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Thema Wind und Wende

26. Okt. 18

Linus Linde

100 Prozent Ökostrom bis 2040

Linus Linde von der schwedischen Energieagentur erklärt, wie das skandinavische Land seine Stromversorgung umbaut.

Windenergie und Wasserkraft spielen in der schwedischen Energiewende eine zentrale Rolle. Bis zum Jahr 2040 will sich das Land vollständig aus regenerativen Quellen versorgen. Wie der Ausbau der Windkraft vorankommt und warum sich auch bei Flaute kein Schwede vor Blackouts zu fürchten braucht, erläutert Linus Linde von der staatlichen schwedischen Energieagentur Im Kurzinterview mit Energie-Winde.

Linus Linde

Ist Onshore-Windkraft in Schweden weithin akzeptiert oder gibt es Konflikte?
Linus Linde: Es gibt ein Fünf-Parteien-Übereinkommen für 100 Prozent erneuerbaren Strom bis 2040. Das bedeutet höchstwahrscheinlich einen Übergang von der Atomkraft zur Windenergie. Die Akzeptanz für die Windenergie fällt jedoch in den Regionen und Gemeinden unterschiedlich aus. Das hat auch damit zu tun, wie sich die Windkraft vor Ort jeweils auswirkt – bringt sie beispielsweise Vorteile wie Arbeitsplätze oder Einnahmen für die Gemeinde? Wie ist der Einfluss auf die Vogelwelt und das Landschaftsbild, die Lärmentwicklung oder auch auf die Interessen des Militärs?

Wer sind die Eigentümer der Windkraftanlagen?
Linde: Nach einer Studie von 2012/13 ist das folgendermaßen verteilt: Die meisten Anlagen gehören Windkraftunternehmen (41 Prozent), gefolgt von der Energiewirtschaft (29 Prozent) und Industrieunternehmen (zwölf Prozent). Das Eigentum von Gemeinden und Privatpersonen macht nur zwei beziehungsweise ein Prozent aus. Seit dieser Studie hat sich die installierte Kapazität aber fast verdoppelt. Der Trend geht zu größeren Windkraftanlagen und großflächigeren Windparks, was höhere Investitionen verlangt. Deswegen hat der Besitzanteil von Pensionsfonds und Energieunternehmen zugenommen.

Und die Eigentümer der Netze?
Linde: Betreiber auf der nationalen Ebene ist Svenska Kraftnät, das ist eine Mischung aus staatseigenem Unternehmen und Agentur. Auf regionaler und lokaler Ebene gibt es einen Mix aus staatlichen Unternehmen (Vattenfall), kommunalen Unternehmen, internationalen Energiekonzernen wie zum Beispiel Eon, sowie Firmen, die Pensionsfonds gehören.

Woher kommt der Strom, wenn kein Wind weht?
Linde: Wenn die Windstromerzeugung plötzlich abfällt oder der Strombedarf plötzlich steigt, braucht es eine Energiequelle, die schnell einspringen kann. In Schweden ist das größtenteils die Wasserkraft. Es gibt auch eine große Zahl von Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung, die einen Beitrag zur Regulierung leisen können. Diese Kraftwerke werden meist mit Biomasse betrieben und sind besonders wichtig für die Stabilität der örtlichen Netze. Die Grundlast wird in Schweden durch Kernkraft gedeckt. Sie verfügt über geringe Regelfähigkeiten, bedient aber circa 40 Prozent der Massenstromversorgung.

Die Fragen stellte Irene Gronegger.

Volker Kühn
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