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Thema Wind und Wende

19. Aug. 16

Auch nach zehn Jahren ist Projektleiter Duncan Clark noch fasziniert von der Offshore-Windkraft. In seinem Projekt Hornsea Project One sieht er eine Zeitenwende.

Megaprojekt "Zeitenwende"

120 Kilometer östlich der britischen Küste entsteht derzeit der Offshore-Windpark Hornsea Project One. Projektleiter Duncan Clark sieht in dem Projekt nicht weniger als eine Zeitenwende für die gesamte Industrie.

Auch nach zehn Jahren ist Projektleiter Duncan Clark noch fasziniert von der Offshore-Windkraft. In seinem Projekt Hornsea Project One sieht er eine Zeitenwende.

Von Timour Chafik

So groß wie 57.000 Fußballfelder: In der Irischen See realisiert DONG Energy den weltweit größten Windpark „Hornsea Project One“. Die 407 Quadratkilometer große Anlage soll leistungsstark genug sein, um mehr als 800.000 britische Haushalte mit Strom zu versorgen. Damit hat das Projekt einen wichtigen Anteil an den Plänen der britischen Regierung, bis 2020 immerhin 15 Prozent des Energieverbrauchs in Großbritannien aus erneuerbaren Energien zu bestreiten.

Von den insgesamt 240 Turbinen werden 174 Siemens-Turbinen (190 Meter hoch, Durchmesser 154 Meter) mit einer Leistung von 7 MW zum Einsatz kommen, deren Energieertrag über eine Strecke von 120 Kilometern vom Windpark zur britischen Ostküste übertragen wird.

Herr Clark, ein Megaprojekt wie Hornsea Project One will gut geplant sein – was passiert aber, wenn etwas mal nicht nach Plan läuft?
Wir verfolgen einen sehr schnellen, lösungsorientierten Ansatz und arbeiten dazu nach Standards des PMI, des Project Management Institutes. Wenn zum Beispiel Verzögerungen an einer Stelle des Projekts auftreten sollten, dann antworten wir darauf mit einer ganzen Reihe an Maßnahmen, die sowohl die direkte Störung beseitigen als auch immer die Auswirkungen auf das große Ganze berücksichtigen…

… was diplomatisch, abstrakt und einfach zugleich klingt. Was heißt das konkret?
Wir legen extrem viel Wert auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit unseren Vertragspartnern, immerhin rund 300 an der Zahl. Wir sind auf sie angewiesen, sie auf uns. Darum spielen Schnelligkeit und Transparenz im gesamten Projektverlauf eine entscheidende Rolle: Wenn es an irgendeiner Stelle knirscht und Verzögerungen gibt, dann ist jeder dazu angehalten dies so schnell wie möglich zu kommunizieren. Kommunikation ist alles, nur so können wir flexibel und gemeinsam Lösungen finden, die das Projekt am Laufen halten.

Wo steht das Projekt heute?
Im Januar 2016 wurde mit dem Bau der Fundamente für die Onshore-Substations begonnen, derzeit prüfen wir unter anderem die Details zur Verlegung der Kabeltrassen. Ende dieses Jahres beginnen wir mit den Kabelarbeiten onshore und Anfang 2017 mit den Arbeiten offshore. 2018 werden die Kabel produziert sowie die Fundamente der Offshore-Substations und der einzelnen Windkraftanlagen gelegt. Die Endmontage der einzelnen Komponenten und der tatsächliche Aufbau der Windkraftanlagen findet 2019 statt.

Was ist Ihre Rolle dabei?
Als Programme Director bin ich letztlich verantwortlich dafür, das Projekt durch die unterschiedlichen „Execution Phases“ zu begleiten. Das heißt: Noch vor der finalen Investitionszusage das Projektteam aufzustellen, die einzelnen Projektphasen bis ins Detail zu definieren und vor allem das Ineinandergreifen der verschiedenen Schnittstellen zu planen. Das unterscheidet ein typisches DONG-Energy-Projekt von anderen: die Hands-on-Mentalität. Die 150 DONG-Energy-Mitarbeiter überlassen das Detailwissen nicht ihren Dienstleistern und Zulieferern, sondern gehen selbst in die Tiefe. Davon profitieren wir gleich mehrfach: Wir können unser Know-how aus anderen Großprojekten anwenden, optimieren und standardisieren, gleichzeitig aber auch Innovationen im Prozess vorantreiben.

Also „Learning by doing“?
Ein wenig schon. Vor allem aber auch: Das Gelernte aus vergangenen Projekten weiterentwickeln – als Big Player haben wir dabei den enormen Vorteil, auf eine Vielzahl an Spezialisten zurückgreifen zu können. Das treibt nicht nur uns als Unternehmen, sondern die Offshore-Windindustrie insgesamt an.

Hornsea Project One liegt 120 Kilometer von der englischen Küste entfernt. Würde der Windpark in Hamburg entstehen, nähme er fast die gesamte Stadtfläche ein.

Was meinen Sie damit?
Ein Unternehmen braucht eine stabile, verlässliche Basis, vor allem was die Kosten angeht. Das ist nicht immer einfach für die, die sich von einem Projekt zum nächsten hangeln müssen, womöglich mit längeren Leerlaufphasen dazwischen. Wir haben das Glück, dass wir unsere „Economies of Scale“ im Markt ausspielen können und das auch zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit jedes einzelnen Windkraftprojekts.

Das heißt am Beispiel Hornsea Project One?
Hornsea beschreibt letztlich eine Art Zeitenwende in der Offshore-Windkraft, die Industrie ist mit dem Projekt endgültig erwachsen geworden, weil sie im wahrsten Sinne des Wortes „Größe zeigt“. Größe im Sinne von Fläche und Energieertrag, aber auch Größe im Sinne von Tragfähigkeit des Konzepts. Hornsea ist der „Proof of concept“, dass die Offshore-Windindustrie wettbewerbsfähig und integraler Bestandteil der Energiewende geworden ist.

Und damit auch ein „Change of mindset“?
Natürlich! Weg von der Nische für ein paar Spezialisten hin zum wettbewerbsfähigen Markt. Alle Projekte die nach Hornsea Project One kommen werden darauf aufbauen und noch effizienter sein.  


Über Duncan Clark
Duncan Clark war schon immer vom Energiesektor fasziniert und hat in den unterschiedlichsten Bereichen gearbeitet – von der Erzeugung bis zum Handel mit Energie. „Ich liebe einfach die Vielfalt und die Herausforderungen, die die Branche bietet!“, so Clark.
1994, nach seiner Promotion, begann er in der Forschung und Entwicklung und beschäftigte sich einige Jahre mit neuen Energiespeichertechniken. In den vergangenen zehn Jahren aber hat sich die Offshore-Windindustrie mehr und mehr zu seinem „Steckenpferd“ entwickelt. „Weil es ein Berufsfeld ist, das enorm schnell wächst, sich rasant verändert und dass es mir und uns damit ermöglicht, Antworten auf die drängendsten Herausforderungen in der Energieerzeugung zu finden“, erklärt er weiter. „Die Offshore-Windindustrie ist schlichtweg ein Game-Changer, nicht zuletzt, weil mit ihr die Kostenstrukturen der erneuerbaren Energien immer wieder neu definiert und angepasst werden müssen.“
Besonders die täglichen Herausforderungen des „Energie-Trilemmas“ – dem Zusammenspiel aus Kosten, Sicherheit und Umweltverträglichkeit – und die Entwicklung passender Lösungen im Team reizen ihn. Da stört es auch nicht, dass Familie und Freunde ihn gelegentlich mit seiner Faszination für Offshore-Wind aufziehen. Eine Leidenschaft, die inzwischen abfärbt: „Mein sechsjähriger Sohn hat mir erst kürzlich offenbart, dass er – wenn er groß ist – auch Offshore-Windparks bauen will.“

Ricarda Schuller
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