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Thema Wind und Wende

02. Okt. 15

Lukrative Stahlriesen

Je mehr Erfahrung die Planer sammeln, desto geringer das Projektrisiko. Zu den klassischen Finanziers von Offshore-Windparks gesellen sich neue Investoren, die an der Offshore-Windenergie mitverdienen wollen.

15 Jahre dauerten die Planungen und die Vorlaufzeit für den Windpark Butendiek, 33 Kilometer westlich von Sylt. Am Ende wurde der Offshore-Windpark in nur 15 Monaten errichtet.

Ganze 15 Jahre hat es insgesamt gedauert, aber am Ende ging es dann doch ganz schnell: In nur 15 Monaten wurde 33 Kilometer westlich der Insel Sylt, mitten in der Nordsee, der Offshore-Windpark Butendiek errichtet.

Butendiek steht auf gewisse Weise exemplarisch für die deutschen Offshore-Industrie: in den Anfängen hatte sie mit vielen Rückschlägen zu kämpfen, doch nun ist der Knoten geplatzt. Allein im ersten Halbjahr 2015 gingen 422 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 1.765 Megawatt neu ans Netz.

„Von den Vorgängerprojekten haben wir viel gelernt. Heute wissen wir viel besser, was im Vorfeld alles geprüft werden muss und wie die Abstimmungen zu laufen haben, “ sagt Tilo Vogdt, Geschäftsführer der Projektgesellschaft KNK Wind GmbH, die den Offshore-Windpark Arcadis Ost 1 in der Ostsee plant.

Im Grunde gebe es zwei wesentliche Meilensteine bei der Planung, so Vogdt. Als erstes müssen alle notwendigen Genehmigungen bei der zuständigen Behörde eingeholt werden. In die anschließende Entwicklungsphase fallen alle Bauvorbereitungen und der Standort des Offshore-Windparks wird genauestens geotechnisch untersucht. Der Projektierer erstellt einen Projektplan und verhandelt mit den einzelnen Gewerken wie dem Turbinenlieferant und dem Hersteller der Fundamente Vorverträge, um schließlich die Investitionszusagen für die Bauphase einzuholen.

„Die Kosten für die reine Projektentwicklung eines Offshore-Windparks liegen in der Größenordnung von rund 50 Millionen Euro – je nach Lage und Umfang des jeweiligen Projekts“, sagt Vogdt. Die Finanziers sind in der Regel Projektentwickler und große Versorgungsunternehmen, in einigen Fällen auch Private-Equity- oder Risikokapitalinvestoren, die bewusst das Risiko suchen und hohe Renditen anstreben.

Laut Dr. Wolfgang Bischoff, Leiter Energy Finance Europa, Naher Osten und Afrika bei Siemens Financial Services, gibt es gemeinhin drei Wege, um große Offshore-Windprojekte zu finanzieren.

Bis zu zwei Milliarden Euro Baukosten

Die meisten aktuell in deutschen Gewässern geplanten Offshore-Windparks erreichen derzeit eine Leistungsstärke zwischen 200 und 600 Megawatt. Das Investitionsvolumen dieser Projekte liegt entsprechend zwischen einer und zwei Milliarden Euro. „Etwa die Hälfte des Geldes wird für die Turbinen, die andere Hälfte für den Bau der Gründungsstrukturen, der Umspannplattform, der Innerparkverkabelung sowie für Aufbau des Parks benötigt“, sagt Tilo Vogdt.

„Um Offshore-Windprojekte dieser Größenordnung zu finanzieren, gibt es im Wesentlichen drei Wege“, sagt Dr. Wolfgang Bischoff, Leiter Energy Finance Europa, Naher Osten und Afrika bei Siemens Financial Services.

Die erste Möglichkeit: ein großer Stromversorger entwickelt und baut das Projekt allein mit seinem Eigenkapital. Zur Gegenfinanzierung kann der Versorger zum Beispiel am Kapitalmarkt Anleihen ausgeben. Dieses frische Kapital von außen fließt dann in die Projektgesellschaft des Offshore-Windparks.

Die zweite Möglichkeit, so Bischoff, sind so genannte Joint Venture, bei denen mehrere Partner ihren Teil des Investments – gegebenenfalls auch mit Hilfe von Banken – finanzieren.

Als dritten Weg nennt der Finanzexperte eine klassische Projektfinanzierung. Dabei werden die Zins- und Tilgungsraten für die Kredite aus den durch das Projekt generierten Umsätzen und Erträgen, dem so genannten Cashflow, generiert. Das Risiko, dass der Kredit bei einer verzögerten Inbetriebnahme oder schlechterer Wirtschaftlichkeit des Projektes entsprechend später bedient wird, liegt in diesem Fall beim Kreditgeber, der Bank.

Meerwind Süd I Ost ist der erste deutsche Offshore-Windpark, der komplett durch private Investoren finanziert wurde.

Neue Partnerschaften bei der Finanzierung

„Der Trend geht zu den gemeinschaftlichen Ansätzen und zur klassischen Projektfinanzierung. Dies liegt vor allem daran, dass die meisten Stromversorger kapitalkostenbewusster geworden sind und daher derartige Projekte kaum noch im Alleingang finanzieren, “ sagt Bischoff.

Tatsächlich ist der Markt in Bewegung; es finden sich immer neue Akteure und Partnerschaften, die in die Stromquellen im Meer investieren.

So zum Beispiel Nordsee One, 2 und 3. Der bislang größte deutsche Offshore-Komplex in deutschen Gewässern wurde zwar ganz traditionell von dem Versorger RWE entwickelt. Doch schon vor Beginn der Bauphase hat RWE in dem kanadischen Unternehmen Northland Power einen finanzstarken Partner gefunden, der eine 85 prozentige Beteiligung an den drei Offshore-Windprojekten erwarb. Der Investor hatte zuvor bereits den niederländischen Offshore-Windpark Gemini mitfinanziert.

Meerwind Süd I Ost hingegen ist der erste deutsche Offshore-Windpark, der komplett durch private Investoren finanziert wurde, in Gestalt von Blackstone Energy Partners, einem auf Energie spezialisierten Private-Equity-Fonds.

In den Offshore-Windpark Butendiek investierten neben Siemens Financial Services und dem Projektentwickler wpd auch der Marguerite Fund, ein europäischer Fonds für Energie, Klimawandel und Infrastruktur, zwei dänische Pensionskassen, ein französischer Investmentfonds aus dem Infrastrukturbereich und das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz). Die Fremdkapitalfinanzierung erfolgte durch ein Konsortium aus zwölf Banken.

„Immer öfter beteiligen sich an der Finanzierung neben Investmentfonds auch eher konservative Institutionen wie Pensionskassen und Versicherer“, sagt Tilo Vogdt. Durch die staatlich fixierten Einspeisevergütungen wird das Investment als vergleichsweise sicher eingestuft.

Die Entwicklung lasse sich mit dem Ausbau der Windkraft an Land vergleichen, meint Robert Pottmann, Leiter des Bereichs Renewable Energies and New Technologies der MEAG, Vermögensmanager des Rückversicherers Munich Re.

Mit zunehmenden Erfahrungswerten galt die Energiegewinnung aus Wind an Land nach einigen Jahren als „bewährte Technik“ und die Risiken als überschaubar. Inzwischen investieren eine ganze Reihe unterschiedlicher Finanzinvestoren, Versicherer, Pensionsfonds und Verwalter von privatem Großvermögen ganz selbstverständlich in die Onshore-Windkraft. „Bei der Offshore-Windenergie könnte das in eine ähnliche Richtung gehen“, sagt Pottmann.

Ricarda Schuller
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