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15. Apr. 16

Der schnelle Ausbau der Photovoltaik ist einer der Preistreiber der EEG-Umlage. Allein zwischen 2010 und 2012 kamen mehr als 22 Gigawatt Leistung dazu. Die Vergütung betrug damals noch teure 30 Cent pro Kilowattstunde. Änderungen im EEG bremsten daraufhin den Ausbau erheblich.

Kurz erklärt: Das EEG - Teil III

Das EEG regelt den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. In Teil III unserer Serie erfahren Sie unter anderem, was sich im EEG 2016 ändert und was das für den Windkraft-Ausbau bedeutet.

Der schnelle Ausbau der Photovoltaik ist einer der Preistreiber der EEG-Umlage. Allein zwischen 2010 und 2012 kamen mehr als 22 Gigawatt Leistung dazu. Die Vergütung betrug damals noch teure 30 Cent pro Kilowattstunde. Änderungen im EEG bremsten daraufhin den Ausbau erheblich.

10. Warum ist die EEG-Umlage in den letzten Jahren immer weiter gestiegen und wie wirkt sich das auf den Strompreis aus?
„Haupttreiber bei der EEG-Umlage der vergangenen Jahre sind der mittlerweile gebremste Ausbau der Photovoltaikanlagen sowie der weiterhin anhaltende Marktpreisverfall“, erklärt Sebastian Stotz, Referent der Energiewirtschaft beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz.

Ein Grund sind also die niedrigen Preise an der Strombörse. Der größte Teil des EEG-Stroms wird seit 2010 an der Strombörse verkauft - zum Teil von den Übertragungsnetzbetreibern, die dazu verpflichtet sind, zum Teil über die Direktvermarktung. Dieses große Angebot an Strom und die gleichzeitig auftretende Wirtschaftskrise in Europa hatten zur Folge, dass die Börsenpreise sanken und seit damals nicht wieder gestiegen sind. Gleichzeitig boomte die Photovoltaik: Zwischen 2010 und 2012 wurden mehr als 22 Gigawatt Leistung zugebaut, die damals noch mit bis zu 30 Cent pro Kilowattstunde vergütet wurden.

Wie hoch die durchschnittlichen Werte an der Börse liegen, zeigt die Seite netztransparenz.de. Dort ist dokumentiert, dass beispielsweise der durchschnittliche Marktwert für Windenergie an Land im gesamten Jahr 2015 bei 3 Cent pro Kilowattstunde lag. Weil aber die Betreiber der Anlagen Anspruch auf eine gesetzlich festgelegte Vergütung haben, die im Durchschnitt bei 9 Cent pro Kilowattstunde liegt, wird die Differenz zwischen festgelegter Vergütung und Marktwert im Rahmen der Marktprämie ausgeglichen und über die EEG-Umlage an die Endkunden weitergegeben.

Außerdem sind zahlreiche Unternehmen von der EEG-Umlage zumindest teilweise befreit. „Die Befreiungen, die sogenannten Industrieprivilegien, beeinflussen zusammen mit den fallenden Börsenstrompreisen am stärksten die Höhe der EEG-Umlage“, schreibt der Bundesverband Erneuerbare Energien in einer Analyse.

Die Zahl der befreiten Unternehmen ist 2015 auf 2.154 (2014: 2.098) angestiegen und die gewährten EEG-Rabatte summierten sich für das Jahr 2014 auf 4,8 Milliarden Euro. Geld, das die „nicht privilegierten“ Verbraucher aufbringen müssen – und das sind vor allem die privaten Haushalte. Somit hat die EEG-Umlage auch Einfluss auf den Strompreis des Endkunden – derzeit macht ihr Anteil ungefähr 22 Prozent aus. Je höher die Umlage, desto höher der Preis, es sei denn, andere Bestandteile des Endkundenstrompreises sinken.

Das neue EEG 2016 wird Ausschreibungen für Photovoltaik, Onshore-Wind und Offshore-Wind verpflichtend machen. Ziel der Reform ist, dass bis 2025 der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch höchstens 45 Prozent beträgt. Angesichts der Tatsache, dass der Anteil heute bereits bei über 30 Prozent liegt, ist dieses Ziel wenig ehrgeizig, kritisieren Experten.

11. Welche Änderungen sind für 2016 geplant und warum?
Das EEG ist seit seiner Verabschiedung schon oft geändert worden (siehe "Kurz erklärt: Das EEG - Teil III"). Auch jetzt steht wieder eine große Reform an. Und dieses Mal geht es an einen der zentralen Punkte: die garantierte wirtschaftliche Vergütung, die für die Befürworter des EEG einer der wichtigsten Punkte für den erfolgreichen Ausbau der erneuerbaren Energien ist.

Statt nun wie bisher den Mindestpreis für eine Kilowattstunde Strom aus Sonne und Wind per Gesetz festzulegen, soll ab 2017 in einem Auktionsverfahren der günstigste Anbieter ermittelt werden. Damit nicht Photovoltaik und Windenergie an Land oder auf See gegeneinander antreten müssen, gibt es für jede dieser drei Energieformen eigene Ausschreibungsrunden und eigene Vorschriften. Ausnahmen gibt es nur für kleine Anlagen oder Prototypen.

In der Praxis bedeutet das, dass eine bestimmte Leistung von der Bundesnetzagentur benannt wird und sich die Projektentwickler darauf bewerben können. Diejenigen, die die günstigsten Preise anbieten können, bekommen den Zuschlag, dürfen ihre Anlagen bauen und erhalten für ihren Strom den gebotenen Preis. Es gilt bei den Auktionen ein Höchstpreis, der vorab veröffentlicht wird und sich an der bisherigen Förderhöhe orientiert.

Bei Photovoltaikanlagen, die auf freien Flächen errichtet werden, hat dieses Verfahren schon begonnen, große Dachanlagen kommen künftig hinzu. Die Ausschreibungsvolumen werden so bemessen, dass der von der Bundesregierung festgelegte Ausbaukorridor (40 bis 45 Prozent Erneuerbaren-Anteil im Jahr 2025) eingehalten wird. Ende 2015 lag der Anteil der erneuerbaren Energien schon bei 30 Prozent. Eine Steigerung um zehn Prozentpunkte in den kommenden neun Jahren ist also nicht besonders viel.

Welche Technologie wie viel zum Ausbau beitragen soll, ist ebenfalls geregelt: Ausbaukorridore schreiben vor, wie viel Leistung installiert werden darf: 500 Megawatt entfallen auf die Photovoltaik, etwa 800 MW auf die Windenenergie auf See (aber nicht mehr als insgesamt 11 GW bis 2025) und was übrig bleibt, ist für die Windenergie an Land bestimmt. Das zu errechnen ist kompliziert, denn der Ausbaukorridor beschreibt Anteile an der Stromerzeugung. Mit einer Formel muss also ermittelt werden, wie viel Strom von anderen Technologien erzeugt wird, um auf den Wert für die Windenergie an Land zu kommen. Um das Ausbauziel (45 Prozent EE-Strom 2015) zu erreichen, wird der Wert für die Windenergie an Land jedes Jahr neu berechnet.

Auch das Referenzertragsmodell für Windenergie an Land wird verändert. Künftig gibt es nur noch eine Stufe. Die Teilnehmer in den Ausschreibungen bieten auf einen 100-Prozent-Standort, auch wenn die Werte an ihrem geplanten Bauplatz andere sind. So sollen die Gebote vergleichbar sein. Wenn der Zuschlag erteilt wurde, gelten die tatsächlichen Werte des Standorts: Wenn also ein Platz besser als 100 Prozent ist, wird von der Vergütung etwas abgezogen, ist er schlechter, gibt es mehr Geld pro Kilowattstunde. Den Höchstwert für die Gebote hat das Bundeswirtschaftsministerium auf 7,0 Cent pro Kilowattstunde für den 100 Prozent-Referenzstandort über 20 Jahre festgelegt.

12. Welche Auswirkungen hat die EEG-Reform auf mich als Verbraucher?
„Der Umstieg auf Ausschreibungen wird keine großen Auswirkungen auf die EEG-Umlage und damit auf den Strompreis haben“, sagt Niels Schnoor, Energieexperte beim Verbraucherzentrale-Bundesverband in Berlin. „Die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien werden nicht dramatisch sinken.“

Um den Strompreis zu senken müssten andere Maßnahmen ergriffen werden, meint Schnoor. „Es gibt zwei Stellschrauben, die viel bringen würden: weniger Ausnahmen bei der EEG-Umlage und eine Änderung im Technologiemix.“ Dadurch, dass energieintensive Betreiber sich von der EEG-Umlage befreien lassen könnten, gingen jedes Jahr fünf bis sechs Milliarden Euro verloren, die dann von anderen Stromkunden aufgebracht werden müssten. „Es gibt natürlich begründete Ausnahmen, aber ob das in diesem Ausmaß wirklich gerechtfertigt ist, wage ich zu bezweifeln.“

Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energien, fordert angesichts der aktuellen EEG-Reform: „Die Kernelemente des EEG müssen erhalten bleiben: Vorrang für Strom aus erneuerbaren Energien, fest kalkulierbare Vergütung, Degression und Technologiedifferenzierung.”

13. Mit welchen Auswirkungen der EEG-Reform rechnet die Windbranche?
Die Windbranche hat sich mittlerweile mit den Ausschreibungen abgefunden, auch wenn viele damit nicht glücklich sind. Denn es droht ein Element zu verschwinden, das das EEG erfolgreich gemacht hat: eine wirtschaftliche Mindestvergütung pro Kilowattstunde eingespeistem Strom.

Die Kritik macht sich jetzt vor allem an den Ausbauzielen fest. Die Branche befürchtet, dass die ausgeschriebene Leistung pro Jahr zu niedrig ist und die heimische Produktion darunter leidet.

Die Offshore-Windenergie beispielsweise benötige mindestens einen jährlichen Ausbau von 900 MW, damit Zulieferfirmen nicht in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Windbranche. „Offshore‐Projekte haben lange Umsetzungszeiten. Unklare Zukunftsperspektiven gefährden bereits heute gerade die mittelständische Industrie und zwingen bei zurückgehendem oder schwankendem Ausbau zu Kurzarbeit und Beschäftigungsabbau.“

Auch für die Windenergie an Land befürchtet die Branche Schwierigkeiten: „Die vorgeschlagene Formel zur Mengensteuerung würde für die Windenergie zu voraussichtlich stark schwankenden Ausschreibungsmengen auf niedrigem Niveau führen.“ Damit es nicht zu Schwierigkeiten in den Unternehmen kommt, fordert die Branche einen jährlichen Zubau von 2.500 MW - so wie es auch im EEG von 2014 vorgesehen ist.

Außerdem befürchten Kritiker, dass kleine und mittlere Unternehmen, Genossenschaften und Bürgerenergieprojekte, die viel zum Erfolg der Energiewende beigetragen haben, durch die Ausschreibungen benachteiligt werden. Denn die Planungskosten sind hoch und teilnehmen dürfen bei der Windenergie an Land nur genehmigte Projekte. Wenn nun ein Unternehmen nur ein Projekt einbringen kann und keinen Zuschlag erhält, steht es vor dem Aus.

Die Bundesregierung hat für Bürgerenergiegesellschaften eine Ausnahme vorgesehen: Sie dürfen auch ohne eine vollständige Projekt-Genehmigung an Ausschreibungen für Windenergie teilnehmen. Trotzdem bleibt das Risiko bestehen, bei einer Ausschreibung nicht berücksichtigt zu werden, und damit alle Vorentwicklungskosten abschreiben zu müssen.

14. Wie lange brauchen wir das EEG noch?
„Um den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien zu garantieren, brauchen wir auch weiterhin das EEG auf unabsehbare Zeit als Motor der Energiewende“, betont Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE). Es habe sich als besonders effektiv und als gesamtwirtschaftlich effizient erwiesen. „Die Kernelemente des EEG müssen erhalten bleiben: Vorrang für Strom aus erneuerbaren Energien, fest kalkulierbare Vergütung, Degression und Technologiedifferenzierung“, betont Falk.

Auch Grünen-Politiker Hans-Josef Fell sieht die Aufgabe des EEG noch nicht erfüllt. „Es muss an die neuen Herausforderungen angepasst werden“, meint er. So sei die Integration der erneuerbaren Energien in den Strommarkt eine zentrale Aufgabe, die das EEG leisten könnte: „Wir könnten Betreiber belohnen, die auf kombinierte Kraftwerke aus Biomasse, Wind und Solar setzen und das Ganze mit einem Speicher ergänzen, weil sie für Netzstabilität sorgen“, nennt er ein Beispiel. So würde wirtschaftliche Anreize geschaffen, um Fluktuationen im Netz auszugleichen.

Hier geht es zu "Kurz erklärt: Das EEG - Teil I".
Hier geht es zu "Kurz erklärt: Das EEG - Teil II".

Ricarda Schuller
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