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Thema Wind und Wende

07. Jan. 16

Stürmische Böen an Elbe und Weser

Hamburg und Bremen dominieren die deutsche Offshore-Windkraft. Die Arbeit haben sie aufgeteilt: Die eine Stadt ist das Planungszentrum der Branche, die andere übernimmt Produktion und Logistik.

In Hamburg haben sich gleich mehrere große Unternehmen niedergelassen, um von der Hansestadt ihre Windkraftgeschäfte zu steuern. So zum Beispiel der Energiekonzern Dong Energy, der im Dockland-Gebäude nahe am Hafen sitzt.

Von Heimo Fischer

Maritime Wirtschaft ist seit Jahrhunderten die Kernkompetenz der beiden großen Hansestädte Bremen und Hamburg. Auch beim Thema Offshore-Windkraft haben sie die Nase vorn – jede Stadt auf ihre Weise und entsprechend ihrer Lage.

Während Hamburg 100 Kilometer vom Meer entfernt liegt, hat das Bundesland Bremen mit seiner Küstenstadt Bremerhaven einen Außenposten direkt an der Mündung der Weser in die Nordsee. Aus diesem Grund spielt die Fertigung von großen Komponenten im Stadtstaat Bremen eine sehr viel bedeutendere Rolle als in Hamburg.

Hinzu kommt, dass in Bremerhaven für 200 Millionen Euro neue Hafenflächen für die Offshore-Windkraft entstehen. Im Jahr 2018 soll eine Verladerampe für Großkomponenten fertig sein. Geplant ist außerdem ein Offshore-Terminal, so groß wie 25 Fußballfelder, auf dem Hersteller ihre Windenergieanlagen vormontieren, lagern und umschlagen können.

Eine 500 Meter große Kaianlage soll außerdem Platz für bis zu drei gigantische Schiffe bieten. Gleich nebenan bietet die Stadt weitläufige Flächen für Windkraftfirmen, die sich in Bremerhaven ansiedeln wollen.

In Hamburg hingegen spielt der Hafen eine kleine Rolle für die Offshore-Windkraft. Die Stadt ist eher so etwas wie die Führungszelle der Branche. Gleich mehrere große Unternehmen führen ihr Windkraftgeschäft von Hamburg aus.

Das Management der deutschen Tochter des weltgrößten Windanlagenbauers Vestas aus Dänemark bezog dort ihre Büros. Auch die Windsparte des Industriekonzerns Siemens wird von Hamburg aus geführt. Das hat Vorteile. Denn wichtige Kunden sind gleich in derselben Stadt. Wie zum Beispiel der dänische Energieversorger Dong Energy mit Sitz im repräsentativen Dockland-Gebäude am Fähranleger Hamburg-Altona.

Der französische Konzern Areva baut zusammen mit einem Partner Windturbinen in Bremerhaven. Von hier aus können die Turbinen direkt verschifft werden.

Mehr als 180 Windkraft-Firmen allein in Hamburg

Von der Hansestadt aus führen jede Menge anderer Betreiber ihr Windkraftgeschäft – so wie Vattenfall, EnBW und Eon. Die Gesamtzahl der in Hamburg ansässigen Windkraftunternehmen lässt sich nur annäherungsweise bestimmen.

Im Interessenverbund „Cluster Erneuerbare Energien Hamburg“ (EEHH) sind mehr als 180 Unternehmen organisiert – ein großer Teil davon dürfte nach Aussage des Verbands in der Offshore-Branche tätig sein, darunter viele mittelständische Firmen und Dienstleister, die sich zum Beispiel um Projektierung und Finanzierung kümmern.

Eine ähnlich hohe Zahl von Unternehmen sitzt in Bremen und Bremerhaven. Die ersten unter ihnen entstanden vor 25 Jahren. Denn das Bundesland ist eine Wiege der erneuerbaren Energien – bereits 1990 drehte sich dort ein erstes Windrad.

Mittlerweile sind Bremerhaven und Bremen Heimat von zahlreichen Branchengrößen. Darunter die Windsparte des französischen Atomkonzerns Areva. Sie baut gemeinsam mit einem Partner Turbinen in Bremerhaven – genauso wie die deutsche Tochter von Senvion (ehemals Repower).

Weitere bekannte Namen sind Ambau, Deutsche Windtechnik, Alstom Grid, Eurogate und Deutsche Offshore Consult. Außerdem ist Bremerhaven ein wichtiger Forschungsstandort für die Branche. Rund 500 Beschäftigte arbeiten dort am Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik.

Allerdings hat Bremerhaven – wie die Branche insgesamt – nach den stürmischen Anfangstagen auch schon ein Tief hinter sich. Nachdem die damaligen Minister Peter Altmaier (Umwelt) und Philipp Rösler (Wirtschaft) Anfang 2013 eine „Strompreisbremse“ ins Spiel gebracht hatten, zogen sich in Bremerhaven viele Investoren verunsichert zurück.

Welche Auswirkungen diese politischen Kapriolen auf die Offshore-Industrie hatte, können Sie in unserem Artikel „Flaute in Fishtown” lesen.

Inzwischen ist das Thema längst vom Tisch – „Fishtown“ scheint den Schock gut verkraftet zu haben.

Ricarda Schuller
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