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Thema Wind und Wende

05. Jul. 17

Ihren Strom beziehen viele Haushalte noch immer vom selben Anbieter wie vor Jahren oder Jahrzehnten. Dabei könnten sie bei einem Wechsel in einen günstigeren Tarif oder zu einem anderen Versorger oft große Summen sparen.

Watt – schon wieder teurer?

Die Strompreise kannten lange nur eine Richtung: nach oben. Doch jetzt ändern sich die Vorzeichen. Warum die Rechnungen mittelfristig kleiner ausfallen – und wie Verbraucher jetzt schon sparen können

Die Subventionen für Ökostrom sinken. Die Offshore-Windpark-Betreiber EnBW und Dong Energy kommen bei drei von vier neuen Projekten sogar komplett ohne staatliche Einspeisevergütung aus. Davon werden die Verbraucher künftig profitieren.

Von Kathinka Burkhardt

Alles wird immer teurer? Für Strom galt das lange Zeit tatsächlich. Wie das Statistische Bundesamt jüngst ermittelte, ist der Preis für eine Kilowattstunde zwischen Januar 2000 und April 2017 um satte 94 Prozent gestiegen – während die Gesamtinflation im gleichen Zeitraum bei gerade einmal 25 Prozent lag.

Die Folge: Nach Berechnungen verschiedener Vergleichsportale summiert sich die Stromrechnung einer Durchschnittsfamilie mit 4000 Kilowattstunden Jahresverbrauch inzwischen auf fast 100 Euro monatlich. Kein Wunder also, dass die Nebenkosten inzwischen als „zweite Miete“ gelten.

Doch warum ist das so? Wieso ist der Strompreis seit der Jahrtausendwende so viel stärker gestiegen als etwa der Benzinpreis? Warum wird Strom selbst dann noch tendenziell teurer, wenn die Preise für andere Energieträger nicht mehr steigen? Schließlich kostet Gas heute knapp so viel wie noch Anfang 2007; der Benzinpreis liegt in etwa da, wo er sich Anfang 2008 befand.

Weshalb profitieren die Verbraucher kaum davon, dass Strom an der Börse heute deutlich billiger ist als vor ein paar Jahren? Zumal überall neue Windräder und Solarparks entstehen: Müsste das Stromangebot deshalb nicht irgendwann so hoch sein, dass der Preis gar nicht mehr anders kann, als zu purzeln?

Viele Unternehmen, die wie diese Kupferhütte in Hamburg besonders viel Strom verbrauchen, sind von der EEG-Umlage weitgehend befreit, um sie im Wettbewerb mit internationalen Konkurrenten zu schützen. Für Privathaushalte fallen die Stromrechnungen allerdings entsprechend höher aus.

Nicht einmal ein Viertel der Stromkosten entfällt auf Erzeugung und Vertrieb. Das Gros sind Steuern und Umlagen

Wer Antworten auf all diese Fragen finden will, sollte als Erstes in den sogenannten Monitorbericht schauen, den die Bundesnetzagentur – eine Art Schiedsrichter über den deutschen Energiemarkt – einmal im Jahr herausgibt. Dort ist nachzulesen, dass von jedem Euro, den die Verbraucher zuletzt für Strom ausgaben, mit 24,7 Cent nur knapp ein Viertel auf Herstellung und Vertrieb entfiel – selbst die Gewinnmarge ist hier schon eingerechnet.

Weitere 20,5 Cent gingen für das sogenannte Netznutzungsentgelt drauf. Das ist die Gebühr, die die Betreiber der Stromnetze von den eigentlichen Stromlieferanten verlangen – also etwa von den örtlichen Stadtwerken. 2,2 Cent kostete schließlich noch die Abrechnung, unter anderem für das Ablesen des Zählers. Das war es aber auch schon mit den reinen marktwirtschaftlichen Kosten: Die übrigen 52,6 Cent flossen in Form von Steuern und diversen Umlagen an den Staat.

Den mittlerweile größten staatlichen Anteil macht dabei die EEG-Umlage mit 21,3 Prozent am gesamten Endpreis für Strom aus. Die Familie im obigen Beispiel, die also 1200 Euro im Jahr für ihren Strom ausgibt, zahlt dabei 255,60 Euro (21,30 Euro pro Monat) für die EEG-Umlage. Lag diese 2003 noch bei 0,41 Cent je Kilowattstunde, sind es mittlerweile 6,88 Cent.

Auch der Umstand, dass der Großhandelspreis zuletzt zeitweise auf unter drei Cent fiel, hilft den Verbrauchern nur bedingt. Denn je weniger Geld die Ökostromproduzenten für ihr Produkt an der Börse bekommen, desto höher fällt die Subventionierung aus, die letztlich die Verbraucher tragen. Ein weiterer Faktor: Unternehmen, die besonders viel Strom benötigen, sind teilweise von der EEG-Umlage befreit – dafür zahlen die privaten Stromkunden dann noch mehr.

Ihren Strom beziehen viele Haushalte noch immer vom selben Anbieter wie vor Jahren oder Jahrzehnten. Dabei könnten sie bei einem Wechsel in einen günstigeren Tarif oder zu einem anderen Versorger oft große Summen sparen.

Seit 2013 ist der Strompreis relativ konstant geblieben. Ab 2022 dürfte die EEG-Umlage sukzessive sinken

Was bei allen Klagen über die hohen Strompreise auch zur Wahrheit gehört: Viele Verbraucher sind zu bequem, ihrem Grundversorger – meist das lokale Stadtwerk – zu kündigen und zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln. Darum zahlen sie mehr für ihren Strom, als sie eigentlich müssten. Und: Bei Lichte betrachtet ist der Strompreis seit dem letzten großen Preissprung 2013 nicht mehr gestiegen, sondern liegt etwa laut Verivox-Verbraucherindex relativ konstant bei rund 28 Cent pro Kilowatt.

Trotzdem: „Die meisten Verbraucher werden angesichts der weiter steigenden EEG-Umlage und regional anziehenden Netznutzungsentgelten in den kommenden Jahren wohl mit weiter steigenden Strompreisen konfrontiert sein“, sagt Mathias Köster-Niechziol, Strompreisexperte beim Vergleichsportal Verivox.

Doch ist das wirklich ausgemachte Sache? Auf kurze Sicht, stimmt Christoph Podewils vom Berliner Thinktank Agora Energiewende zu: „Die EEG-Umlage wird bis 2020 voraussichtlich auf etwa 7,9 Cent steigen.“ Von 2022 an werde die EGG-Umlage dann allerdings aufgrund der sinkenden Subventionen sukzessive zurückgehen – und zwar laut aktuellen Projektionen auf unter drei Cent bis 2035. „Und das wird dann auch der Endverbraucher merken“, sagt Podewils.

Volker Kühn
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