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Thema Wind und Wende

30. Okt. 18

Google-Rechenzentrum in Oklahoma: Pro Minute werden mehr als 400 Stunden Videos auf Youtube hochgeladen.

„Ziel ist, jedes Rechenzentrum mit Ökostrom zu betreiben“

Googles Energiehunger ist gewaltig. Um ihn zu stillen, setzt der Konzern auf langfristige Lieferverträge für sauberen Strom. Ralf Bremer erklärt, wie diese Power Purchase Agreements (PPAs) funktionieren.

Ein Klick und Google liefert Tausende von Ergebnissen auf eine Suchanfrage. Um dies zu leisten, sind weltweit Rechenzentren notwendig – und die verbrauchen große Mengen an Strom. Im Interview erläutert Ralf Bremer, Unternehmenssprecher bei Google Deutschland, wie der Konzern den Strombedarf aller Niederlassungen einschließlich Büros und Rechenzentren klimaverträglich decken will. Ein zentrales Element dabei sind langfristige Lieferverträge für Ökostrom, sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs).

„Die Windkraft ist die regenerative Energiequelle, die uns den meisten Ökostrom liefert”, sagt Google-Sprecher Ralf Bremer.

Herr Bremer, Google hat bereits 2012 angekündigt, in Zukunft die für den Betrieb benötigte Strommenge aus regenerativen Quellen zu kaufen. Haben Sie dieses Ziel erreicht?
Ralf Bremer: Ja, und darauf sind wir wirklich stolz. 2017 war das erste Jahr, in dem die zugekaufte Strommenge an regenerativer Energie unseren Strombedarf überstieg. Heute haben wir Verträge zum Kauf von über drei Gigawatt Output aus erneuerbaren Energieprojekten. Mehr Ökostrom kauft kein anderes Unternehmen auf der Welt.
Unsere Verträge haben zudem weltweit zu Neuinvestitionen von mehr als drei Milliarden US Dollar in erneuerbare Energien geführt.

Welche Idee steckt hinter diesem Engagement?
Bremer: Es ergibt betriebswirtschaftlich Sinn, ist aber auch unsere gesellschaftliche Verantwortung, der wir gerecht werden wollen. Wir werden durch den Betrieb unserer Rechenzentren immer einen beträchtlichen Stromverbrauch haben. Billionen von Suchanfragen pro Jahr oder mehr als 400 Stunden Youtube-Videos, die jede Minute hochgeladen und dann auch abgespielt werden, benötigen diese Energie.
Allerdings wollen wir durch unser Geschäft Umwelt und Klima nicht belasten. Es war immer das Ziel von Google, das Unternehmen nachhaltig zu betreiben. Durch Investitionen in „Carbon Offset“-Programme operieren wir als Unternehmen schon seit 2007 CO2-neutral. Und unsere Rechenzentren zählen zu den effizientesten der Welt.

„Power Purchase Agreements machen den Bau neuer Windparks erst möglich“

Welche Rolle spielt Windkraft in diesem Zusammenhang?
Bremer: Die Windkraft ist die regenerative Energiequelle, die uns den meisten Ökostrom liefert. Durch Abnahmeverträge für Windparks, die erst gebaut werden, stellen wir sicher, dass unsere Investitionen zusätzliche Kapazitäten für Windenergie ans Netz bringen.
Wir setzen bei unserer Energiebeschaffung allerdings auf Diversität. Neben Wind beziehen wir auch Strom aus Solarparks und weiteren regenerativen Quellen.

Ein wichtiger Bestandteil Ihrer Beschaffungsstrategie sind langfristige Lieferverträge, sogenannte Power Purchase Agreements, kurz PPAs. Wieso sind diese Verträge so wichtig?
Bremer: Power Purchase Agreements machen den Bau neuer Windparks erst möglich. Über diese langfristigen Lieferverträge garantieren wir, den gesamten Strom des Windparks über einen gewissen Zeitraum zu einem vorab festgelegten Preis abzunehmen. Die Investoren und Betreiber des Windparks haben dann die notwendige Planungssicherheit, um mit dem Bau beginnen zu können.
Wenn wir ein solches PPA abschließen, dauert es in der Regel noch ein bis zwei Jahre, bis der Windpark steht und der Strom geliefert werden kann. Unseren ersten Vertrag dieser Art haben wir im Jahr 2010 für einen 114-Megawatt-Windpark in Iowa abgeschlossen. In Europa hat Google bislang 14 PPAs in vier Ländern unterschrieben.

Google-Rechenzentrum in Oklahoma: Pro Minute werden mehr als 400 Stunden Videos auf Youtube hochgeladen.

Welchen Vorteil hat Google dadurch?
Bremer: Auf der einen Seite zahlt diese Strategie auf unser Ziel ein, unseren Strombedarf komplett aus erneuerbaren Energien zu decken. Wir verbessern damit unter anderem auch unseren CO2-Fußabdruck, indem klimaschädliche Stromquellen im Netz ersetzt werden.
Andrerseits bedeutet dieses Vorgehen aber natürlich auch für uns eine große Planungssicherheit. Wir wissen genau, wie viel Geld wir für die Energie bezahlen müssen, die wir benötigen. Das macht uns weniger abhängig von Preisschwankungen und Preissteigerungen auf den internationalen Energiemärkten.

Der Strom, der ins Netz gespeist wird, ist aber nicht zwingend der Strom, der in den Rechenzentren verbraucht wird, oder?
Bremer: Noch nicht. Im Moment ist es nicht an allen Orten der Welt, an denen wir Rechenzentren betreiben, möglich, für diese auch regenerativ erzeugten Strom zu beziehen. Der Kauf der Menge Ökostrom, die unserem Stromdarf entspricht, ist im Moment also ein bilanzieller Wert.
Das wird allerdings nicht so bleiben, sondern ist nur der erste Schritt. Langfristig ist unser Ziel, dass jedes Rechenzentrum von Google auch tatsächlich rund um die Uhr mit Ökostrom betrieben wird.

Neben der Beschaffung von Ökostrom spielt auch die Steigerung der Energieeffizienz in Ihren Rechenzentren eine große Rolle. Wie gelingt das?
Bremer: Unsere Ingenieure arbeiten seit Jahren daran, unsere Rechenzentren zu perfektionieren. In der Folge sind wir 50 Prozent energieeffizienter als der Branchendurchschnitt. Das gelingt unter anderem durch besonders effiziente Server und effizientere Möglichkeiten zur Kühlung.
In Dublin nutzt das Google Data Center beispielsweise das gemäßigte Klima Irlands, um die Anlagen zu kühlen. Ein großes Potenzial bieten in diesem Bereich auch künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. Mit einem maschinellen Lernsystem konnten wir in einem Pilotprojekt komplexe Dynamiken besser verstehen und den Energiebedarf zur Kühlung um 40 Prozent senken. Dieses System werden wir weiterverfolgen.

Die Fragen stellte Christoph Lindemann.

 

So funktionieren Power Purchase Agreements (PPA)

Langfristige Sicherheit für beide Seiten: Durch Power Purchase Agreements – kurz PPAs – können sich Stromerzeuger und Stromabnehmer gegenseitige Vorteile verschaffen. Bei PPAs handelt es sich um langfristige Stromlieferverträge, die zwischen zwei Parteien geschlossen werden.

Der Stromerzeuger verpflichtet sich zur Lieferung einer bestimmten Strommenge, der Stromabnehmer garantiert die Abnahme über einen klar definierten Zeitraum und zu einem festgelegten Preis. PPAs haben sehr lange Laufzeiten von bis zu 20 Jahren. Damit entsteht langfristige Planungssicherheit für die beiden Beteiligten.

Der Stromerzeuger kann auf Grundlage der garantierten Abnahme weitere Investitionen tätigen und verfügt dafür über ausreichende und nachweisbare Sicherheiten. Auf diese Weise kann ein PPA den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien finanzieren und teilweise komplett neue Projekte wie neue Windparks ermöglichen.

Der Stromabnehmer kann seine Ausgaben für Energie langfristig kalkulieren. So ist er unabhängig von den Energiemärkten, ihren Schwankungen und Preiserhöhungen. Gerade für Unternehmen sind PPAs daher sehr attraktiv, um die eigene Energieversorgung langfristig und nachhaltig aufzustellen. Kurzum: Richtig vereinbart sind PPAs eine Win-win-Situation.

Volker Kühn
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