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Thema Mensch und Umwelt

27. Jun. 18

„Freude am Sparen“

Im ersten Teil unserer Reihe über Menschen, die mit und für die Energiewende leben, spricht der Elektroingenieur Thomas Pfluger (54) aus Wildpoldsried über seinen persönlichen Beitrag.

„Neben all der Technik macht mir die Energiewende einfach Spaß“, sagt Thomas Pfluger. „Ein echter Allgäuer ist erst mal immer sparsam und freut sich, wenn er irgendwo was sparen kann.“

Mein Antrieb und meine Devise in Sachen Energiewende lässt sich ganz gut in der Frage „Warum nicht einfach machen?“ zusammenfassen. Gleichzeitig habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder beobachten können: Sobald Umbauten, Kosten oder Zeit ins Spiel kommen, lässt bei vielen die Begeisterung für erneuerbare Energien rapide nach. Vielleicht auch, weil es für den Privatmann wenig Druck gibt, die Energiewende tatsächlich zu begleiten und zu gestalten.

Meine persönliche Begeisterung für die Erneuerbaren rührt sicherlich auch daher, dass ich als Elektroingenieur technikaffiner bin als andere und manche Innovation eher annehme und teste. Und dass wir als Familie vielleicht langfristiger denken als andere. Beispiel Tesla: In zehn Jahren werden wir sagen können, dass wir damit früh genug auf die Elektromobilität gesetzt haben, auch wenn wir vielleicht nicht jeden mit unserer Begeisterung anstecken konnten. Aber der Mensch ist nun einmal so gestrickt: Wenn man ihm die Lösung nicht schlüsselfertig serviert – sie ihm vielleicht sogar finanziert – dann nimmt er sie nur schwer an.

Dann kommen, wie beim Elektroauto, Argumente à la „Die Batterien gehen zu schnell in die Knie“. Was ich darauf antworte? Ich hab acht Jahre Garantie darauf, mehr als auf jeden anderen Motor. Und überhaupt: Ein minimales Risiko muss man schon eingehen, will man neueste Technik nutzen. Die Angst ist ein großes Thema und ja, die hatten wir in Ansätzen auch, zum Beispiel als wir das Auto beim ersten Mal im Regen an eine öffentliche Ladesäule andockten. Dass alles doppelt und dreifach abgesichert und die Bedenken völlig unbegründet sind, das steht auf einem anderen Blatt. Das ist vielleicht in technischen Beschreibungen bis ins kleinste Detail erklärt, Common Knowledge ist das aber noch nicht.

„Man muss mit der Wende umgehen wollen“

Neben all der Technik macht mir die Energiewende einfach Spaß. Denn ein echter Allgäuer ist erst mal immer sparsam und freut sich, wenn er irgendwo was sparen kann. So wie manche nach Schnäppchen jagen, haben wir mit unserer Fotovoltaik unser Schnäppchen auf dem Dach. Und die Erdbeeren aus dem eigenen Garten machen doch auch mehr Freude als die gekauften, oder?

Der Alltag hat sich eigentlich kaum verändert, für uns ist die Energiewende mittlerweile gelebte Normalität. Auch wenn das Thema sicher häufiger und anders diskutiert wird als in anderen Familien. Seit wir die Fotovoltaikanlage auf dem Dach haben und unser Auto mit Sonnenstrom fährt, fällt schon öfter ein Satz wie: „Seht ihr, wir fahren mit unserer eigenen Energie vom Haus!“

Aber: Man muss sich mit der Wende beschäftigen, muss mit ihr umgehen wollen und ein wenig umdenken. Das liegt nicht jedem, denn einfach ins Auto zu steigen und darauf zu bauen, überall eine Tankstelle ansteuern zu können, das funktioniert so nicht mehr. Ich plane heute mehr, kümmere mich schon am Tag vor der Fahrt darum, wo ich laden kann. Aber sein eigenes Kraftwerk zu sein, heißt eben auch, sein eigenes Kraftwerk zu pflegen. Das ist sicherlich eine kleine, neue Abhängigkeit – die gefühlte, große Unabhängigkeit dahinter ist uns das aber allemal wert: Meinen Strom in mein Auto tanken! Da geht es nicht mehr nur um Wirtschaftlichkeit, sondern auch um einen nachhaltigen Lebensentwurf.

Aufgezeichnet von Timour Chafik.

Volker Kühn
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