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19. Sep. 18

Mit den Drohnen, die Hobbypiloten im Supermarkt kaufen können, hat die Aerones-Entwicklung bis auf die Fernsteuerung kaum etwas gemeinsam. Hier ist sie bei einem Einsatz in Lettland zu sehen.

Superdrohne für die Windenergie

Ein Start-up aus Lettland hat eine Drohne gebaut, die mit ihren bis zu 28 Propellern 200 Kilogramm tragen kann: Das ideale Werkzeug zur Wartung von Windrädern, meint CEO Janis Putrams im Interview mit Energie-Winde.

Kleine Firma, hochfliegende Pläne: Die Drohne des lettischen Start-ups Aerones soll schon bei so manchem Industrieunternehmen auf dem Wunschzettel stehen. In spektakulären PR-Videos sieht man, wie sie ein Windrad enteist oder einen Fallschirmspringer Hunderte Meter hoch in die Luft zieht. Von der Nachahmung solcher Sportaktivitäten rät Aerones-Chef Janis Putrams allerdings ab. Energie-Winde hat ihn gefragt, für welche Einsätze er sein Fluggerät stattdessen empfiehlt.

Drohne enteist Windräder

Das Fluggerät von Aerones bei der Arbeit

Quelle: https://www.youtube-nocookie.com/watch?v=mP5LZYpFggM

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Herr Putrams, wie funktioniert Ihr Superflieger und was unterscheidet ihn von gewöhnlichen Drohnen?
Janis Putrams: Unsere Schwerlastdrohne ist verglichen mit anderen Modellen komplett anders aufgebaut. Sie wiegt 90 Kilogramm und kann selbst bis zu 200 Kilogramm tragen. Das einzige Element daran, dass sie mit den Drohnen von Hobbyfliegern verbindet, ist die Fernsteuerung. Unsere Drohne ist über ein Kabel mit einer Stromquelle am Boden verbunden, sodass sie dauerhaft in der Luft sein kann. Ein Batteriebetrieb ist aber auch möglich, dann fliegt sie bis zu 16 Minuten.

Wie lang haben Sie daran gearbeitet? Was war Ihr Ziel dabei?
Putrams: Wir haben zwei Jahre investiert, um etwas technisch Einmaliges zu entwickeln. Unsere Drohne kann man bei Rettungseinsätzen nutzen, zum Beispiel wenn jemand im Eis eingebrochen ist. Feuerwehrleute können Sie einsetzen, um Brände an hohen Gebäuden zu löschen. Und sie eignet sich natürlich hervorragend für die Windenergie.

Nicht nur die Rotorblätter von Windrädern lassen sich mit der Drohne von Aerones reinigen. Hier ist das Gerät an einer Industrieanlage im Einsatz.

Woran denken Sie dabei?
Putrams: Windräder müssen regelmäßig gereinigt werden und im Winter muss man die Rotorblätter von Eis befreien. Mit unserer Drohne ist das kein Problem. Die Tanks an Bord mit Reinigungs- oder Enteisungsmittel werden über einen Schlauch vom Boden versorgt und die Düsen können bis zu 100 Liter Flüssigkeit pro Minute versprühen.

Was kostet so ein Fluggerät?
Putrams: Je nach Konfiguration der Drohne bis zu 200.000 Euro.

Und das rechnet sich für potenzielle Kunden? Ist es nicht viel einfacher, Windräder mit Industriekletterern zu warten?
Putrams: Die Vorteile liegen doch auf der Hand! Sicherheit, Kostenersparnis und der Zeitfaktor. Ein Mensch benötigt für die Inspektion von drei Rotorblättern einer Windanlage etwa einen Arbeitstag. Die Drohne schafft das in etwa zwei Stunden. Zudem wird bei der Reinigung immer mit einer HD-Kamera auf der Drohne gefilmt. So können wir auch tiefer liegende Schäden erkennen.

Mit den Drohnen, die Hobbypiloten im Supermarkt kaufen können, hat die Aerones-Entwicklung bis auf die Fernsteuerung kaum etwas gemeinsam. Hier ist sie bei einem Einsatz in Lettland zu sehen.

In einem Video ist zu sehen, wie sich ein Fallschirmspringer von Ihrer Drohne in die Höhe ziehen und dann fallen lässt. Aber für sportliche Zwecke ist die Drohne nicht konzipiert, oder?
Putrams: Nein, wir kümmern uns sehr um das Thema Sicherheit und würden bei solchen Events nicht teilnehmen. Der Drohnensprung war eine einmalige Sache, um zu zeigen, dass wir zum Beispiel jemanden in einer Notlage von einem Hochhaus retten könnten. Wir haben einen Fallschirmspringer von einer 100 Meter hohen Plattform auf die Höhe von 330 Metern getragen.

Die Fragen stellte York Schaefer.

 

 

Volker Kühn
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