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Thema Wind und Wende

25. Jan. 17

Noch bewegt sich viel in Nord- und Ostsee, wenn auch 2016 deutlich hinter das Rekordjahr 2015 zurückfiel. Geplante neue Projekte liegen bis 120 Kilometer vor Küste in über 40 Meter tiefem Wasser.

Droht die Offshore-Delle?

Noch bewegt sich viel in Nord- und Ostsee, wenn auch 2016 deutlich hinter das Rekordjahr 2015 zurückfiel. Die Offshore-Branche hat jetzt neueste Zahlen vorgestellt und einen Ausblick gewagt: 2020 droht ein Ausbaustopp.

Anna-Katrin Wallasch, Abteilungsleiterin im Bereich Markets & Politics bei der Deutschen WindGuard.

Von Katharina Wolf

Neu gebaute Windenergieanlagen 2016

156 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 818 Megawatt speisten im vergangenen Jahr erstmals ins Netz ein. Das ist soviel wie die Leistung eines mittelgroßen Atomkraftwerks. Insgesamt sind damit in der deutschen Nord- und Ostsee mehr als vier Gigawatt Leistung installiert.

„2016 gingen spürbar weniger Anlagen in Betrieb als im Jahr 2015”, kommentierte Anna Wallasch, Abteilungsleiterin im Bereich „Markets & Politics” bei der Deutschen WindGuard, die jährlich Zahlen erhebt. Der Grund: 2015 wurden etliche bereits in den Vorjahren gebaute Windenergieanlagen ans Netz angeschlossen und wurden daher 2015 gebucht.

Noch bewegt sich viel in Nord- und Ostsee, wenn auch 2016 deutlich hinter das Rekordjahr 2015 zurückfiel. Geplante neue Projekte liegen bis 120 Kilometer vor Küste in über 40 Meter tiefem Wasser.

Größer, tiefer, weiter

Size does matter – die Größe macht’s, das gilt auch für die Windenergieanlagen in Offshore-Windparks.

Die Betreiber installieren immer leistungsfähigere Turbinen. Gleichzeitig liegen die neuen Projekte auch immer weiter vor der Küste und deshalb auch in tieferem Wasser. Die durchschnittliche Leistung einer 2016 installierten Anlage lag bei 5,244 Megawatt und damit 27 Prozent über der durchschnittlichen Leistung 2015.

Auch die Rotoren werden größer: Von 123 Meter auf 145 Meter wuchs der Durchschnittsrotor. Die Wassertiefe stieg auf 30 Meter, die Küstenentfernung auf 68 Kilometer. Trends, die sich fortsetzen: Geplante neue Projekte liegen bis 120 Kilometer vor Küste in über 40 Meter tiefem Wasser. Auch die Anlagen wachsen weiter: Die Hersteller haben Turbinen mit acht Megawatt Leistung im Programm.

Prof. Dr. Martin Skiba, Vorstand der Stiftung Offshore Windenergie ist stolz auf die Anzahl der Betriebsstunden der deutschen Offshore-Windparks.

Anteil an der Stromerzeugung

Besondern erfreulich entwickelte sich aus Sicht der Branche der Anteil an der Stromerzeugung. 13 Terawattstunden und damit mehr als doppelt so viel wie 2015 speisten deutsche Offshore-Windparks ins Netz ein. Rein rechnerisch ist das der Strom für drei Millionen Haushalte.

Der Anteil der Offshore-Windenergie an der Stromerzeugung der erneuerbaren Energien stieg auf 6,6 Prozent. An der gesamten Stromerzeugung halten die Windparks auf dem Meer zwei Prozent. Besonders stolz ist Prof. Dr. Martin Skiba, Vorstand der Stiftung Offshore Windenergie, auf die Anzahl der Betriebsstunden. Deutlich über 8.000 Stunden im Jahr seien die meisten Parks gelaufen. „Ein Jahr hat 8.760 Stunden. Es gibt kaum Flauten, wir können zuverlässig einspeisen.”

Niedersachsen haben die Nase vorn

2016 sind ausschließlich neu gebaute Anlagen in der Nordsee ans Netz gegangen. 92 Prozent aller errichteten Anlagen stehen dort. Und hier trägt Niedersachsen den Sieg davon: 50 Prozent der installierten Parks und damit mehr als zwei Gigawatt werden hier zugeordnet, da ihr Strom durch Niedersachsen abgeleitet wird.

1,6 Gigawatt werden Schleswig-Holstein zugerechnet, 338 Megawatt Mecklenburg-Vorpommern, da in der Ostsee nicht so große Flächen zur Verfügung stehen.

Size does matter – die Größe macht’s, das gilt auch für die Windenergieanlagen in Offshore-Windparks. Die Hersteller haben Turbinen mit acht Megawatt Leistung im Programm.

Ausblick Kosten

Die Offshore-Branche steht vor einem Systemwechsel. Der per Gesetz festgelegte Preis pro Kilowattstunde Strom wird abgelöst durch ein Auktionsverfahren, bei dem feste Leistungen ausgeschrieben werden. Wer den niedrigsten Strompreis bietet, erhält den Zuschlag.

Sicher ist dabei: Die Kosten werden sinken. Um wie viel bleibt offen. In den Niederlanden und in Dänemark wurden jüngst Zuschläge bei sieben und fünf Cent pro Kilowattstunden vergeben. So niedrig werden die Preise in Deutschland wohl nicht sinken, denn in Deutschland muss der Betreiber eines Offshore-Windparks, anders als in den Niederlanden und in Dänemark, die Kosten für das Umspannwerk und den Netzanschluss tragen.

Zudem können die Projekte der Nachbarn näher an die Küste in flacherem Wasser stehen. Das ist in Deutschland wegen des Nationalparks Wattenmeer kaum möglich.

Norbert Giese, Vorsitzender des VDMA-Lenkungskreises Offshore-Windenergie, rechnet mit je 1.000 Megawatt Zubau in den Jahren 2018 und 2019.

Ausblick Zubau

Mit dem Umstieg auf Auktionen wird gleichzeitig eine Deckelung der Ausbaumenge eingeführt: Bis 2020 sind das nicht mehr als 6,5 Gigawatt Offshore-Windparks.

„Wir werden 2017 etwa 1.400 Megawatt Leistung zubauen”, sagt Norbert Giese, Vorsitzender des VDMA-Lenkungskreises Offshore-Windenergie und damit ein Vertreter der Anlagenhersteller.

Er rechnet mit je 1.000 Megawatt 2018 und 2019. Im Jahr 2020 werde wohl gar nichts oder nur Reste zugebaut, denn das Ziel der 6,5 Gigawatt ist schon vorher übererfüllt. Auch die gesamte vorgesehene Netzanschlusskapazität von 7,7 Gigawatt ist dann bereits ausgeschöpft. Erst ab 2021 wird es dann mit dem Ausbau weitergehen, bis das Ziel 15 Gigawatt bis 2030 erreicht ist.

Ausblick Jobs

„Weniger Aufträge führen nicht zu mehr Jobs”, sagt Norbert Giese. Was wird also aus den rund 20.000 Beschäftigten, wenn Kostendruck und niedrige Ausbauraten die Branche unter Druck setzen?

„Wir werden eine Verlagerung der Jobs von der Herstellung in Betrieb und Wartung sehen”, meint Giese. Zudem könnten einige Hersteller auch Produktionskapazitäten von der Offshore-Branche auf Windenergieanlagen an Land verschieben.

Auch im Export sieht er Chancen. „Märkte wie Frankreich, Polen oder Schweden in Europa und Japan, Korea und Taiwan in Asien haben sich bis dann entwickelt.”

Larissa Dieckhoff
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