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Thema Wind und Wende

07. Apr. 16

Kurz erklärt: Das EEG - Teil II

Das EEG ist das „Grundgesetz“ für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland - aber wissen Sie, wie es entstand, was das EEG-Umlagekonto ist und wie es mit dem Gesetz weitergehen wird? Wir erklären’s Ihnen.

Kritiker der Energiewende behaupten oft, dass in Deutschland bald die Lichter ausgehen. Dabei zeigen die Daten, dass die Versorgungssicherheit auf einem sehr hohen Niveau ist. 2014 kam es zu Versorgungsunterbrechungen von 11,9 Minuten pro Stomkunde. Damit lag dieser Wert erstmals unter 12 Minuten.

5. Was sind die Hauptargumente gegen das EEG?
Die Argumente gegen das EEG haben sich im Laufe der Zeit verändert. Zu Beginn monierten die Kritiker, das Gesetz fördere Techniken, die es nie schaffen würden, einen nennenswerten Teil zur Energieversorgung beizutragen.

Dieses Argument hatte sich schnell erledigt, denn der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung in Deutschland stieg rasant: Von 6,5 Prozent im Jahr 2000, als das EEG in Kraft trat, bis auf 30 Prozent im Dezember 2015.

Nun argumentieren die Kritiker anders: Das EEG sei zu teuer, heißt es, der Ausbau der erneubaren Energien sei zu schnell gegangen. Die Stromkunden würden über Gebühr belastet, der Ausbau der Stromnetze könne nicht folgen. Außerdem fördere das EEG teure Technologien wie die Photovoltaik, anstatt immer die preisgünstigste Form der Energieerzeugung aus Erneuerbaren zu unterstützen.

Klar ist, dass der Komplett-Umbau eines komplexen Systems wie der Energieversorgung etwas kostet. Die Frage ist, ob das Ziel es wert ist - und das scheinen die Deutschen so zu sehen. In einer Umfrage der Agentur für Erneuerbare Energien im August 2015 sagten 63 Prozent, die EEG-Umlage sei angemessen oder sogar zu niedrig.

Außerdem arbeiten die Kritiker des EEG gern mit Ängsten: Die erneuerbaren Energien seien unstet, wo solle der Strom herkommen, wenn kein Wind wehe oder die Sonne nicht scheine. „In Deutschland gehen die Lichter aus“, ist nur einer dieser Slogans. Allerdings konnte hierfür noch kein Beleg gefunden werden.

Das deutsche Stromnetz ist eines der stabilsten in Europa: Eine aktuelle Auswertung der Störungs- und Verfügbarkeitsstatistik des Forums Netztechnik/Netzbetrieb zeigt, dass es im Jahr 2014 zu Versorgungsunterbrechungen von durchschnittlich 11,9 Minuten pro Stromkunde (2013: 15 Minuten) kam. Erstmals seit Beginn der Datenerhebung vor zehn Jahren lagen die Werte unter 12 Minuten.

6. Warum wird das EEG so oft reformiert?
Auf diese Fragen hat die Politik gleich mehrere Antworten: Durch den relativ schnellen Zubau von erneuerbaren Energien zu einem Zeitpunkt, als diese noch teuer waren, sei die EEG-Umlage in den letzten Jahren stark gestiegen. Mit den Reformen sollte die Kostendynamik der letzten Jahre gestoppt und der Fokus auf die kostengünstigeren erneuerbaren Energien gelegt werden.

Außerdem möchte die Politik die erneuerbaren Energien weiter an den Markt heranführen. Der erste Schritt war die Einführung der Direktvermarktung durch die Anlagenbetreiber (siehe Frage 7). Die jetzige Umstellung auf Ausschreibungen begründet das Wirtschaftsministerium mit drei Zielen:

1. Die Ausbaukorridore für erneuerbare Energien nach dem EEG 2014 sollen eingehalten werden. Durch die Ausschreibungen soll der zukünftige Ausbau effektiv gesteuert werden

2. Die Ausschreibungen sollen den Wettbewerb zwischen Anlagenbetreibern fördern - auf diese Weise will die Regierung die Kosten gering gehalten

3. Von großen Firmen bis zu kleinen Genossenschaften: Die Akteursvielfalt unter den Anlagenbetreibern soll erhalten bleiben. Denn gerade kleine und mittlere Unternehmen erwiesen sich häufig als besonders innovativ, so das Ministerium

Seit 2014 müssen alle neuen Windräder direktvermarktet und ihren Strom direkt an der Strombörse anbieten. Lag die Bagatellgrenze zunächst bei 500 Kilowatt so liegt sie seit Anfang dieses Jahres bei 100 Kilowatt.

7. Was bedeutet Direktvermarktung?
Wer das Wort Direktvermarktung hört, denkt an Hofläden, Genossenschaften oder regionale Vertriebsgemeinschaften. Doch bei Strom aus EEG-Anlagen steht die Direktvermarktung für den Verkauf von Strom aus Wind-, Solar- oder Biogasanlagen an der Europäischen Strombörse EPEX SPOT durch die Betreiber der Anlagen - mit regionaler Vermarktung oder dezentralen Strukturen hat das wenig zu tun.

2012 wurde die Direktvermarktung als freiwillige Möglichkeit eingeführt, seit 2014 gilt sie für alle neuen EEG-Anlagen als Pflicht. Ausgenommen waren zunächst Anlagen mit einer Leistung bis 500 Kilowatt (kW), seit 1. Januar 2016 gilt die Grenze von 100 kW. Damit unterliegen praktisch alle neu errichteten Windparks in Deutschland der verpflichtenden Direktvermarktung nach dem Marktprämienmodell. Rund 80 Prozent der deutschen Windparks werden direkt vermarket, teils freiwillig, teils aus der Pflicht heraus.

Allerdings: An der Börse verkauft wurde der EEG-Strom schon seit 2010 - von den Übertragungsnetzbetreibern. Mit dem Marktprämienmodell musste nun aber der Betreiber der Anlagen selbst dafür sorgen, dass sein Strom verkauft wird.

Wie ist es nun mit der im EEG garantierten Einspeisevergütung, wenn die Börsenpreise schwanken? In der Regel schließen die Betreiber von EE-Anlagen für den Börsenhandel Verträge mit einem so genannten Direktvermarkter ab, der sich um den Verkauf und alle Formalitäten kümmert. Dieser verkauft nun den Windstrom an der Börse zum jeweiligen Preis - derzeit sind es oft nur um die 3 Cent pro Kilowattstunde. Damit der Betreiber auf seine Vergütung kommt, wird die Differenz zwischen dem an der Börse erzielten Preis und der garantierten Einspeisevergütung über die so genannte Marktprämie ausgeglichen. Das Geld dafür kommt aus der EEG-Umlage, für die der Stromkunde aufkommt.

8. Was ist das Referenzertragsmodell?
Das Referenzertragsmodell soll dazu beitragen, dass sich der Betrieb von Windparks in ganz Deutschland wirtschaftlich rechnen kann. Bei der Vergütung von Strom aus Windenergieanlagen an Land gibt es nämlich zwei Stufen: die erhöhte Anfangsvergütung (ab April 2016: 8,69 Cent pro Kilowattstunde), die über fünf Jahre läuft, und die normale Vergütung, die sich für weitere 15 Jahre anschließt, derzeit 4,95 Cent pro Kilowattstunde.

Diese fünf Jahre Anfangsvergütung können sich verlängern – hier kommt das Referenzertragsmodell ins Spiel. Es legt fest, für wie lange die erhöhte Vergütung an windschwächeren Standorten gezahlt wird. Die jeweilige Qualität des Standortes einer Windenergieanlage wird im Vergleich zu einem Referenzstandort ermittelt, der eine Standortqualität von 100 Prozent repräsentiert. Da im derzeit gültigen Modell zwei Rechenschritte erfolgen, wird es auch „zweistufiges Referenzertragsmodell“ genannt.

Die Laufzeit der erhöhten Anfangsvergütung errechnet sich anhand einer im EEG beschriebenen Formel. Standorte mit einer Qualität von 82,5 Prozent oder schlechter erhalten danach die erhöhte Anfangsvergütung für die kompletten 20 Jahre der Förderdauer. Bei Standortqualitäten, die besser sind, sinkt die Laufzeit der erhöhten Anfangsvergütung linear ab.

9. Was ist die EEG-Umlage und wie setzt sie sich zusammen?
Die EEG-Umlage ist Bestandteil des Strompreises, den jeder private und gewerbliche Kunde an seinen Energieversorger zahlt. Einige Unternehmen sind davon allerdings ausgenommen. Die EEG-Umlage soll die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben bei der Vergütung und Vermarktung von Strom aus erneuerbaren Quellen schließen. Derzeit liegt sie bei 6,35 Cent pro Kilowattstunde.

Ihre Höhe berechnet sich aus Prognosen der vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW, die sie jährlich im Oktober zu ihren erwarteten Ausgaben (Vergütungen und Marktprämien für die Anlagenbetreiber) und Einnahmen (Vermarktung des EEG-Stroms) im Folgejahr auf Basis von unabhängigen Gutachten erstellen. Die Bundesnetzagentur prüft, ob bei der Festlegung der EEG-Umlage die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Bei der Berechnung wird der Kontostand des EEG-Kontos vom 30. September berücksichtigt. Außerdem kann eine Liquiditätsreserve von bis zu 10 Prozent einkalkuliert werden. Sie soll helfen, unterjährige Schwankungen des EEG-Kontos und Prognosefehler auszugleichen.

Die EEG-Umlage geht auf das EEG-Umlagekonto, das die vier Übertragungsnetzbetreiber verwalten. Außerdem wird dem Konto das Geld gutgeschrieben, das durch den Verkauf des Stromes an der Börse erwirtschaftet wird - es sei denn, die Betreiber vermarkten ihren Strom direkt (siehe Frage 7). Abgebucht werden die Vergütungen für die Anlagenbetreiber, wobei diejenigen, die ihre Anlage in der Direktvermarktung haben, nur den Ausgleich zwischen Marktwert des Stroms und der garantierten Vergütungshöhe bekommen.

2015 war das EEG-Konto das ganze Jahr über im Plus. Ende September, also zum Zeitpunkt der Prognose, waren vom Polster noch 2,52 Milliarden Euro übrig. Der jeweils aktuelle Stand findet sich unter www.netztransparenz.de

Weitere Fakten rund um das EEG folgen im dritten Teil kommende Woche.

Hier geht es zu "Kurz erklärt: Das EEG - Teil I".

Ricarda Schuller
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