Das Portal für Offshore-Windenergie

Thema Mensch und Umwelt

17. Jul. 18

Berufsbilder der Energiewende

Die Umbau der Energieversorgung ist ein Generationenprojekt, das ganze Berufszweige verändert. In einer dreiteiligen Serie zeigt Energie-Winde, wie unterschiedlichste Metiers davon betroffen sind.

Von Timour Chafik

Unternehmer werden immer dann besonders hellhörig, wenn es um Kosten geht. Wenn es etwas kostet, ist es in der Regel nicht besonders schön, es sei denn es rechnet sich in kurzer Zeit. Dann ist das, was kostet, ein gutes Investment, eine Investition in die Zukunft des eigenen Betriebs und der Unternehmung als Ganzes. Ob Drei-, Fünf- oder Siebenjahrespläne – der Plan muss auf jeden Fall aufgehen, unter dem Strich muss etwas bleiben. Alles andere ist ein Minusgeschäft.

„In einer vom Klima- und Energiefonds im Jahr 2014 beauftragten Studie Cost of Inaction: Assessing the Costs of Climate Change for Austria (COIN) wurde errechnet, welche Größenordnung an volkswirtschaftlichen Kosten zu erwarten ist, falls die Prognosen der Klimaforscher zu den Auswirkungen des Klimawandels eintreffen“, schreibt Roger Hackstock in seinem Buch „Flexibel und frei – Wie eine umfassende Energiewende unser Leben verändert“.

Das Ergebnis: Der finanzielle Schaden durch Wetterextreme könnte bis Mitte des Jahrhunderts auf bis zu 8,8 Milliarden Euro pro Jahr anwachsen, mögliche Gewinne durch bessere Ernten, mehr Sommertourismus, weniger Heiztage und Ähnliches bereits berücksichtigt. In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, und das verwundert nicht, ist der Klimawandel ein Verlustgeschäft.

Langzeitprojekt trifft kurzfristiges Denken: Manchen Branchen fällt es schwer, sich auf die Energiewende einzustellen

Eine weitere unternehmerische Binsenweisheit: Lege nie alle Eier in einen Korb. Die Deutsche Energieagentur Dena formuliert das in ihrer „Leitstudie integrierte Energiewende“ so: „Die Dena-Leitstudie zeigt, dass das zukünftige sektorübergreifende Energiesystem auf einem breiten Mix an Energieträgern und Technologien basieren sollte.“ Und weiter: „Die Investitionszyklen zur Entwicklung neuer Technologien sind je nach Branche sehr unterschiedlich und können bei neuen industriellen Prozess- und Fertigungstechniken zwei bis drei Jahrzehnte umfassen.“ Was die Wirtschaftsakteure bräuchten, das seien langfristige Planungssicherheit, um in die Entwicklung und Markteinführung neuer, innovativer Technologien investieren zu können.

Planungssicherheit, Langfristigkeit, langer Atem: Nicht jedes Unternehmen kann in Sachen Energiewende so entspannt und weitsichtig handeln, wie das in unserer neuen Serie beispielhaft vorgestellte Kloster St. Ottilien. Klöster denken nun einmal nicht in Jahresplänen, ganz im Gegensatz zu Handwerkern – zum Beispiel Kaminkehrer –, die um jeden Kunden ringen müssen. Oder nicht? Der Fall aus der Kaminkehrer-Innung München zeigt auch, dass mit Veränderungs- und Lernbereitschaft die Energiewende zu einer regelrechten Win-Win-Situation werden kann: so sehr, dass gar nicht mehr alle Anfragen bewältigt werden können.

Das ist sicher nicht die Regel. Aber es ist ein Zeichen. Ja, die Energiewende kostet. Sie kostet Zeit, sich mit ihr zu beschäftigen und den Mut, sie nicht nur anzudenken, sondern auch anzupacken. Außerdem den Willen, sich und das eigene Unternehmen auf den Prüfstand zu stellen und vielleicht neu auszurichten. Dann kann die Wende nicht nur machbar, sondern auch wirtschaftlich ein Gewinn sein.

Volker Kühn
Artikel speichern gespeichert

Artikel zur Merkliste hinzugefügt