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Thema Wind und Wende

30. Nov. 18

„Technologieübergreifende Innovationsausschreibungen sind nur ein erster wichtiger Schritt“, sagt Pfeiffer. Weitere müssten folgen, damit die Energiewende gelinge.

„Die Windkraft braucht Systempartner“

Im Gastbeitrag für dieses Portal bekennt sich Joachim Pfeiffer zur Energiewende. Die Wettbewerbsfähigkeit dürfe unter dem Umbau der Stromversorgung aber nicht leiden, sagt der energiepolitische Sprecher der Union.

Joachim Pfeiffer ist seit 2014 wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, wo er seit 2002 als direkt gewählter Abgeordneter den Wahlkreis Waiblingen in Baden-Württemberg vertritt.

Ein Gastbeitrag von Joachim Pfeiffer

Windkraft ist ein wichtiger Baustein beim Umbau der Energieversorgung. In Deutschland drehen sich laut Bundesverband Windenergie mittlerweile über 29.000 Windräder. Im Jahr 2017 wurden mit Windrädern knapp 19 Prozent des Stroms in Deutschland erzeugt. 2011 waren es gerade einmal 7,6 Prozent. Damit ist der Wind die wichtigste erneuerbare Energie in der Stromerzeugung.

Doch selbst wenn der Ausbau der Windkraft zügig voranschreitet, hat er es in sich. Weht der Wind nicht, dann müssen andere Anlagen einspringen; windet es stark, dann muss der Strom vom Norden in den Süden transportiert werden.

Aktuelle Studien belegen, dass die jederzeit verfügbare Windkraftkapazität hierzulande aktuell bei unter einem Prozent der installierten Leistung von 56.000 Megawatt liegt. Das heißt, die Windenergie ist auf die Bereitstellung von Backup-Kapazitäten angewiesen. Nur dann können Versorgungssicherheit und Netzstabilität gewährleistet werden.

Kurzum: Die Windkraft braucht Systempartner, etwa fossile Kraftwerke. Zudem sollten intelligente Stromnetze auf wetterbedingte Schwankungen im Stromnetz automatisch reagieren, beispielsweise indem sie die Leistung konventioneller Kraftwerke oder von Windparks drosseln bzw. hochfahren, Flexibilität nutzen oder Erzeugungsanlagen mit Speichern, Gas- oder Wärmenetzen koppeln.

„Energie-Innovationen setzen Technologieoffenheit voraus“ Joachim Pfeiffer

Der Ausbau der Erneuerbaren muss synchron zu dem der Stromnetze erfolgen

Derartige Energieinnovationen setzen allerdings Technologieoffenheit und die Stärkung von Markt und Wettbewerb voraus. Statt Vorschriften über bestimmte Technologien, die in 20 oder 30 Jahren zur Anwendung kommen sollen, zu machen, ist es Aufgabe der Politik, hierfür die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen.

Mit der Einigung der Koalitionsfraktionen im Rahmen des Energiesammelgesetzes ist ein wichtiges energiepolitisches Vorhaben auf den Weg gebracht: Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Sonderausschreibungen für Windkraft und Fotovoltaik setzen wir um. Für die Union ist dabei von zentraler Bedeutung, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien synchron zum Netzausbau erfolgt, echter Wettbewerb herrscht und dringend notwendigen Innovationen angereizt werden.

„Technologieübergreifende Innovationsausschreibungen sind nur ein erster wichtiger Schritt“, sagt Pfeiffer. Weitere müssten folgen, damit die Energiewende gelinge.

Die jetzt vereinbarten technologieübergreifenden Innovationsausschreibungen sind nur ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung, weitere müssen folgen. Insbesondere gilt es, die Ausschreibungen technologieoffen und grenzüberschreitend auszugestalten. In einem neuen Marktdesign sollten alle Technologien technologieneutral im Wettbewerb stehen. Gerade in den Bereichen Digitalisierung, Flexibilisierung, Speicher und Power-to-X sehe ich ganz erhebliche Entwicklungspotenziale.

Weil die Energiewende in Deutschland ohne weiteren Ausbau der Windenergie nicht gelingen kann, ist die Wahrung der nach wie vor hohen Zustimmung zu den erneuerbaren Energien im Allgemeinen und zur Windenergie im Besonderen eine ständige und zunehmend dringliche Aufgabe. Aus diesem Grund hat die CDU/CSU durchgesetzt, dass alle neuen Windkraftanlagen ab 2020 mit einer bedarfsgerechten Nachtbeleuchtung nachgerüstet werden müssen, die nicht mehr die ganze Nacht blinkt. Für Bestandsanlagen gilt dies ab 2021.

Darüber hinaus werden wir zügig eine Arbeitsgruppe einsetzen. Diese wird unter anderem Maßnahmen zur Steigerung der Akzeptanz bei Windkraft an Land beraten, wie zum Beispiel Mindestabstände, Höhenbegrenzungen, monetäre Beteiligung von Kommunen und Veränderung von Planungsverfahren.

„Es gilt, das vorhandene Potenzial der Offshore-Windkraft zu heben“ Joachim Pfeiffer

Bei Ausschreibungen für Onshore-Wind wird ein Süd-Bonus geprüft

Berücksichtigung der Fortschritte beim Stromnetzausbau, der Entwicklung der Netzengpässe sowie der verfügbaren bezahlbaren und sicheren Maßnahmen zur besseren Auslastung bestehender Stromleitungen entscheidet die Koalition bis Herbst 2019 über konkrete Akzeptanzmaßnahmen und über Förderbedingungen sowie die weiteren Ausbaupfade bis 2030, um das im Koalitionsvertrag angestrebte Erneuerbaren-Ziel von 65 Prozent zu erreichen. In diesem Rahmen wird auch der Vorschlag geprüft, bei Wind an Land in den Ausschreibungen einen Süd-Bonus von 0,3 Cent je Kilowattstundezu vergeben.

Da auf dem Land die guten Standorte weitgehend ausgereizt sind, Windenergieanlagen auf dem Meer besonders hohe Leistungen erbringen können und zudem geringe Reservekapazitäten benötigen, gilt es, das vorhandene Potenzial der Offshore-Windkraft zu heben. Mit bis zu 4.500 Volllaststunden pro Jahr ist eine Anlage vor der Küste fast doppelt so ertragreich wie eine an Land und leistet damit einen erheblichen Beitrag zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit. Für die weiteren Planungen von Offshore-Windparks sind Szenarien im Bereich 15 bis 20 Gigawatt notwendig, die das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie nun entwickeln soll.

„Ja, CDU/CSU wollen die Energiewende“ Joachim Pfeiffer

„Klimapolitik ist nicht dann ein Erfolg, wenn das letzte Kohlekraftwerk zugunsten eines Windparks abgeschaltet wurde“

Ja, CDU/CSU wollen die Energiewende. Und ja, hierzu muss der Ausbau der erneuerbaren Energien erhöht werden, auch um den zusätzlichen Strombedarf zur Erreichung der Klimaschutzziele im Verkehr, in Gebäuden und in der Industrie zu decken. Die Windenergie spielt hierbei eine zentrale Rolle.

Doch es gilt, Maß und Mitte zu bewahren. Die Energiewende und die deutsche Klimapolitik sind nicht dann ein Erfolg, wenn das letzte Kohlekraftwerk zugunsten eines Windparks abgeschaltet wurde, sondern wenn es gelingt, auch weiterhin eine der erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt mit einem hohen Grad an Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zu bleiben. Um das zu erreichen, gilt für die Union der Dreiklang aus mehr Markt, mehr Wettbewerb, mehr Europa.

Volker Kühn
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