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Thema Wind und Wende

23. Nov. 17

Die größten Stromversorger Europas

Die Energiewelt verändert sich. Konzerne wie RWE und Eon spalten sich auf, Konkurrenten wie Iberdrola loten Zukäufe aus. Die Strategien dabei sind verschieden – manche setzen auf Ökostrom, andere auf fossile Energien. Dies ist die Topriege von Europas Energieversorgern gemessen am Umsatz 2016.

EDF: Strahlende Altlasten

Mit Erlösen von 71 Milliarden Euro ist EDF nicht nur der größte Energieversorger Europas, sondern auch weltweit die Nummer eins. Der Kraftwerkspark der Franzosen besteht vor allem aus Atommeilern. Eine Kostenexplosion beim Bau von zwei Reaktoren im britischen Hinkley Point setzt dem Konzern, der sich zu 83 Prozent in Staatshand befindet, allerdings schwer zu. 2016 wies EDF einen Schuldenstand von 37 Milliarden Euro aus. Erneuerbare Energien spielen eine untergeordnete Rolle, auch wenn EDF unter anderem in der Offshore-Windkraft tätig ist.

Enel: Breit aufgestellt

Nach Umsatz nur unwesentlich kleiner als EDF ist der italienische Versorger Enel, dem jüngst Interesse an der RWE-Tochter Innogy nachgesagt wurde. Daneben unterscheiden sich die Konzerne aber grundlegend. Enel beschäftigt nicht einmal halb so viele Mitarbeiter und setzt in der Stromerzeugung auf einen deutlich breiteren Mix, wobei vor allem das Ölgeschäft hervorsticht – ein Alleinstellungsmerkmal unter den großen europäischen Energieversorgern. Der Ökostromanteil des zu einem Viertel in Staatshand befindlichen Konzerns stammt überwiegend aus Wasser- und Windkraft.

Uniper: Verkaufte Tochter

Wie sehr sich die Energiebranche verändert, zeigt kaum ein Konzern besser als Uniper. 2016 spaltete Eon sein Geschäft mit Kohle, Gas und Wasserkraft unter diesem Kunstnamen ab und brachte es gut zur Hälfte an die Börse. Im Zuge der Energiewende will sich Eon auf die zukunftsträchtige Ökostromsparte konzentrieren. Uniper ging wenig schmeichelhaft als „Resterampe“, „Bad Bank“ oder „Schmuddelkind“ durch die Medien. Auf den finnischen Versorger Fortum wirkt der Konzern trotzdem attraktiv: Er will ihn übernehmen. Womöglich müssen sich die 12.600 Mitarbeiter schon bald wieder einen neuen Namen merken.

Engie: Unwillige Braut

Auch der französische Versorger Engie, bis 2015 als GDF Suez bekannt, steht im Zentrum von Spekulationen. Immer wieder heißt es, RWE plane, die Ökostromtochter Innogy gegen Anteile von Engie einzutauschen. Dabei könnte eine Art „Airbus der Energiebranche“ entstehen, von dem seit Jahren die Rede ist. Eine ähnliche Fusion planen Alstom und Siemens in ihren Zugsparten. Zwar dementierten Engie und RWE, ganz ausgeschlossen erscheint der Schritt aber nicht. Der französische Staat hat seinen Anteil an Engie nach der Wahl Emmanuel Macrons auf 27,6 Prozent reduziert.

RWE: Klimasünder Braunkohle

Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern ist den umgekehrten Weg von Eon gegangen: Statt das Geschäft mit fossilen Brennstoffen unter neuem Namen abzuspalten und sich in der Muttergesellschaft auf Erneuerbare zu konzentrieren, ist RWE der alten Energiewelt treu geblieben und hat die Ökostromsparte unter dem Namen Innogy ausgegliedert. Im Ergebnis hat RWE die wohl schlechteste CO2-Bilanz unter den Großen von Europas Energieversorgern: Der Großteil des Stroms der Essener stammt aus besonders klimaschädlichen Kohlekraftwerken.

Eon: In Zukunft sauber

Noch vor wenigen Jahren stand Eon an der Spitze der europäischen Stromversorger. Dann kamen der Atomausstieg und die Energiewende. Inzwischen hat der Konzern nicht nur seinen Hauptsitz von Düsseldorf nach Essen verlegt, sondern ist nach Umsatz sogar kleiner als seine 2016 abgespaltene Tochtergesellschaft Uniper. Künftig konzentriert sich der Konzern auf die Bereiche Energienetze und das wachsende Ökostromgeschäft. Den Betrieb und Rückbau seiner Atomkraftwerke hat Eon in einer 100-prozentige Tochtergesellschaft unter dem reaktivierten Namen PreussenElektra zusammengeschlossen.

SSE: Unbekannter Riese

SSE, bis 2010 bekannt als Scottish and Southern Energy, ist der vielleicht am wenigsten geläufige Name unter den europäischen Energieriesen. Das dürfte daran liegen, dass das Unternehmen mit Sitz im schottischen Perth als Tochtergesellschaft des Erdöl- und Gaskonzerns Centrica in den aktuellen Übernahmefantasien der Branche keine Rolle spielt. Kerngeschäft sind Gas und Kohle, aber auch die Sparte für Erneuerbare wächst – etwa durch den 2,6 Milliarden Pfund schweren Ausbau des Offshore-Windparks Beatrice vor der schottischen Ostküste.

Iberdrola: Windstarke Spanier

Der Konzern aus Bilbao ist hierzulande vor allem als Großaktionär des Windradbauers Gamesa bekannt, der sich mit der Windkraftsparte von Siemens zu einem neuen Branchenchampion zusammengeschlossen hat. Mehr als die Hälfte des Stroms von Iberdrola stammt aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Wasser- und Windkraft. In der deutschen Offshore-Windkraft sind die Spanier mit dem Windpark Wikinger nordöstlich von Rügen vertreten, der noch 2017 in Betrieb gehen soll. Ein angebliches Interesse am Kauf der RWE-Ökostromtochter Innogy dementierte Iberdrola kürzlich.

EnBW: Im Umbruch

Wie für RWE und Eon bedeutet die Energiewende auch für EnBW radikale Veränderungen. Der Konzern, an dem das Land Baden-Württemberg und ein Zusammenschluss von schwäbischen Landkreisen jeweils knapp die Hälfte der Anteile halten, baut sein Ökostromgeschäft seit 2012 stark aus. Den Schwerpunkt bilden Windräder an Land, aber auch in der Offshore-Windkraft sorgt EnBW für Aufsehen – zuletzt durch den Verzicht auf staatliche Subventionen beim Bau des Windparks He Dreiht in der Nordsee. Die letzten beiden Atomkraftwerke von EnBW müssen 2019 beziehungsweise 2022 vom Netz gehen.

So harmonisch wie auf diesem Foto aus der Nähe von Hannover ist das Nebeneinander von Windrädern und Kohlekraftwerken in der Realität nicht. Immer öfter müssen Windparks abgeschaltet werden, während fossile Energiequellen am Netz bleiben.
Quelle: dpa · Julian Stratenschulte

Wie dieses Ranking zustande kam

Diese Übersicht fußt auf einem Ranking der weltgrößten Stromversorger von Statista, das den Umsatz von 2016 zugrunde legt. Wir haben die Zahlen mit den Geschäftsberichten der Konzerne abgeglichen, aus denen auch die übrigen Angaben zum Strommix oder den Mitarbeiterzahlen etc. stammen. Oft wird statt des Umsatzes der Börsenwert für solche Rankings herangezogen. Diese Methode erscheint uns allerdings fraglich: Zum einen schwanken die Kurse – schon drei Wochen später kann ein Ranking ganz anders aussehen. Zum anderen erfasst eine solche Übersicht naturgemäß nur börsennotierte Versorger.

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