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Thema Mensch und Umwelt

29. Jun. 18

„Eine Frage des Respekts“

Im dritten Teil unserer Serie über Menschen, deren Alltagsleben von der Energiewende geprägt ist, erzählt Nikolas Fricke von seinem persönlichen Beitrag. Der 35-Jährige ist Schäfer und Nachhaltigkeitsmanager in München.

Schuld waren bei mir die Schafe. Zumindest ein bisschen. Aber der Reihe nach: Ich habe Landwirtschaft und nachhaltiges Ressourcenmanagement studiert und dann zum Thema „Wie Bildungsmaßnahmen zur Konfliktreduktion beitragen können“ promoviert. Klingt erstmal weit weg von dem, was ich heute mache. Im Rückblick sehe ich aber schon, dass sich für mich ein klarer Bogen spannt. Nicht zuletzt, weil ich schon immer Verfechter einer nachhaltigen Ideologie, sowohl auf ökologischer, sozialer wie auch ökonomischer Ebene war.

Nikolas Fricke spricht darüber Nachhaltigkeit und die Energiewende für ihn bedeuten.

„Eine Frage des Respekts“

„Wir sollten schonend mit der Umwelt umgehen“

Quelle: https://www.youtube-nocookie.com/watch?v=-mbKJHAKCbE

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Was ich heute bin? Viel. Schäfer auf einem Dachgarten und gleichzeitig verantwortlich für alle Nachhaltigkeitsthemen im Münchner Werksviertel Mitte, den meisten wahrscheinlich besser unter dem Namen „Kunstpark Ost“ bekannt. Hier sollen Nachhaltigkeitsthemen der unterschiedlichsten Art geplant und umgesetzt werden: von der Fassadenbegrünung bis zum Blockkraftheizwerk – Projekte, die immer auch das Thema Energiewende betreffen, mal mehr, mal weniger unmittelbar.

Zudem hatte der Eigentümer die Idee, eine Dachfläche zu begrünen, dadurch Sickerflächen zu schaffen und die Fläche statt mit dem Rasenmäher zu mähen von Schafen abgrasen zu lassen. Weil ich selber privat Schafe züchte, habe ich Wind davon bekommen, wollte mir das einfach nur mal ansehen. Ich dachte, dass sich da ein paar Hipster Schafe auf einer Dachterrasse halten. War aber nicht so. Heute bin ich der, der die Schafe auf dem Dach hält.

„Die Schafe sind immer auch ein Türöffner“

Die Schafe sind dabei immer auch ein Türöffner für die Diskussionen, die wir über Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Energiewende führen wollen und die ich hier als Beauftragter für  Ökonomie, Umweltbildung und soziale Projekte anstoße – die Triple-Bottom-Line der Nachhaltigkeit quasi. Die verfolgt mich im Beruf wie im Privaten: Die Schafe habe ich mir vor zweieinhalb Jahren zugelegt, weil ich selbst vom Bauernhof komme und damit quasi „Zurück aufs Feld“ konnte. Und die Projekte, die ich heute stemme – von Urban Gardening bis Fischzucht, von Mobilität bis Ernährung – die schlagen natürlich bis in den Alltag durch: Der Öko-Apfel aus Neuseeland macht mir mit seinem horrenden ökologischen Fußabdruck einfach keine Freude.

Es ist ein Segen, dass sich das im Privaten und im Beruf vermischt, nein mehr noch: Ich will, dass sich das vermischt, weil ökologisches Handeln nicht auf einen Bereich beschränkt sein kann und darf. So wie die Energiewende nicht vor oder hinter der Haustür aufhören kann. Die Nachhaltigkeit, die Energie und die Wende ganzheitlich zu denken, das ist die Herausforderung. Die Summe macht's. Und das spielt sich jede Minute in meinem Kopf ab, egal ob ich arbeite oder nicht. „Die Wende“ ist ja nicht nur eine Energiefrage oder eine ökologische Frage. Für mich ist das vor allem auch eine Frage des Respekts, des fairen Umgangs miteinander. Und wie soll und kann ich da Berufliches von Privatem trennen?

Aufgezeichnet von Timour Chafik.

Volker Kühn
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