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Thema Wind und Wende

15. Okt. 15

„Da können andere nicht mithalten”

Ray Thompson leitet den Bereich Business Development für Offshore-Windkraft bei der britischen Siemens-Tochter. Im Interview erklärt er, was der Markt in Großbritannien dem deutschen voraus hat.

Ray Thompson erläutert, wie wichtig der britische Markt für die Offshore-Windenergiebranche ist.

Mr. Thompson, warum ist der britische Offshore-Windenergiemarkt für Sie so attraktiv?
Großbritannien ist der größte Windenergiemarkt der Welt. Hier gibt es mehr Kapazitäten für die Windenergieerzeugung auf dem Meer als irgendwo in der Welt. Mehr als fünf Gigawatt sind entweder in Bau oder bereits in Betrieb.

…das entspricht theoretisch der Leistung von fünf bis sechs Kernkraftwerken…
Schon die Gesamtgröße dieser Projekte zeigt, wie wichtig der britische Markt für die Offshore-Windenergiebranche ist.

Warum ist ausgerechnet Großbritannien zum Vorreiter der Offshore-Windkraft geworden?
Das hat unterschiedliche Gründe. Zunächst die Insellage. Unsere lange Küste bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Bau von Windparks. Da können andere Staaten allein wegen ihrer geografischen Lage nicht mithalten. Außerdem hat Großbritannien früher als andere begonnen, Standorte zu identifizieren, die für den Bau von Windparks auf dem Meer geeignet sind und sich damit einen Vorsprung verschafft. Ein weiterer Vorteil sind die vergleichsweise hohen Windstärken rund um die Küsten.

Ein Grund für den Erfolg ist auch, dass die britische Politik Offshore-Windenergie seit Langem fördert. Wird darauf auch in Zukunft Verlass sein?
In unserer Branche ist die Unterstützung durch die Politik sehr wichtig. Staatliche Fördermittel spielen eine entscheidende Rolle. Ich denke, darauf können wir auch in Zukunft vertrauen.

Was macht Sie so zuversichtlich?
Großbritannien muss Ziele im Hinblick auf den Anteil alternativer Energieerzeugung erfüllen. In den Bereichen Heizen, Verkehr und Stromerzeugung soll der Kohlendioxidausstoß deutlich sinken. Gleichzeitig wächst der Energiebedarf. Dadurch steigt die Nachfrage nach erneuerbaren Energien zusätzlich. Außerdem gibt es in Großbritannien kaum Alternativen zur Windkraft. Solarenergie ist eher was für südeuropäische Staaten.

Wie hoch schätzen Sie die künftigen Wachstumsraten der Offshore-Windkraft in Großbritannien?
Schwer zu sagen, denn die britische Regierung überlässt die Zusammensetzung der erneuerbaren Energieerzeugung dem Markt. Es gibt deshalb keine offiziellen Planungsziele für Offshore-Windkraft. Fest steht, dass Großbritannien seine Ziele für den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Gesamterzeugung erfüllen muss. Das ist die treibende Kraft für die Windenergiebranche.

Weitere Kostensenkungen sind für den künftigen Erfolg der Stromerzeugung aus Offshore-Windkraft entscheidend. Wie wollen Sie das erreichen?
Die Kosten sind bereits deutlich gesunken. Zahlreiche Studien deuten auf eine weitere Verringerung hin. Die Offshore-Windkraft hat noch ein Stück des Weges vor sich. Aber die Richtung steht fest.

Welche Rolle spielen Investitionen in Großbritannien für die Entwicklung der Kosten?
Die neuen Windturbinen mit jeweils sechs beziehungsweise sieben Megawatt Leistung, deren Rotorblätter Siemens in Großbritannien fertigen wird, tragen dazu bei, dass die Energieerzeugungskosten deutlich sinken. Wenn die Herstellung und die Errichtung der Windenergieanlagen in einem hochproduktiven Umfeld erfolgen, dann wirkt sich das ebenfalls positiv auf die Kosten aus. Dazu gehören zum Beispiel Investitionen in Serviceschiffe und in die Infrastruktur der Häfen. Vor diesem Hintergrund ist auch die Entscheidung von Siemens zu sehen, im nordenglischen Hull eine neue Fabrik zu bauen.

 

Das Gespräch führte Heimo Fischer

Iris Franco Fratini
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