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Thema Wind und Wende

20. Apr. 15

Es werde Luft

Luft ist Leben. Das gilt generell und im Besonderen für die Windkraft. Denn wo keine Luft da kein Wind, und wo kein Wind, da keine Energie. Die Firma Lufft - mit Doppel-F - weiß das.

Aus alten Zeiten: Ein Barometer im Lufft-eigenen „Museum”. Seit über 130 Jahren sind Messgeräte das Geschäft der Fellbacher.

Der erste Wind, der durch Fellbach strömt, trägt die säuselnde Stimme einer Schlagersängerin. Sie heißt Vicky Leandros und ihr Gesang füllt mühelos ein ganzes Taxi.

Wind, Wind so wie das Meer / Wenn fremde Stürme Tag und Nacht wehen / Wind, Wind so wie das Meer /
Schlug auch mein Herz beim Wiedersehen“, schallt es aus dem Radio. Ein Auto, voll mit SWR 4 und viel Gefühl, hier auf dem Weg zur Firma Lufft.

Die heißt tatsächlich so und macht einen Gutteil ihres Geschäfts mit Luft, genauer: Umweltsensoren, darunter auch Windmessern, Fachbegriff „Anemometern“.

Es ist früh und es ist in Fellbach, nordöstlich von Stuttgart. Es soll gleich um das Geschäft mit dem Wind gehen. Und aus dem Autoradio tönt es weiter:

Wind, Wind sing mir dein Lied / Ich hör' so gern, was du erzählst“.

Manchmal passt eben alles.

Lufft wird gleich mit mehr als 134 Jahren Geschichte und Geschichten aufwarten. Eine geht so: Einst wurde in den Alpen eine Gletscherleiche gefunden, die war alles, aber nicht mehr zu identifizieren.

Sie trug allerdings ein ziemlich gut erhaltenes Barometer bei sich, Hersteller: Lufft. Anhand der Seriennummer hoffte die Polizei Hinweise darauf bekommen zu können, wer der Besitzer des feinmechanischen Instruments gewesen sein konnte. War zwar nicht möglich, ist aber eine ganz gute Geschichte, um einzusteigen.

Gletscherleichen und ein falsches F

Oder die mit dem Doppel-F. Es kam schon mal vor, das erboste Bürger in der Firmenzentrale anriefen und sich bitterlich beschwerten. Darüber, wie doof man denn sein müsse, das Wort „Luft“ falsch zu schreiben.

Weil Lufft eine Menge Wetterstationen versehen mit dem Firmennamen verkauft, sieht man an Autobahnen, Flughäfen, Strommasten oder in Weinanbaugebieten eben auch eine ganze Menge der vermeintlich falsch geschriebenen Luft.

Der Firmengründer hieß Gotthilf Lufft und gründete 1881 in Stuttgart die Firma „Mech. Werkstatt G. Lufft“, die Barometer herstellte. Zufall, dass der Name Programm ist? „Ehrlich gesagt schon“, sagt Tobias Weil, Marketingleiter des Unternehmens. „Und heute noch ein ziemlich guter Türöffner für jedes Gespräch“.

Nach den Barometern kommen die Höhenmesser, die Thermometer, die Kompasse. Es kamen die Aufs und Abs, die ein Firmenleben in mehr als 130 Jahren ebenso mit sich bringt.

„Das Elektronik-Zeitalter hatte längst auch den Messbereich erfasst“, heißt es in der  Festschrift zum 125-jährigen Bestehen, „auf diese dramatischen Veränderungen reagierte das Unternehmen nicht schnell genug: 1989 umfasste die Preisliste 1200 Positionen, von denen etwa 80 Prozent vor mehr als zehn Jahren entwickelt worden waren.“

Heute seien die Windmessgeräte „ein klares A-Teil“ jeder Windkraftanlage, sagt Udo Kronmüller, der Vertriebsbereichleiter „Wind & Wetter“ von Lufft.

Ein schwieriger Markt, um den es zu kämpfen lohnt

Am Heck der Anlage installiert misst das unterarmgroße Gerät Windrichtung und -geschwindigkeit auf Ultraschallbasis und damit die Bedingungen, die die Anlage antreiben: Den Wind.

„Also ein ebenso betriebs- wie sicherheitsrelevantes Teil, mit dem die Anlage entsprechend der Windrichtung ausgerichtet oder der Pitch der Rotorblätter geregelt wird“, sagt Kronmüller. Wird der Wind nicht genau und zuverlässig gemessen, dann müsse man auch keine Windenergieanlage betreiben.

Das Geschäft mit ihnen und mit der Luft ist dabei aber kein einfaches. Denn bevor ein Windsensor auf eine Turbine „darf“, sind viele Hausaufgaben zu erledigen, muss eine regelrechte Bewerbungsmappe bei den Herstellern abgegeben werden, die unter anderem die Durchführung von Korrosions-, Vibrations- und Eis-Tests sowie einer Zerstörungsprüfung belegen muss.

Und sind diese Tests bestanden, fordern die Hersteller von Windturbinen die Einführung von KVP-Massnahmen, heißt: eine ständige Verbesserung in Richtung „absolute Fehlerfreiheit“.

Trotzdem werden die Messgeräte häufig als ein C-Teil betrachtet, erklärt Kronmüller weiter. Und meint damit eine Komponente, die in der Kostenrechnung eines Windparks vernachlässigbar ist, die „im Rauschen untergeht“.

Ein enorm wichtiges Teil, aber bei bestehenden Lieferantenbeziehungen und -verträgen eben keines, das sich auf die Schnelle austauschen lässt, um Geld zu sparen.

Ein Gradmesser für eine ganze Branche

Das macht aus dem kleinen, wichtigen, günstigen Teil auch einen Gradmesser für den Entwicklungsstand einer ganzen Branche: „Das sind doch längst keine Garagenfirmen mehr, da gilt es Prozesse zu durchlaufen von der Erstbemusterung über Prüfmusterberichte und Teilserien“, sagt Kronmüller. Da muss man Geduld beweisen, weil die Erfolge sich nicht über Nacht einstellen. „Das ist langwierig.“

Lufft hat diesen – Entschuldigung, aber das Wortspiel muss an dieser Stelle noch kurz sein! – langen Atem.

Weil die Fellbacher nicht nur in der Off- und Onshore- Windenergie aktiv sind. Die Anwendungen reichen von der Klimatologie über die industrielle Klimamesstechnik, Agrarmeteorologie, Verkehrstechnik bis hin zu Monitoring-Systemen der Pharmaindustrie.

Was den Wind angeht, sagt Marketingleiter Tobias Weill dann noch, da hatte man sich das durchaus leichter vorgestellt, die Lernkurve sei schon enorm gewesen. „Nichtsdestotrotz: Wir halten daran fest, wir sehen immer noch das große Potenzial in der Windenergie.“ Also Kurs halten, auch wenn’s mal etwas heftiger stürmt.

Nachtrag: Als wir Lufft verlassen und ins Taxi steigen läuft das Radio. Wieder SWR 4. Diesmal Nena, "Leuchtturm".

Und sie singt: „Gehn wir an Bord und fahren mit / Ich tauch den Fischen hinterher / Mach alle Türen zu und los / Vertreiben wir uns die Zeit im Meer“.

Manchmal passt eben alles.

Iris Franco Fratini
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