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Thema Wind und Wende

05. Feb. 15

Mit jedem durch Offshore-Windstrom abgeschaltetem Kohlekraftwerk vermindern sich die schädlichen CO2-Ausstöße – gut für das Klima und die Umwelt.

Die Vorteile der Windenergie sind klar ersichtlich

Die Atomwirtschaft und die Kohlelobby spielen nicht mit offenen Karten. Bei der Beurteilung der tatsächlichen Subventionen werden mehrstellige Milliardenbeträge weitgehend unterschlagen.

Subventionsbericht ohne Atom- und Kohleförderung. Der Grund für den damals amtierenden EU-Energie-Kommissar Oettinger: unklare Datenlage.

Offenbar ist die Höhe der Subvention für die Atom- und Kohleverstromung ein Thema, das konservative Energiepolitiker und die konventionelle Energiebranche nur ungern öffentlich erörtern.

Jedenfalls wusste das "Handelsblatt" zu berichten, dass im Herbst 2013 der damals amtierende EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, die Förderung von Kohle- und Atomkraft aus seinem Subventionsbericht herausstreichen ließ. Der Kommissar begründete dieses Vorgehen mit unklarer Datenlage.

Tatsächlich ist es so, dass die Bilanz aller Kosten deutlich zugunsten der erneuerbaren Energien – insbesondere der Windenergie – ausfällt. Das ist nicht für alle Akteure in der konventionellen Energiewirtschaft ein wünschenswertes Ergebnis.

Dabei ist die Entwicklung nicht mehr umkehrbar. Die Windenergie hat es geschafft. Sie kann an Land an vielen Standorten mit den Stromgestehungskosten der konventionellen Stromwirtschaft konkurrieren. Findet die Offshore-Windkraft den Weg in die Großfertigung, ist der Seewind-Strom mittel- bis langfristig marktfähig.

Den Anschub für diese Entwicklung gab die Förderung der Windenergie durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das Gesetz ist 2014 überarbeitet worden. Für die Offshore-Windenergie haben sich entgegen anfänglichen Befürchtungen vorläufig noch vertretbare Einschnitte ergeben.

Der Gesetzgeber senkte die Anfangs- und die Grundvergütung um einige zehntel Prozentpunkte. Bedeutsamer sind die Deckelung des Zubaus und vor allem der Abbau der festen Einspeisevergütung ab 2017.

Ausschreibungen werden die bisherige garantierte Einspeisevergütung des EEG ablösen. Beim Ausschreibungsmodell werden die Erneuerbare-Energien-Kapazitäten, die zugebaut und installiert werden sollen, jährlich festgelegt und über Auktionen versteigert. Ab 2017 dürfen so nur noch die Marktteilnehmer Erneuerbare-Energien-Anlagen errichten, die per Ausschreibung den Zuschlag erhalten.

Bei europäischen Ausschreibung für Onshore-Wind könnten Bürgergenossenschaften ins Hintertreffen geraten, befürchtet der BWE.

Projektfinanzierung ist üblich

Während die Offshore-Industrie diesem Modell grundsätzlich offen gegenübersteht, lehnt der Bundesverband WindEnergie (BWE) diese Ausschreibungen mit Blick auf Onshore-Wind ab. Der Präsident des BWE, Hermann Albers, sieht darin eine Benachteiligung kleinerer, privater Investoren gegenüber den größeren Anbietern: „Wir sehen einen großen strategischen Nachteil im Rahmen einer avisierten europäischen Ausschreibung für Bürgergenossenschaften. Die haben wenig Erfahrung mit internationalen Ausschreibungen, und das legt den Eindruck nahe, dass hier große Konzerne in einen strategischen Vorteil gestellt werden.“

Als Ersatz für die Vergütung über 20 Jahre hinweg bleibt die Direktvermarktung des geernteten Stroms. Der Strom wird dann von professionellen Dienstleistern direkt vermarktet, die Großanlagenbetreiber werden ihren Strom selbst verkaufen.

Die garantierte Vergütung des eingespeisten Stroms ist eine Säule der deutschen Offshore-Entwicklung. Die geldgebenden Banken und andere Investoren stützen sich zunehmend auf die sogenannte Projektfinanzierung.

Dabei wird die Zins- und Tilgungszahlung aus dem laufenden Betrieb des Offshore-Windparks bedient. Die bonitätsorientierte Kreditaufnahme, die jahrelang von den deutschen Banken bevorzugt wurde, macht hingegen den Kredit von der finanziellen Gesundheit und Stärke des Kreditnehmers abhängig – eben der Bonität.

Positiv haben die Windmüller auf die Verlängerung des „Stauchungsmodells“ reagiert. Der Pressereferent der Stiftung Offshore Windenergie, Sebastian Sahm, erklärt: „Das Stauchungsmodell stellt eine erhöhte Anfangsvergütung für einen gekürzten Zeitraum von acht Jahren da. Dadurch können sich die Betreiber schneller refinanzieren und die Projektkosten sinken insgesamt. Rechnet man allerdings die Kosten über zwanzig Jahre – wie die Förderung bei den anderen erneuerbaren Energien – liegt die Offshore-Windenergie im Mittelfeld.“

Mit jedem durch Offshore-Windstrom abgeschaltetem Kohlekraftwerk vermindern sich die schädlichen CO2-Ausstöße – gut für das Klima und die Umwelt.

Hohe Wertschöpfung

Offshore-Windenergie schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze in ganz Deutschland. Die Branche beschäftigt schon heute mehr als 18.000 Menschen. Die bundesweite Wertschöpfung kann nach einer Studie von Pricewaterhouse bis 2021 auf über 22 Milliarden Euro wachsen und die Beschäftigtenanzahl auf mehr als 30.000 ansteigen. Das wären dann in etwa so viel Beschäftigte wie heute im deutschen Steinkohlebergbau.

Der volkswirtschaftliche Nutzen erschöpft sich allerdings nicht nur in der Schaffung von Arbeitsplätzen. Mit jedem durch Offshore-Windstrom abgeschaltetem Kohlekraftwerk vermindern sich die schädlichen CO2-Ausstöße – gut für das Klima und die Umwelt.

Wie teuer ist der Strom aus fossilen Quellen wirklich? Mit der Zuwendung der 1,22 Milliarden Euro an den deutschen Bergbau im vergangenen Jahr ist es noch lange nicht getan.

Zu den größten Posten gehört auch mit knapp über 1,1 Milliarden Euro der Zuschuss für die Vertriebsaktivitäten von Kohle und Stahl. Die Zahlen stammen aus dem Subventionsbericht der Bundesregierung – und sind nach Meinung vieler Experten nur die halbe Wahrheit.

Atomenergie und Kohleverstromung können hinsichtlich der Gesamtkosten nicht auf den ersten Blick erfasst werden. Die Stromrechnungen, die der Kunde in die Hand bekommt, sind alles andere als transparent. Atom- und Kohleverstromung verursachen sogenannte versteckte Kosten, die die Verbraucher nie auf ihren Rechnungen sehen werden. Es handelt sich um Folgekosten der Kohle- und Atomwirtschaft wie Umwelt- und Klimaschäden, Atemwegs- und Herzerkrankungen oder – zumindest teilweise – die Atommüll-Entsorgung.

Der Ökostromanbieter Greenpeace Energy gab vor zwei Jahren eine Studie über die Stromproduktion aus Kohle und Atomenergie beim Berliner Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft in Auftrag.

Die Studie stellt der Windenergie ein hervorragendes Zeugnis aus: „Im Ergebnis trägt die Gesellschaft im Jahre 2012 bei einer Kilowattstunde Windstrom umgerechnet Kosten von 8,1 Cent und bei Wasserstrom 7,6 Cent. Die Gesamtkosten für Strom aus Braun- und Steinkohlekraftwerken summieren sich hingegen auf 15,6 beziehungsweise 14,8 Cent und für Atomenergie sogar auf mindestens 16,4 Cent je Kilowattstunde. Die Kosten für Erdgasstrom liegen bei 9,0 Cent.“

Betrachtet man den Zeitraum von 1970 bis 2012, summieren sich die staatlichen Förderungen der Steinkohle auf 311 Milliarden Euro und die Unterstützung der Atomenergie auf 213 Milliarden Euro. Die 67 Milliarden Euro für die erneuerbaren Energien fallen dagegen recht bescheiden aus. Erst recht, wenn die Förderung auf alle Sektoren der erneuerbaren Energie verteilt wird.

Iris Franco Fratini
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