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Thema Wind und Wende

06. Sep. 16

"Deutsche Fehler sind ein gutes Lehrstück"

Jonathan Gaventa, Direktor des unabhängigen Energie-Think-Tanks E3G, über deutsche Erfolge und Versäumnisse in der Energiewende – und warum andere Länder dafür dankbar sein sollten.

Deutschland habe noch noch keinen Ausstigesplan für die Kohle - das gefährde seine Position als klimapolitischer Vorreiter, so Jonathan Gaventa.

Aus Sicht eines unabhängigen Think-Tanks: Wie schlägt sich Deutschland in Sachen Energiewende?
Recht erfolgreich. 2015 stammte jede dritte Kilowattstunde – oder um genau zu sein: 32,5 Prozent - aus Wind-, Solar-, Wasser- und Bioenergiekraftwerken. Das deutsche Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien hat eine große Nachfrage für Wind- und Solarenergie geschaffen.

Dies hat gleichzeitig andere Länder – vor allem China – beflügelt, die Produktion von Erneuerbare-Energien-Anlagen immer weiter auszubauen. Dadurch sinken weltweit die Kosten der regenerativen Energien.

Also alles gut?
Jein. Der rasche Ausbau der Erneuerbaren im Zuge der Energiewende kommt in der Regel positiv im Ausland an. Deutschland geht mit guten Beispiel voran und das wissen viele andere Staaten zu schätzen.

Gleichzeitig besteht aber auch die Gefahr, dass Deutschland seine klimapolitische Führungsposition verliert, weil es weiterhin auf den fossilen Energieträger Kohle setzt. Während andere Länder mehr und mehr von der Kohle abrücken hat Deutschland noch keinen Ausstiegsplan. Das nagt natürlich an der Glaubwürdigkeit.

Und auch an der Idee, die deutsche Energiewende als Blaupause für die Welt zu betrachten?
Es ist enorm wichtig, aus Deutschlands Erfolgen, aber auch aus den Misserfolgen zu lernen. Inzwischen ist die Einspeisevergütung das Instrument der Wahl für eine ganze Reihe von Staaten, die damit zumindest einen Teil der deutschen Energiewende kopieren.

Gleichzeitig muss die Steigerung der erneuerbaren Stromerzeugung mit einer Reduzierung der Kohlenutzung einhergehen – sonst zeigt sich keine klimapolitische Wirkung. Die aktuellen politischen Entwicklungen zeigen außerdem, dass den sozialen Auswirkungen der Energiewende und dem Ausbau des Stromnetzes in der Vergangenheit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Diese deutschen Fehler sind ein gutes Lehrstück für Länder, die ihre eigene Energiewende planen.

Ricarda Schuller
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