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Thema Mensch und Umwelt

26. Jul. 18

„Die höchste Energieform“

Im letzten Teil unserer Serie darüber, wie die Energiewende Berufsbilder verändert, erzählt Wendelin Einsiedler (62) von seinen Erfahrungen. Er ist Land- und Energiewirt aus Wildpoldsried im Allgäu.

Der Hof von Wendelin Einsiedler liegt in Wildpoldsried im Allgäu. Das Dorf hat bundesweit für Schlagzeilen als Vorreiter der Energiewende gesorgt. Heute produziert es acht Mal so viel Strom, wie es selbst verbrauchen kann.

Dass die Energiewende notwendig, erforderlich und wichtig ist – das ist ja alles andere als neu, das begleitet mich und uns seit über 20 Jahren. Beim einen ist's angekommen, der andere blendet's aus. Für mich war aber schon vor Jahrzehnten klar: Dieses „mit und in der Natur arbeiten“, das war und ist der Weg, den es zu gehen gilt.

Es muss Anfang der 1990er-Jahre gewesen sein, als mich die Technik, mit der aus Wind Strom gewonnen werden kann, gepackt und fasziniert hat. Vielleicht wadas damals im Vergleich zu heute noch eine Spielerei. Ich habe das aber immer als Faszinosum wahrgenommen.

Die Gesetze und die Effizienz der Windenergie habe ich mir dann über die Zeit erarbeitet, habe recherchiert und sie erlebt. Dabei ist mir schon früh klar geworden: Das bleibt keine Nische, sondern eine wichtige Säule der Energieversorgung und -wende. Aber dass wir hier in Wildpoldsried irgendwann acht Mal so viel Strom erzeugen, wie wir verbrauchen können, das hätte selbst ich nicht gedacht.

Ich komme aus der klassischen Landwirtschaft und habe mich nebenbei in das Thema Energiewende reingefuchst. Das ging soweit, dass ich auf dem Traktor darüber hin- und her gegrübelt habe. Schließlich muss man vor der Investition erstmal recherchieren und sich das nötige Wissen aneignen.

Vor 22 Jahren habe ich dann meine erste Anlage hier im Allgäu gebaut, wodurch sich für mich ein großes, völlig neues Tätigkeitsfeld aufgetan hat. Auch wenn das vielleicht zunächst einmal ein Hobby war, hat das relativ schnell geschäftliche Züge angenommen, angefangen bei der Firmengründung über die Teilhabersuche bis zum Gelder auftreiben. Damit wurde ich vom Landwirt zum Energiewirt, zum Windmüller.

„Interesse, Hobby, Idealismus – das war die Mischung, die mich antrieb.“ Wendelin Einsiedler

„Strom oder Milch – beides hat einen eigenen Wert“

Ich kam also eigentlich aus dem privaten Bereich in das Thema Energiewende. Interesse, Hobby, Idealismus – das war die Mischung, die mich antrieb. Daraus ist schnell ein Geschäft geworden, eine Möglichkeit, Einkommen zu generieren. Ich war ja schon immer Unternehmer, das bist du einfach als Landwirt. Die Energie war für mich dann ein neues, ein anderes Geschäft, für das es aber einen Idealismus und eine Leidenschaft braucht, wie für die Landwirtschaft auch.

Was die Land- und die Windwirtschaft gemein haben, ist der Umgang mit natürlichen Ressourcen. Eigentlich ist es ja dasselbe Thema mit fast identischen Ansätzen: Mit der Landwirtschaft schaffe ich ja auch aus der Natur Werte, so wie ich aus Wind Werte erzeuge. Strom oder Milch – beides hat seinen eigenen Wert.

Was mehr Spaß macht? Kann ich gar nicht sagen. Eine Überstunde ist eine Überstunde, ob als Land- oder als Energiewirt.

Beides fordert einen, aber ein bisschen gefordert werden ist ja schon auch g'sund und hält die Leidenschaft aufrecht. Woher die bei mir kommt? Aus dem ganz normalen Denken, dass wir so doch nicht weiterleben können. Und dass es einfach etwas Tolles ist, aus der Natur die höchste Energieform zu schaffen.

Aufgezeichnet von Timour Chafik.

 

 

Volker Kühn
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