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Thema Wind und Wende

29. Sep. 15

Ohne Batterie keine Autarkie

Wer sich vollkommen unabhängig vom Netz machen will, ist auf selbst erzeugten Strom aus Sonne und Wind angewiesen. Dafür braucht man einen sehr großen und teuren Stromspeicher. Wirtschaftlich ist nur die Teil-Autarkie.

Auch bei einem großen Solardach ist echte Autarkie nur dann möglich, wenn die Eigentümer eine ausreichend große Batterie haben. Speichersystem sind im Moment aber relativ teuer und damit auch die Unabhängigkeit vom Stromnetz.

Es ist relativ einfach geworden, Strom aus Sonnen- und Windenergie zu erzeugen, aber nicht ganz so einfach, sich vom Netz unabhängig zu machen. Das stellte sich schon vor knapp 30 Jahren heraus, als unmittelbar nach der Tschernobyl-Katastrophe die ersten „Öko-Stromer“ mit kleinen Solaranlagen auf dem eigenen Hausdach und mit kleinen Windkraftanlagen im Garten experimentierten, um möglichst so viel Strom selbst zu erzeugen, wie sie verbrauchen. Solar- und Windstrom sollten sich ergänzen.

Diese Ökostrom-Pioniere machten bald die Erfahrung, dass diese Ergänzung nicht immer gelingt und dass eine Batterie erforderlich ist, um die Zeiten zu überbrücken, wenn weder der Wind weht noch die Sonne scheint. Solche Wetterlagen können tagelang anhalten, und die Batterie muss deshalb relativ groß sein.

Solaranlagen leisten heute mehr und Windkraftanlagen sind ebenfalls deutlich besser geworden, aber grundsätzlich hat sich nichts geändert. Die Schwankungen der Stromeinspeisung sind nach wie vor groß. Die Autarkie der Stromversorgung ist ohne einen ausreichend großen Stromspeicher nicht möglich.

Dafür kommen die bewährten Bleibatterien ebenso in Frage wie die modernen Lithiumakkus, seit kurzem auch die Redox-Flow-Zelle. Alle Speichersysteme haben den Nachteil, dass sie relativ teuer sind und die Kosten nur langsam sinken. Der unabhängigen Stromversorgung kann man sich also nur schrittweise annähern.

Der Strom aus kleinen Solaranlagen ist zwar inzwischen deutlich günstiger als der Strom aus kleinen Windkraftanlagen, aber die Speicherkosten drücken das Ergebnis in jedem Fall ins Unwirtschaftliche. Zwar werden auch die Batterien immer billiger, doch es wird noch einige Jahre dauern, bis die Grenze zur Wirtschaftlichkeit erreicht ist.

Grundsätzlich ist es günstiger, den Strom in größeren Einheiten zu speichern, vor allem mit der Redox-Flow-Zelle. Diese könnte man in mehreren großen Containern im Wohnviertel aufstellen, so dass der Strom dort zentral gesammelt und bei Bedarf wieder abgegeben wird.

Eine Versorgung zu 60 Prozent ist dadurch heute schon möglich und auch wirtschaftlich, doch je näher man der 100-prozentigen Versorgung, also der echten Autarkie kommt, desto teurer werden die einzelnen Schritte. Eine vollständige Versorgung mit selbst erzeugtem Strom wird noch für lange Zeit unwirtschaftlich bleiben.

Ricarda Schuller
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