel. Der produziert für „nur“ zwölf Cent. Die Block Island Wind Farm ist das erste kommerzielle Offshore-Windpark der USA.

  • Großbritannien: Subventionsfreie Wind- und Solarparks

Im September 2017 ging im britischen Flitwick die erste Solarfarm des Landes ohne staatliche Förderung ans Netz. Der Solarpark Clayhill mit zehn Megawatt Leistung sei der beste Beleg dafür, dass das Auslaufen der Förderung für Solar und Onshore-Wind 2015 in Großbritannien nicht das Ende dieser beiden Technologien bedeute, teilte das Energieministerium daraufhin mit.

Im Mai dieses Jahres gab der Bremer Projektentwickler Energiekontor die finale Investitionsentscheidung für das erste subventionsfreie Windprojekt in Großbritannien bekannt. Der Windpark Withernwick II mit vier Anlagen und rund acht Megawatt Leistung soll im ersten Quartal 2019 in Betrieb gehen.

Möglich wird die Subventionsfreiheit durch Kostendisziplin und insbesondere durch langfristige Stromlieferverträge (Power Purchase Agremment, PPA). Einen solchen schloss Energiekontor nach eigenen Angaben mit einem international tätigen Großunternehmen aus der Konsumgüterindustrie.

Im PPA vereinbaren Lieferant und Kunde die Mengen und Preise über einen bestimmten Zeitraum. Das gibt beiden Seiten Planungssicherheit und senkt somit die Kosten der Finanzierung. Die Wirtschaftlichkeit des Windparks von Energiekontor beruht allein auf dem Abschluss des PPAs.

In Südeuropa sind die Bedingungen für Sonnenenergie besonders gut. Solarparks wie hier in Spanien erzeugen Strom zu immer niedrigeren Kosten.
  • Spanien: Wind- und Solarenergie ohne Staatshilfe

Auch in Spanien entsteht demnächst der erste subventionslose Windpark des Landes. Ende April gab ein Konsortium um den französischen Investor Mirova die finale Investitionsentscheidung für das Goya-Projekt nahe Saragossa bekannt. Dabei handelt es sich um neun Windparks mit insgesamt 300 Megawatt Leistung.

Der spanische Projektentwickler Forestalia erhielt den Zuschlag dafür 2016 in einer Auktion, in der das Energieministerium auf einen Schlag Ökostromanlagen mit 3000 Megawatt Gesamtleistung vergab – allesamt wohlgemerkt ohne staatliche Vergütung. Mit 2979 Megawatt entfielen fast alle Zuschläge in der technologieoffenen Ausschreibung auf Onshore-Windparks. Das Interesse an der Auktion war riesig, die Gebotsmenge dreimal so hoch wie das Ausschreibungsvolumen.

In Spanien begann im April 2018 auch der Bau des Solarparks Don Rodrigo mit bis zu 170 Megawatt Leistung, der Ende des Jahres in Betrieb gehen soll. Nach Angaben des deutschen Projektentwicklers BayWa Renewable Energy ist es eines der ersten Solarprojekte dieser Größe in Europa, das vollständig ohne staatliche Förderung auskommt. Mit 15 Jahren ist die Laufzeit des PPA mit dem norwegischen Stromvermarkter Statkraft so lang wie bislang in keinem Projekt in Spanien. Bei der Goya-Windfarm beträgt die Vertragslaufzeit zwölf Jahre.

Weil niederländische Offshore-Windparks künftig grundsätzlich ohne Staatshilfe auskommen müssen, hat die Regierung das Ausschreibungsverfahren geändert. Die Höhe der geforderten Vergütung fällt als Entscheidungskriterium schließlich aus.
  • Deutschland: Durchbruch auf See

Gleich ein ganzes Bündel von drei zusammenhängenden Offshore-Windparks ohne Vergütungsanspruch will Ørsted in Deutschland bauen. Der dänische Energieversorger, der auch dieses Internet-Portal betreibt, hat sich in den Ausschreibungen 2017 und 2018 die Baurechte für die Projekte Borkum Riffgrund West 1 mit 420 Megawatt, Borkum Riffgrund West 2 (240 Megawatt) und OWP West (240 Megawatt) gesichert.

Alle drei hängen an der gleichen Anschlussleitung. Der Gebotspreis betrug jeweils null Cent. Das bedeutet, Ørsted kalkuliert mit Strompreisen, die die Investitionen allein refinanzieren sollen.

Auf eine Einspeisevergütung verzichtet auch der Karlsruher Energieversorger EnBW beim geplanten Bau des deutschen Nordsee-Windparks He Dreiht. Der gehört mit einer Leistung von 900 Megawatt zu den größten in Europa und soll 2025 in Betrieb gehen. In der zweiten deutschen Auktionsrunde in diesem Jahr sicherte sich zudem der spanische Versorger Iberdrola den Zuschlag für die Erweiterung des Ostsee-Windparks Wikinger um zwei Anlagen mit zusammen zehn Megawatt. Dafür braucht Iberdrola ebenfalls keine Subventionen.

  • Niederlande: Offshore-Auktion nach deutschem Vorbild

Inspiriert von den Null-Cent-Geboten in Deutschland entschieden die Niederlande Mitte 2017, künftig auf eine Förderung von Offshore-Windparks zu verzichten. Für das erste subventionsfreie Projekt Hollandse Kust Zuid mit 700 Megawatt Leistung boten Ende 2017 vier Unternehmen. Den Zuschlag erhielt letztlich der schwedische Energiekonzern Vattenfall.

Weil kein Gebotspreis im Spiel war, musste sich die Regierung als Entscheidungskriterien etwas Neues einfallen lassen. Den Ausschlag gaben mehr oder weniger objektive Kriterien wie die Expertise und Erfahrung der Bieter oder die Qualität des Parkdesigns. Die Verlierer haben bereits Einspruch gegen diesen „Beauty-Contest“ eingelegt.

Volker Kühn
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