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Thema Wind und Wende

13. Mär. 17

„Das Erdkabelgesetz verzögert den Netzausbau nicht, sondern ermöglicht den Bau der HGÜ-Leitungen, weil Widerstände schwinden“, erklärt Franz Josef Pschierer im Gastbeitrag für Energie-Winde.

Warum Erdkabel besser sind

Unterirdische Stromtrassen sind nur vordergründig teurer, meint Bayerns Energiestaatsekretär Franz Josef Pschierer: weil sie weniger Klagen nach sich zögen und der Netzausbau daher schneller gehe.

„Die Stromleitungen müssen mit dem Ausbau der Erneuerbaren Schritt halten“ Franz Josef Pschierer

Von Franz Joef Pschierer

Die Energiewende kommt gut voran. 2016 ist der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland auf fast 30 Prozent gestiegen – in Bayern liegt dieser Wert sogar bei fast 40 Prozent. Klar ist aber auch: Wir müssen dafür sorgen, dass die Kapazitäten der Stromleitungen insbesondere von Nord- nach Süddeutschland mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien Schritt halten. Es macht keinen Sinn, teuren Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren, der unsere Netze überfordert.

Bereits heute müssen die Übertragungsnetzbetreiber täglich eingreifen, um die Netze zu stabilisieren. Kraftwerke in Bayern und benachbarten Bundesländern oder im Ausland werden hochgefahren und Erzeugungsanlagen in Nord- und Ostdeutschland abgeregelt, um die Strommenge zwischen Nord- und Süddeutschland künstlich zu verringern. Das ist nicht wirtschaftlich.

Den Bau der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitungen (HGÜ-Leitungen) trägt Bayern deshalb mit. In den nächsten Wochen gehen wir den nächsten Schritt. Die Übertragungsnetzbetreiber haben jüngst bei der Bundesnetzagentur ihre Anträge auf Bundesfachplanung eingereicht.

Die derzeitigen Planungen der Vorhabenträger sehen dafür eine vollständige Erdverkabelung vor. Den gesetzlich verankerten Erdkabelvorrang im Gleichstrombereich hatte Bayern beim Bund durchgesetzt.

„Das Erdkabelgesetz verzögert den Netzausbau nicht, sondern ermöglicht den Bau der HGÜ-Leitungen, weil Widerstände schwinden“, erklärt Franz Josef Pschierer im Gastbeitrag für Energie-Winde.

Nur wenn die Umwelt erheblich beeinträchtigt ist, kommen Freileitungen infrage

Ausnahmen sind nur unter sehr engen Voraussetzungen möglich: wenn mit einer Erdverkabelung gegen die Artenschutzbestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes verstoßen wird, wenn ein Natura-2000-Gebiet erheblich und ungerechtfertigt beeinträchtigt wird, wenn die Leitung in oder unmittelbar neben einer bestehenden oder bereits genehmigten Hoch- oder Höchstspannungsfreileitung errichtet wird und keine zusätzlichen erheblichen Umweltauswirkungen entstehen oder die betroffene Gebietskörperschaft dies verlangt.

Ich halte diese Regelungen für richtig und notwendig. So ist gewährleistet, dass wir am Ende eine Umsetzung mit annähernd 100 Prozent Erdkabel sehen werden. Ich bin mir sicher: Das Erdkabelgesetz verzögert den Netzausbau nicht, sondern ermöglicht den Bau der HGÜ-Leitungen, weil Widerstände schwinden.

Schon jetzt ist offensichtlich, dass sich die Akzeptanz der Bevölkerung für den Aus- und Umbau des Stromnetzes deutlich erhöht hat. Und die Energiewende werden wir nur schaffen, wenn wir sie mit unseren Bürgern gestalten und nicht gegen sie.

Falls im Wechselstrombereich im Rahmen der gesetzlich vorgesehenen Pilotprojekte eine Erdverkabelung möglich ist, kann auch hier die Verkabelung von Teilabschnitten dazu beitragen, an neuralgischen Punkten Lösungen im Interesse der Betroffenen zu finden. Nichtsdestotrotz kann es Abschnitte geben, in denen neben den unbestrittenen Vorteilen der Erdverkabelung auch Nachteile zum Tragen kommen.

„Ein zügiger Netzausbau ist ein wichtiger Baustein der Energiewende“ Franz Josef Pschierer

Ob auch Wechselstromleitungen unterirdisch möglich sind, sollen Pilotprojekte zeigen

Auswirkungen auf beispielsweise Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser oder Kultur- und Sachgüter müssen daher in jedem Einzelfall geprüft werden, bevor beurteilt werden kann, ob ein Erdkabel oder eine Freileitung die bessere Lösung ist. Darüber hinaus sind der Erdverkabelung im Wechselstrombereich gegenüber dem Gleichstrombereich aus technischen Gründen Grenzen gesetzt, weswegen eine Vollverkabelung längerer Strecken nicht zu erwarten ist. Vorerst sollen durch die Verkabelung von Teilabschnitten in Pilotprojekten weitere Erkenntnisse gewonnen werden.

Den Ausbau der Stromnetze wird der Freistaat Bayern, sofern der Bedarf zweifelsfrei festgestellt ist, konstruktiv begleiten. Mit der in meinem Haus eingerichteten Taskforce Netzausbau Bayern leisten wir hier ganz konkrete Unterstützung für alle Betroffenen vor Ort. Die Energiewende wird uns nur gelingen, wenn wir das energiepolitische Zieldreieck Umweltverträglichkeit – Versorgungssicherheit – Bezahlbarkeit im Blick behalten. Ein zügiger zielgerichteter Ausbau des Übertragungsnetzes ist dabei ein wichtiger Baustein.


Franz Josef Pschierer (CSU) ist seit Oktober 2013 Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. Der 59-Jährige leitet die Taskforce Netzausbau des Freistaats.

Volker Kühn
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