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Thema Wind und Wende

14. Jan. 16

Hunderte Techniker arbeiten inzwischen von Helgoland aus, um Windparks in der Nordsee zu warten und bei technischen Problemen schnell vor Ort zu sein. Drei Windparks produzieren direkt vor der Insel umweltfreundlichen Strom.

Die Provinz erwacht

Touristisch reizvoll, aber strukturschwach: Das war lange das verbindende Element von Helgoland, Saßnitz und Norddeich. Jetzt bringt die Offshore-Windkraft auch wirtschaftlich Schwung in die Orte.

Das ostfriesische Norden-Norddeich ist eines der Städtchen, das von der Offshore-Windkraft profitiert. Rund 270 Einwohner arbeiten inzwischen in der Branche. So hat sich zum Beispiel der Energiekonzern Dong Energy hier niedergelassen und 2015 eine Betriebszentrale eingeweiht.

Von Heimo Fischer

Die großen Zentren der Offshore-Windkraft wie Bremen oder Hamburg waren schon immer bedeutende Wirtschaftsstandorte – dass sich hier zahlreiche Unternehmen aus der Branche angesiedelt haben, erscheint daher fast zwangsläufig.

Ganz anders sieht die Situation kleiner Küstenorte in strukturschwachen Regionen aus. Für sie die die junge Industrie eine unverhoffte Chance, Investoren anzulocken und Arbeitsplätze zu schaffen – und nicht zuletzt auch um Berufsanfängern die Möglichkeit zu bieten, in ihrer Heimat zu bleiben. Wie die Inseln Helgoland und Rügen sowie das ostfriesische Norddeich diese Chance ergreifen, schildern wir in diesem dritten und letzten Teil unserer Reihe über Deutschlands Windhauptstädte.

Ein mustergültiges Beispiel für einen beginnenden Wirtschaftsaufschwung in der Provinz ist Norddeich. Den meisten dürfte der Ortsteil des ostfriesischen Städtchens Norden bestenfalls als Endhaltestelle einiger Intercity-Züge ein Begriff sein, oder vielleicht von Ausflügen auf die Inseln Norderney und Juist, die vom Fähranleger Norddeich-Mole aus angesteuert werden.

Doch jetzt profiliert sich Norddeich auch als Servicestandort für Offshore-Windparks: Am Hafen sitzt das Betriebsbüro für Deutschlands ersten Windpark Alpha-Ventus, am Anleger liegt das dazugehörige Wartungsschiff.

Den Aufstieg in die Oberliga der Offshore-Städte hat der Ort im Frühjahr 2015 geschafft: als der Energieversorger Dong Energy hier eine Betriebszentrale eingeweiht hat. Die Dänen gaben dafür 15 Millionen Euro aus. Drei Offshore-Windparks in der Nordsee will das Unternehmen von Norddeich aus steuern. Sie sollen knapp eine Million Haushalte mit Strom versorgen. Für die Stadt Norden und ihre knapp 25.000 Einwohner ist die Offshore-Branche mit inzwischen bis zu 270 Beschäftigten ein wichtiger Arbeitgeber. Ihre Bedeutung dürfte noch weiter steigen.

Hunderte Techniker arbeiten inzwischen von Helgoland aus, um Windparks in der Nordsee zu warten und bei technischen Problemen schnell vor Ort zu sein. Drei Windparks produzieren direkt vor der Insel umweltfreundlichen Strom.

Zwei Inseln profitieren von der Energiewende

Die Insel Helgoland steht als Windkraftstandort ebenfalls am Anfang. Doch womöglich wird sie eines Tages zu den ganz großen Zentren der Branche zählen. Für den Bau von Fabriken wäre Deutschlands einzige Hochseeinsel allerdings zu klein und abgelegen. Stattdessen prägen flache Zweckbauten das Bild der Unternehmen, die sich hier niedergelassen haben. Von diesen Servicestationen aus sollen die Anlagen in der Nordsee künftig gewartet und repariert werden.

Heute stehen bereits drei Windparks vor der Insel mit insgesamt 208 Anlagen. Hunderte Techniker arbeiten auf Helgoland – für RWE Innogy, Eon und Wind MW. Ihr Einsatz dort draußen spart Zeit und Geld. Denn von dem Eiland aus lassen sich die oft kurzen Schönwetterphasen viel besser nutzen, um zu den Windparks zu gelangen.

Für die 1500 Einwohner Helgolands bedeutet die Windkraft eine Chance: Die Umsätze von Läden, Restaurants und Hotels wachsen, was den seit Jahren andauernden Bevölkerungsschwund stoppen könnte. Zu einem vollständigen Bild der Situation vor Ort gehört allerdings auch, dass längst nicht alle Insulaner Fans der neuen Industrie sind.

Eine Reportage darüber, wie die Offshore-Windkraft Helgoland verändert, lesen Sie hier.

Was Helgoland für die deutsche Offshore-Windkraft in der Nordsee ist, könnte Saßnitz in der Ostsee werden. Der Erholungsort auf der Insel Rügen, bekannt als Ausgangspunkt für Touren zu den Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund ist ein fester Punkt auf der Landkarte der Branche, seit der baden-württembergische Energiekonzern EnBW von hier aus die 80 Anlagen für den Windpark Baltic 2 verschifft hat. Er liefert Strom für gut 340.000 Haushalte.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat in den vergangenen Jahren viel Geld ausgegeben, um den Hafen zu modernisieren und auszubauen. Die Investition scheint sich gelohnt zu haben, denn neben Baltic 2 sind längst weitere Projekte in Planung. Ab 2016 lässt der spanische Konzern Iberdrola den Windpark Wikinger von Saßnitz aus bauen, Eon soll ab 2017 mit dem Projekt Arkona Becken Südost folgen.

Es wäre sicher zu viel gesagt, dass Saßnitz damit zu Deutschlands Windhauptstadt aufsteigt. Für die deutsche Ostsee gilt das aber allemal.

Ricarda Schuller
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