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Thema Mensch und Umwelt

24. Jul. 18

Josef T. Götz hat die Energieversorgung seines Klosters umgestellt.

„In Jahrzehnten denken“

Josef T. Götz arbeitet als Cellerar in St. Ottilien. Auch in der Abgeschiedenheit seines oberbayerischen Klosters ist die Energiewende längst spürbar. Hier ist Götz' Bericht.

Josef T. Götz hat die Energieversorgung seines Klosters umgestellt.

„Wir dürfen den Planeten nicht überstrapazieren“

Josef T. Götz im Videointerview

Quelle: https://www.youtube-nocookie.com/watch?v=OOe52jf0YsY

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Ich bin Gymnasiallehrer, Fächerkombination Mathematik, Physik, katholische Religion. Ich bin aber auch seit inzwischen zwölfJahren für die Energiezentrale in St. Ottilien verantwortlich. Gymnasium, Gästehaus, Kloster, Werkstätten: Wir hatten hier einen Energieverbrauch von 700.000 Litern Heizöl pro Jahr. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen haben wir uns entschlossen, die Energieinfrastruktur in unserem Klosterdorf grundlegend umzubauen.

Während unserer verschiedenen Schulfahrten bin ich dann über zwei Eltern weiter dazu ermutigt worden, das Thema für uns konkret anzugehen. Dann haben wir ein Jahr lang gemessen, ein Jahr lang geplant – welches Rohr wohin, wie viel Gülle haben wir, wie viel Holz, wie viel Gras?

2007 und 2008 wurde bereits eine neue Hackschnitzelheizung gebaut, die den größten Teil unseres Wärmebedarfs abdeckt. 2010 wurde eine Biogasanlage in Betrieb genommen, die 250 Kilowatt Elektroenergie liefert und so viel Wärme produziert, dass im Sommer die Wärme- und Warmwasserversorgung vollständig ohne Hackschnitzel oder Heizöl erfolgen kann.

Das Ergebnis: Während wir 2007 noch jährlich 2.500 Tonnen CO2 ausstießen, waren es vier Jahre später nur noch 250 Tonnen.

„Ich tue alles, um unser Kloster auf nachhaltige Füße zu stellen.“ Josef T. Götz

„So richtig ist die Wende noch nicht in den Köpfen angekommen“

Die Energiewende war auch vorher schon präsent, aber sicher nicht in dem Maße, dass es zu einer grundlegenden Veränderung der Energieerzeugung geführt hätte. Ich hatte schon 1984 meine Abschlussarbeit über Solarenergie geschrieben, das war damals noch relativ exotisch.

Damals war ein gutes Auto ein Auto, das schnell fuhr. Man konnte beliebig Müll produzieren. „Energie ist unbegrenzt“, das schien mir fast wie eine Grundeinstellung während meines Studiums. Der „Club of Rome“ wurde nur am Rande wahrgenommen.

Und auch heute redet man vom Klimawandel, aber so richtig ist das nicht in den Köpfen angekommen. Ich fahre mit dem Zug, wir haben hier ein Elektroauto, ich fahre – wenn möglich – mit dem Rad. Ich tue alles in meiner Verantwortung, um unser Kloster auf nachhaltige Füße zu stellen und meinen eigenen Footprint so gering wie möglich zu halten.

Das Thema hat mich selber interessiert und ich habe hier im Konvent unter unseren 85 Mitbrüdern immer wieder davon erzählt. Was uns zugute kommt: Ein Kloster kann im Vergleich zu einem klassischen Unternehmen in Jahrzehnten denken und handeln. Die meisten Firmen gehen nur etwas an, wenn es sich in drei oder vier Jahren amortisiert.

Natürlich kamen auch bei uns im Konvent all die Fragen, die in jeder Gemeinde auftreten: Stinkt das nicht? Kracht das nicht? Explodiert das nicht? Aber zum Schluss gibt es eine Entscheidung, an die sich alle halten müssen.

In vielen Dörfern erlebe ich, dass es tolle, engagierte Bürger gibt, aber es sehr schwer ist, dass jeder mitmacht. Jede Neuerung bringt auch Skepsis und Misstrauen mit sich. Inzwischen höre ich aber immer wieder und immer öfter von Besuchern aus aller Welt: Wir sehen bei euch in St. Ottilien, dass es auch bei uns im Dorf laufen könnte.

Aufgezeichnet von Timour Chafik.

Volker Kühn
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