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Thema Mensch und Umwelt

06. Jul. 18

Hackstocks Werk „Flexibel und frei – Wie eine umfassende Energiewende unser Leben verändert“ ist im Oekom-Verlag erschienen.

Hackstocks Buch „Flexibel und frei“

Vom Umbruch der Energiebranche über die Finanzierung von Ökostromkraftwerken und die Rolle der Digitalisierung bis zur Energiewende im Alltag lässt Roger Hackstock kein Thema aus. Energie-Winde stellt das Buch vor.

Hackstocks Werk „Flexibel und frei – Wie eine umfassende Energiewende unser Leben verändert“ ist im Oekom-Verlag erschienen.

Von Mareike Redder

Unser Klima ändert sich. Die Auswirkungen sind schon heute sichtbar und reichen von abtauenden Permafrostböden über Brände und Dürren bis hin zu Überschwemmungen. Sie verdeutlichen, dass es Zeit ist, etwas zu ändern. Dieser Meinung ist auch der Autor Roger Hackstock, der zwölf Jahre lang Geschäftsführer von Austria Solar war und sich seit fast 30 Jahren mit erneuerbaren Energien beschäftigt. In seinem Buch „Flexibel und frei. Wie eine umfassende Energiewende unser Leben verändert“ beschreibt er, wie der Klimawandel und der Umbau der Energieversorgung den Alltag der Menschen prägen. Energie-Winde stellt das Buch vor.

Energiewelt im Umbruch

„Der Umbruch, der sich seit ein paar Jahrzehnten vollzieht, wird sich nicht auf einige Tausend Solaranlagen und Windräder beschränken, sondern weitaus umfassender sein, als viele sich das heute vorstellen. Die Energiewende ist eine komplette Transformation der Energieversorgung, die alle Bereiche unserer Gesellschaft erfassen wird.“

So schreibt es Roger Hackstock in der Einleitung von „Flexibel und frei“. Die Energiewirtschaft sieht er vor einem Wendepunkt: Nach und nach wurden und werden Atom- und Kohlekraftwerke in Deutschland vom Netz genommen. Statt nuklearer und fossiler Energie aus Atom- und Kohlekraftwerken soll zukünftig immer mehr Strom aus Sonne, Wind und Co. erzeugt werden.

Dezentralisierung und Finanzierung

Das soll aber nicht die einzige Veränderung für die Energiewirtschaft sein. Wie Hackstock im Kapitel „Tausende Kraftwerke für alle“ erläutert, werden neue Technologien, Geschäftsmodelle und Marktregeln die Energieversorgung der Zukunft bestimmen. Schon längst sind nicht mehr nur die großen Konzerne für die Stromversorgung verantwortlich. Ein Großteil der erneuerbaren Energie kommt aus Kleinkraftwerken, Wind- und Solarparks, teils auch aus privater Hand.

Insgesamt gibt es in Deutschland laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) rund 1,6 Millionen dieser dezentralen Erzeugungsanlagen. Die Stromnetze müssen auf diese vielen Anlagen, die unregelmäßig Strom erzeugen, ausgelegt werden.

Erste Forschungsansätze gibt es bereits, Start-ups entwickeln Ideen, um die Energieversorgung der Zukunft zu regeln und die Energiewende voranzutreiben. Neben neuen Speichertechnologien und Power-to-Gas gehören hierzu auch der Datenaustausch und die Echtzeitsteuerung von dezentralen Kraftwerken über das Internet oder Netzverträge zum Pauschaltarif, ähnlich dem eines Mobilfunkanbieters.

Dezentrale Kraftwerke bieten neue Finanzierungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für die Bürger (Kapitel „Neue Wege der Finanzierung“). Diese können sich an der Finanzierung von zum Beispiel Solaranlagen oder Windparks beteiligen und von den Erträgen profitieren oder erneuerbare Energien als Vermögensanlage nutzen. Für Städte und Gemeinden sind erneuerbare Energien so eine ertragreiche Einnahmequelle. Für Energiekonzerne bedeutet das: Umdenken. Sie müssen ihre Geschäftsmodelle und -strategien überdenken, um am Markt bestehen zu können.

Digitalisierung und Flexibilisierung

Eine große Rolle bei der Verteilung und Steuerung des Stroms aus dezentralen Erzeugungsanlagen wird auch die Digitalisierung spielen. Intelligente Thermostate, digitale Heizungen, Strombanken, Smart Meter und Blockchain im Energiesektor – das sind nur einige der vielen Ansätze, die es heute schon gibt oder zukünftig denkbar wären. Konsumenten würden zu Prosumern, die selbst entscheiden, wer ihre Versorger sind. Die Digitalisierung treibt die Energiewende voran – und der Verbraucher ist Mit-Entscheider.  

Das wird zwangsläufig auch zu einer Flexibilisierung der Verbraucher führen. Da die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien unbeständiger ist als die aus fossilen Kraftwerken, muss die Energie flexibel verteilt und gespeichert werden können, um bei Windstille oder wolkenbedecktem Himmel die Versorgung gewährleisten zu können. Mit Hilfe von Smart Metern könnten Haushaltsgeräte dann in Betrieb genommen werden, sobald ein Überangebot an Ökostrom besteht. Herrscht Flaute, bleiben die Geräte aus, auch in der Industrie.

Städte und Elektromobilität

Im Kapitel „Städte als Motor des Wandels“ schreibt Hackstock, die Energiewende sei nur in einer gemeinsamen Anstrengung von Stadt und Land zu schaffen, bei gleichzeitiger Reduzierung des Energieverbrauchs. Aber auch flächendeckende Fotovoltaikanlagen auf den Dächern der Häuser bieten große Möglichkeiten, die grüne Energieversorgung einer Stadt voranzutreiben. Solarzellen auf Mehrfamilienhäusern versorgen schon heute alle Bewohner eines Hauses. Überschüssig produzierter Strom könnte darüber hinaus an die Nachbarn abgegeben oder in das Netz eingespeist werden.

Die Energiewende macht sich auch auf unseren Straßen bemerkbar – Stichwort Elektromobilität. Hackstock geht im Kapitel „Elektroautos auf dem Vormarsch“ sogar so weit zu sagen, die Elektromobilität habe „neben der Fotovoltaik die stärkste Zugkraft am Markt, die dazu führen wird, dass sich unser Energiesystem von Grund auf ändert“. Immer mehr Privatpersonen sind bereit, sich ein Elektroauto zu kaufen oder auch auf Carsharing-Angebote zurückzugreifen, hinzu kommen E-Mobile im Bereich ÖPNV und zum Beispiel der Müllentsorgung. Immer stärker werdende Batterien von Elektroautos könnten zukünftig auch aus Kurzzeitspeicher genutzt werden und dabei helfen, die Stromnetze zu stabilisieren.

Carsharing-Ansätze und selbstfahrende Autos, vernetzt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, können zudem dazu führen, dass sich unser Stadtbild, wie wir es kennen, grundlegend ändert: Weniger Autos auf den Straßen, dafür mehr Raum für Grünflächen, Parks, Spielplätze und ähnliches.

Energiewende als Gemeinschaftsaufgabe

Um die Energiewende erfolgreich und zeitnah umsetzen zu können, bedarf es aber vor allem eines generellen Umdenkens. Roger Hackstock fasst im letzten Absatz seines Buches zusammen: „Das Leitmotiv der Zukunft wird daher sein, ein Leben im Einklang mit unserer natürlichen Lebensumgebung zu führen, die wir nur so weit verändern dürfen, dass es für die nächsten Generationen auf diesem Planeten nicht ungemütlich wird.“

Lesen Sie im Interview mit Roger Hackstock, wie er zu seiner Buchidee kam und wo er die größten Herausforderungen für die Energiewende sieht.

Volker Kühn
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