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Thema Mensch und Umwelt

27. Jun. 18

„Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe“

Die Energiewende ist längst Teil unseres Alltags. In einer neuen Serie lassen wir Menschen zu Wort kommen, deren Privatleben von der umfassenden Transformation des Energiesektors geprägt ist.

Roger Hackstock, Jahrgang 1963, hat an der TU Wien Elektrotechnik mit Schwerpunkt Umwelttechnik studiert. Später war er Geschäftsführer des Branchenverbands Austria Solar. 2012 erschien sein erstes Buch „Energiewende – Die Revolution hat schon begonnen“.

Von Timour Chafik

Große Veränderungen kündigen sich oft nicht lange an, sie schleichen sich vielmehr in Form von Neuheiten in den Alltag ein und übernehmen mal hier, mal da eine Aufgabe oder auch zwei. Daraus werden dann vielleicht drei und aus dem Trio schnell ein ganzes Aufgabenfeld. Dann ein Lebensbereich und schließlich wurde aus der Neuheit eine Selbstverständlichkeit.

Manch einer erinnert sich noch daran: Das Handy, dieser riesige Knochen, der Mitte der 90er-Jahre schwer und klobig die Taschen ausbeulte, war einmal ein Telefon. Dann wurden – Revolution, Revolution! – Nachrichten damit verschickt und irgendwann sündhaft teure Internetminuten verbraten. Heute ist das Teil mehr „smart“ als „Phone“ und als Alltagsgegenstand kaum noch wegzudenken.

Heute ist das Smartphone aber auch nur die Spitze des Eisbergs, der als „Digitalisierung“ ganze Branchen und Lebenswelten neu definiert. Disruption allerorten, es wird geshared, gecrowdfunded, plattformübergreifend gewirtschaftet und dezentralisiert. Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird digitalisiert, die Energiewelt nicht ausgeschlossen. „Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe“, stellt Roger Hackstock seinem Buch „Flexibel und frei – Wie eine umfassende Energiewende unser Leben verändert“ dem Kapitel „Verbraucher werden flexibel“ voran.

Hackstocks Werk „Flexibel und frei – Wie eine umfassende Energiewende unser Leben verändert“ ist im Oekom-Verlag erschienen.

„Neben Dezentralisierung und Digitalisierung bestimmt ein weiterer Trend den Wandel in der Energieversorgung, der mit flexiblen Reaktionen von Verbrauchern auf das schwankende erneuerbare Energieangebot einhergeht, auch „Demand Response“ genannt", heißt es da weiter. „Die Einführung von Smart Metern bietet die Möglichkeit, in Tausenden Haushalten Geräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühltruhen oder Wärmepumpen einzuschalten, wenn ein Überangebot an Ökostrom besteht, und außer Betrieb zu nehmen, wenn Strommangel herrscht“.

Das Potenzial sei enorm, so Hackstock weiter. Studien hätten allein für Deutschland 65.000 Megawatt an verschiebbaren Lasten errechnet, wohingegen die Potenziale der Industrie – „nur“ 10.000 Megawatt – demgegenüber eher bescheiden ausfielen. Hackstock bricht diese Rechnung runter, findet Werner Neumann, Chef des thüringischen Blechverarbeitungsbetriebes CBV, der beim Blick auf eine monatliche Energierechnung von fast 10.000 Euro damit begann, sich in das Thema Energieeffizienz einzuarbeiten. Neumann las Artikel, führte Expertengespräche, besuchte Kongresse, um sich über Energieeinsparmöglichkeiten schlau zu machen.

Neumann ist „Energiewendebürger“ par excellence. Er konnte über den Einsatz neuer Technik den Stromverbrauch für die Beleuchtung um 70 Prozent reduzieren und ging so weit, eine Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 150 Kilowatt auf dem Dach und an der Fassade des Betriebes zu montieren. Neumann ist Unternehmer, und er wäre kein guter, wäre er nicht wirtschaftlich getrieben. Ob und wenn ja, wie sein Energiewendeengagement auch auf seinen Alltag abstrahlt? Das bleibt unerwähnt.

Dass es abstrahlt ist zeigen unsere drei Beispiele: Die Energiewende nimmt – wenn sie denn gelebt wird – inzwischen einen so großen Raum im Leben der Energiewendebürger ein, dass sie sich nur noch schwer in privat und beruflich trennen lässt. Wer im Privaten bewusst mit dem Thema lebt, nimmt dieses auch in den beruflichen Alltag mit. Wer im Beruf tagtäglich damit umgeht, lässt – bildlich gesprochen – nicht um 17 Uhr den Stift fallen und haut in den eigenen vier Wänden die Kilowattstunden gedankenlos raus.

Lesen Sie hier den ersten Teil unserer neuen Reihe, in der Menschen zu Wort kommen, deren Privatleben im Zeichen der Energiewende steht.

Volker Kühn
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