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Thema Wind und Wende

20. Feb. 15

Die chinesische Regierung investiert in Offshore-Windkraft, denn sie ist künftig unverzichtbar für die Stromversorgung großer Städte wie Shanghai.

Der große Run

China, Japan und die USA investieren kräftig in sauberen Strom von hoher See – weil die Offshore-Windenergie unverzichtbar für die Stromversorgung der Zukunft geworden ist.

Die chinesische Regierung investiert in Offshore-Windkraft, denn sie ist künftig unverzichtbar für die Stromversorgung großer Städte wie Shanghai.

Kaum zu glauben: Aber ausgerechnet China, das als größter Umweltsünder mit seinen vielen neuen Kohlekraftwerken gilt, ist bereits seit Jahren der weltgrößte Erzeuger von Windenergie. Nachdem das Riesenreich in der Vergangenheit stärker auf Windparks an Land setzte, hat die Regierung in Peking jetzt auch die Offshore-Windenergie entdeckt.

Dieser Bereich hatte sich bisher nur langsam entwickelt. Grund: Es existierte für Offshore-Windenergie keine Vergütungsregelung. Die Technik alleine erschien den Zentralplanern zu teuer. Das hat sich gründlich geändert.

Die Chinesen handelten prompt: Die zuständigen Verwaltungen, Chinas Nationale Energiebehörde, sowie die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, haben inzwischen Vergütungssätze für die zahlreichen Windenergieprojekte vor Chinas Küsten festgelegt. Je nach Güte des Standorts und Nähe zu industriellen Ballungszentren erhalten die Betreiber gestaffelte Vergütungen.

So werden umgerechnet rund 8,9 Eurocent je Kilowattstunde (kWh) gezahlt, wenn die Projekte auf hoher See liegen. Für sogenannte Nearshore-Projekte, die in Nähe der Küste geplant sind und weniger Kabelanbindungskosten verursachen, fällt die Vergütung mit umgerechnet rund 10,1 Cent etwas höher aus. Nun erwartet der Windenergie-Weltverband einen „Mini-Boom“, der in den nächsten Jahren einige Gigawatt an neu installierter Leistung bringen dürfte.

Im Herbst 2014 waren in China sieben Offshore-Projekte in Bau. Die Leistung dieser Windparks summiert sich auf rund 1.560 Megawatt (MW). Daneben waren weitere 3.500 Megawatt in der Planungs- und Genehmigungsphase, deren Errichtung im Jahr 2015 beginnen könnte. Bis Ende 2015 will China eine Offshore-Leistung von rund 5.000 Megawatt erreichen.
Obwohl es in China für die Windkraft an Land generell wenig Probleme wegen eines Flächenmangels oder Beschwerden über Lärm, den Tod von Vögeln oder gar über die ästhetische Störung des Landschaftsbildes gibt, ist der Bau von Windparks auf dem Meer sinnvoll.

Die geeigneten Landstriche für Windparks an Land liegen nämlich im Norden oder Nordwesten Chinas. Der meiste Strom wird aber in den Großstädten an der Ostküste verbraucht. Und bisher gibt es keine Lösung für den teuren Transport. Da sind Offshore-Anlagen vor der Küste die günstigere Alternative.

Japan setzt wegen seiner tausend Metern steil abfallenden Küsten auf schwimmende Fundamente.

Japan, Südkorea und Taiwan überbieten sich mit Offshore-Windprojekten

Schwieriger als in China ist die Installation von Offshore-Windkraftanlagen in Japan. Durch die besondere topographische Lage des Archipels mit seinen mehreren tausend Metern steil abfallenden Küsten ist es schwierig, konventionelle Gründungsstrukturen und Fundamente zu schaffen. Deshalb setzt Japan stärker als andere Länder auf schwimmende Fundamente.

Erste Testprojekte wurden 2013 umgesetzt. Im Meer vor dem havarierten Atomkraftwerksstandort von Fukushima haben nun die Universität Tokio und zehn Unternehmen wie Mitsubishi oder Hitachi eine Zwei-Megawatt-Turbine, ein schwimmendes Umspannwerk sowie die nötigen Unterwasser-Stromnetze installiert.

2015 sollen zwei weitere große Windkraftanlagen mit je 7 Megawatt folgen. Auf lange Sicht entsteht dort der größte schwimmende Windpark der Welt. Auch Südkorea und Taiwan haben ähnlich ehrgeizige Pläne mit der Offshore-Windkraft: So will Südkorea beispielsweise bis 2019 einen Meereswindpark mit einer Leistung von 2,5 Gigawatt (GW) errichten.

USA: 742.000 Hektar für Offshore-Wind vor der Küste Massachusetts

US-Klima-Aktionsplan hilft Offshore-Windprojekten

Die USA waren gegenüber Offshore-Windenergie lange Zeit – aus Kostengründen – zurückhaltend. Aber jetzt wird geplant und gebaut. So befinden sich vor der Ostküste zwei Projekte in der Planungs- und Genehmigungsphase.

Zudem ergeben sich auch im Golf von Mexiko, vor der Pazifikküste sowie auf den großen Seen an der Grenze zu Kanada viele Potenziale für Offshore-Wind-Projekte. Die Regierung in Washington hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 bis zu zehn Gigawatt an Offshore-Windenergie-Kapazitäten installiert zu haben und noch ein Vielfaches davon bis 2030 zu realisieren.

Im Rahmen des Klima-Aktionsplans von US-Präsident Barack Obama hat das Innenministerium vor der Küste des US-Ostküstenstaates Massachusetts zuletzt eine Fläche von knapp 742.000 Hektar zur kommerziellen Entwicklung angeboten.

Nach einer Analyse des US-Department of Energy National Renewable Energy Laboratory, dem Grünstrom-Forschungsinstitut des US-Energieministeriums, können vor Massachusetts Offshore-Windkraftanlagen mit einer Leistung zwischen 4.000 und 5.000 Megawatt errichtet werden. Der Strom würde für rund 1,4 Millionen Haushalte reichen. Ebenfalls noch 2015 sollen weitere Pachtgebiete vor der Küste von New Jersey versteigert werden.

Die Auktion der Nutzungsrechte war für den 29. Januar 2015 geplant. Leistung zwischen 4.000 und 5.000 Megawatt sollen errichtet werden. Der Strom würde für rund 1,4 Millionen Haushalte reichen. Ebenfalls noch 2015 sollen weitere Pachtgebiete vor der Küste von New Jersey versteigert werden.

Das US-Energieministerium hat in einer Untersuchung festgestellt, dass die USA durch einen Ausbau der Offshore-Windenergie auf 54 Gigawatt Leistung jährlich rund 7,78 Milliarden Dollar gegenüber einem Energiesystem ohne Offshore-Windenergie einsparen würden. Selbst in Szenarien mit niedrigen Gaspreisen sind es noch 7,18 Milliarden Dollar.

Bei Berücksichtigung dieser Einsparungen sinken die Gestehungskosten der Offshore-Windenergie auf 4,1 Dollar-Cent pro Kilowattstunde. Das Leistungspotenzial von 54 Gigawatt ist übrigens keine theoretische Größe.

Der Wert berücksichtigt bereits militärische Sperrzonen, kommerzielle Gebiete für den Fischfang, Umweltschutzmaßnahmen und weitere Einschränkungen – die am Ende vielleicht geringer ausfallen können als bisher angenommen.

Iris Franco Fratini
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