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Thema Wind und Wende

06. Okt. 15

Energiewende in Bürgerhand

Ein Großteil der deutschen Energiewende wurde von den Bürgern finanziert. In den vergangenen Jahren entwickelten sich viele gemeinschaftliche und anteilige Besitz- und Beteiligungsformen.

Der Offshore-Windpark Butendiek war ursprünglich als Bürgerwindpark geplant. Am Ende wurde das Projekt jedoch an einen Projektentwickler verkauft, da der Bau doch zu komplex war.

Das Offshore-Windprojekt Butendiek war ursprünglich als Bürgerwindpark geplant. Doch zur Jahrtausendwende, als die Idee geboren wurde, gab es noch wenig Erfahrung mit dem Bau der riesigen Stahltürme in der oftmals stürmischen See.

Fortlaufende Preissteigerungen und Finanzierungsprobleme zwangen die Initiatoren schließlich zur Aufgabe. Sie verkauften Butendiek 2010 an einen Projektentwickler.

400 Millionen Euro hatten die ursprünglichen Planer für den Park einst veranschlagt; tatsächlich lagen die Kosten für Butendiek schließlich mehr als dreimal so hoch. Zwar gibt es ein Beispiel für einen Bürgerwindpark auf See: Der dänischen Offshore-Windpark Middelgrunden ist im Besitz von insgesamt 10.000 privaten Investoren, der Rest gehört dem örtlichen Stadtwerk.

Doch Middelgrunden ist eine Ausnahme geblieben. Wegen der immens hohen Kosten investieren in die Offshore-Windenergie vor allem die großen Energieversorgungsunternehmen, Stadtwerke und institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen und Anlagegesellschaften sowie Projektierer.

Ein Großteil der deutschen Energiewende wurde dennoch bisher von den Bürgern finanziert. In den vergangenen Jahren entwickelten sich viele gemeinschaftliche und anteilige Besitz- und Beteiligungsformen in diesem Bereich.

In Deutschland gibt es über 900 Bürgerenergiegenossenschaften. In solchen Genossenschaften bauen, betreiben und besitzen Bürger Erneuerbare-Energien-Anlagen gemeinschaftlich.

In Deutschland gibt es über 900 Bürgerenergiegenossenschaften

Eine beliebte Form sind Bürgerenergiegesellschaften. Das sind Gesellschaften, in denen Bürger ihre Erneuerbare-Energien-Anlagen gemeinschaftlich besitzen und betreiben. Dazu gehören beispielsweise Energiegenossenschaften oder regionale Mitarbeiter- und Kundenbeteiligungen. Die Bürger halten dabei mindestens 50 Prozent der Stimmrechte. Bei Bürgerenergiegesellschaften geht es vornehmlich darum, dass die Bürger vor Ort die Geschäfte der Gesellschaft gestaltend mitbestimmen. 2013 gab es bereits rund 900 solcher Genossenschaften in Deutschland.

Bürgerbeteiligungen sind hingegen überregionale Investitionen und Minderheitsbeteiligungen von Bürgern an Betreibergesellschaften von Erneuerbare-Energien-Anlagen. Beispiele dafür sind überregionale Investments oder geschlossene Publikumsfonds. Hier steht die finanzielle Teilhabe im Vordergrund.

Zu Umwelt- und Klimaschutz beitragen und gleichzeitig mit der Energiewende Geld verdienen, klingt für viele Bürger nach einer verlockenden Idee. Doch wie in anderen Bereichen gilt: Hohe Renditeversprechen sind oft mit hohen Risiken verbunden. Verbraucherschützer warnen regelmäßig: Vorsicht ist insbesondere bei Beteiligungen und direkten Investitionen in bestimmte Projekte geboten.

Denn eine Beurteilung solcher Angebote ist für den Laien schwierig. In der Vergangenheit gab es immer wieder Beispiele für Windparks, bei denen falsch kalkuliert wurde. Die Reparaturkosten wurden zu niedrig angesetzt oder die Windprognosen waren zu optimistisch. Das führte zu Einnahmeausfällen. Beispiele für riskante Anlageformen sind geschlossene Fonds, Genussrechte, stille Beteiligungen oder Direktinvestments. Wer eine solche Form wählt, muss sich im Klaren darüber sein: geht das Unternehmen pleite, droht der Totalverlust der Geldanlage.

Natürlich gibt es auch jede Menge Positivbeispiele. Nahezu die Hälfte aller Erneuerbare-Energien-Kapazitäten in Deutschland befindet sich in Hand von Einzeleigentümern, Bürgerenergiegesellschaften oder Bürgerbeteiligungen, hat die Agentur für Erneuerbare Energien ermittelt.

Ricarda Schuller
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