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Thema Wind und Wende

18. Dez. 15

Weniger als ein Cent

2016 steigt die EEG-Umlage leicht an – dazu trägt auch der Ausbau der Offshore-Windenergie bei. Als Grund für Strompreiserhöhungen kann die EEG-Umlage aber nicht gelten, da Händler den Strom so günstig wie nie einkaufen.

Die EEG-Umlage ist das zentrale Element für die Förderung der erneuerbaren Energien. Betreiber von Erneuerbaren-Energien-Anlagen bekommen pro Kilowattstunde einen festen Preis, welcher über die EEG-Umlage finanziert wird.

Zum Jahresende gibt es viel schöne Post: Weihnachtskarten, Jahresrückblicke und Neujahrswünsche. Doch manche Verbraucher erhalten auch unerfreuliche Schreiben: einige Stromanbieter kündigen in der kalten Jahreszeit ihre Preiserhöhungen für das nächste Jahr an.

Nach Angaben des Verbraucherportals Verivox  haben über hundert Energieversorger mitgeteilt, ihre Strompreise um durchschnittlich rund 2,8 Prozent zu erhöhen. Begründet werden diese Erhöhungen mit dem Anstieg mehrerer staatlicher Umlagen. Auch die EEG-Umlage steigt im kommenden Jahr von 6,17 Cent auf 6,35 Cent je Kilowattstunde.

Die EEG-Umlage hat in den vergangenen Jahren immer wieder für Diskussionen gesorgt. Sie ist das zentrale Instrument zur Förderung erneuerbarer Energien, mit der jeder Bürger die Energiewende mitfinanziert.

Das funktioniert so: Wer erneuerbare Energien erzeugt, beispielsweise durch eine Solaranlage auf dem Hausdach, bekommt für den Strom, der ins Stromnetz eingespeist wird, eine im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Vergütung. Ab dem Moment, ab dem diese Anlage zum ersten Mal einspeist, ist die Einspeisevergütung auf 20 Jahre garantiert.

Die Einspeisevergütung sinkt von Jahr zu Jahr, je effizienter die alternativen Energien werden. Wer heute eine Solaranlage installiert, bekommt also deutlich weniger pro eingespeiste Kilowattstunde als noch vor einigen Jahren.

Die Vergütung bezahlt der Netzbetreiber, der den eingespeisten Strom an der Strombörse in Leipzig  verkauft. Dort erhält der Netzbetreiber allerdings oft weniger Geld, als er dem Erzeuger zahlen muss. Diese Differenz gleichen die Stromverbraucher über die EEG-Umlage aus. Die Stromversorger reichen die über die Stromkunden eingenommene Umlage dann an die Netzbetreiber weiter.

Der Zubau von Offshore-Windkraftablagen spielt für den Anstieg der EEG-Umlage eine Rolle, so Christoph Podewils des Think Tank Agora Energiewende.

Offshore-Windenergie kam 2015 richtig in Fahrt

„Um die EEG-Umlage zu ermitteln, geben die Betreiber der Übertragungsnetze Gutachten bei Energiesystemspezialisten in Auftrag“, sagt Christoph Podewils von Agora. Die auf Energiewende-Fragen spezialisierte Denkfabrik hat selbst einen EEG-Umlagenrechner entwickelt, mit dem sich die Entwicklung der Umlage für die kommenden Jahre nachvollziehen lässt.

„Wir haben in den Rechner alle möglichen Annahmen einfließen lassen – etwa welche Gesamtleistung künftige Erneuerbare-Energien-Anlagen haben werden, wie hoch der Stromverbrauch sein wird und auf welche Strommengen nur eine reduzierte Umlage gezahlt werden muss. Entlang der Regeln im EEG und in anderen Gesetzen lässt sich dann errechnen, wie hoch die Umlage in etwa sein muss. Natürlich lässt sich nicht vorhersagen, wie sich Wind- und Sonnenverhältnisse über die Jahre entwickeln werden, das sind Prognoseungenauigkeiten. Aber da geht es den Gutachtern für die Übertragungsnetze nicht anders, wenn sie mit ganz ähnlichen Methoden rechnen“, erklärt Podewils.

Jährlich am 15. Oktober veröffentlichen die deutschen Übertragungsnetzbetreiber die EEG-Umlage für das folgende Kalenderjahr.

Was sind nun die Gründe für den Anstieg der EEG-Umlage im kommenden Jahr? „Eine Rolle spielt der Zubau von Offshore-Windenergieanlagen“, sagt Podewils. Denn nach langer Verzögerung ist der Ausbau der Offshore-Windenergie dieses Jahr so richtig in Fahrt gekommen.

Die Branche rechnet bis zum Jahresende mit insgesamt rund 2.250 Megawatt neuer Offshore-Windenergie-Kapazität am Netz. Während Solar und Wind-Onshore bereits eine erhebliche Vergütungssenkung hinter sich haben, erhalten die nun ans Netz gegangenen Offshore-Windparks noch eine vergleichsweise hohe Anfangsvergütung.

Ein Blick in die Daten des Umlagerechners zeigt: lagen die Zahlungsströme für die Offshore-Windkraft im Jahr 2015 noch bei 1,38 Milliarden, wird im kommenden Jahr mit 2,5 Milliarden Euro fast doppelt so viel dafür veranschlagt. Damit hat die Offshore-Windenergie nun einen Anteil von knapp zehn Prozent an der Umlage – liegt aber immer noch hinter der Solarenergie, Wind-Onshore und der Bioenergie. In Centbeträgen ausgedrückt, entfallen im kommenden Jahr 0,64 Cent pro verbrauchte Kilowattstunde auf die Förderung der Offshore-Windenergie.

Keine Rechtfertigung für Strompreiserhöhung

Für steigende Strompreise taugt der Offshore-Ausbau kaum als Argument. „Die EEG-Umlage wird immer gerne als Vorwand genommen, um Strompreiserhöhungen zu rechtfertigen. Zwar steigt die Umlage im kommenden Jahr ein wenig, gleichzeitig werden die Stromkunden durch gesunkene Strompreise entlastet. Diese Situation wird von einigen Stromhändlern aber nicht transparent gemacht“, sagt Björn Pieprzyk, Referent für Wissenschaft und Statistik beim Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE).

Denn die steigende Zahl von EE-Anlagen verdrängen teure Kohle- und Gaskraftwerke. „Das führt zu einem fortschreitende Preisverfall an der Strombörse“, erklärt Pieprzyk. Während die EEG-Umlage von 3,53 Cent im Jahr 2011 auf 6,35 in 2016 stieg, sank der Börsenstrompreis im gleichen Zeitraum 5,83 Cent pro Kilowattstunde auf 3,6 Cent. Für die Energieversorger ermöglicht dieser so genannte Merit-Order-Effekt, dass sie sich über die Börse mit viel günstigerem Strom eindecken können als früher. „Tatsächlich könnten die Strompreise im kommenden Jahr für die Endkunden leicht sinken, da die Summe aus EEG-Umlage und Börsenstrompreis 2016 niedriger ist“, sagt Pieprzyk.

Dennoch dient die EEG-Umlage seit langem als Buhmann für steigende Strompreise. Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, forderte von der Politik bereits mehrfach eine „Kostenbremse“. Tatsächlich sind aber bereits große Teile der Industrie per Gesetz privilegiert. Unternehmen, die besonders viel Energie verbrauchen und im internationalen Wettbewerb stehen, müssen nur einen kleinen Teil der Umlage bezahlen.

Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) profitieren aktuell über 2.000 Unternehmen von dieser Regelung. Verbraucherorganisationen kritisieren, dass dies zu Lasten der Bürger geht. „Die Zahl der Unternehmen, die von diesen Privilegien profitiert, ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen“, sagt Pieprzyk. Genau wie Umwelt- und Verbraucherschutzverbände fordert der BEE daher, dass intensiver geprüft werden muss, damit nur diejenigen Wirtschaftszweige, die wirklich im internationalen Wettbewerb stehen, entlastet werden.

Wie genau die EEG-Umlage sich in den kommenden Jahren entwickelt, lässt sich heute schwer prognostizieren. „Ein leichter Anstieg ist wahrscheinlich, hängt aber auch ganz stark von Randbedingungen wie etwa dem Emissionszertifikatehandel ab. Wenn es zu einem Anstieg der CO2-Preise kommt, weil die Zertifikate durch die EU begrenzt werden, wirkt sich das dämpfend auf die EEG-Umlage aus, weil die Einnahmen aus dem Erlös von EE-Strom steigen würden“, erklärt Pieprzyk. Andere Stellschrauben sind der Stromverbrauch insgesamt und die Entwicklung des Börsenstrompreises.

Auch der Ausbau der Offshore-Windenergie wird sich weiter bei der EEG-Umlage bemerkbar machen – bislang hält sich das jedoch in Grenzen. Denn trotz des starken Zubaus der Windparks auf See steigt die Umlage im Vergleich zu 2015 nur um 0,18 Cent an. Gleichzeitig werden die rund 14 Terrawatt Strom aus den neu ans Netz gegangenen Offshore-Anlagen im kommenden Jahr den Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix deutlich steigen lassen.

Ricarda Schuller
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