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Thema Wind und Wende

11. Jan. 16

Rivalen an Ems und Elbe

Emden und Cuxhaven sind die ärgsten Verfolger von Hamburg und Bremen im Rennen um den inoffiziellen Titel der Windhauptstadt. Sie profitieren von ihrer geografischen Lage und ihrer Erfahrung in der Offshore-Technik.

Mitte 2015 beschloss die Windsparte von Siemens, sich in Cuxhaven anzusiedeln. Das verkündete Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser auf einer Pressekonferenz vor Ort. Ab Mitte 2017 sollen hier Turbinen für Windparks gebaut werden.

Von Heimo Fischer

Neben den beiden großen Hansestädten Bremen und Hamburg, die wir im vorigen Teil unserer Reihe über Deutschlands Windhauptstädte vorgestellt haben, ist es in den vergangenen Jahren auch kleineren Orten gelungen, sich als Zentren der Offshore-Windkraft zu etablieren. In der festen Erwartung eines weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien haben sie dabei frühzeitig ihre geografische Lage ausgespielt, um sich für die Ansiedlung von Unternehmen aus der Windkraft interessant zu machen.

Kurze Wege zu gleich mehreren Offshore-Windparks bietet Cuxhaven. Die Stadt hat ihre Kapazitäten bereits kräftig ausgebaut und will künftig noch weitere Flächen hinzunehmen. Der große Durchbruch gelang der 49.000-Einwohner-Stadt erst vor Kurzem: Die Windsparte von Siemens hat Mitte 2015 beschlossen, sich an der Elbmündung anzusiedeln, um dort Turbinen für Windparks zu bauen.

Das bedeutet auf einen Schlag 1000 neue Arbeitsplätze. Der Produktionsbeginn ist für Mitte 2017 vorgesehen, wobei das Investitionsvolumen bei 200 Millionen Euro liegt. Der Beschluss ist ein Etappensieg für den Standort, der sich – genauso wie das konkurrierende Bremerhaven – zur führenden Offshore-Basis der deutschen Nordseeküste entwickeln will.

Wichtige Voraussetzungen dafür sind vorhanden: Der Tiefwasserhafen verfügt seit 2007 über eine Offshore-Schwerlastplattform. Hinzu kommen hafennahe Industrie- und Gewerbeflächen. Cuxhaven kann zudem bereits auf Erfahrung mit Offshore-Windparks verweisen: Die Fundamentstrukturen von Bard-Offshore 1, Meerwind Süd/Ost sowie Amrumbank West wurden von dort aus errichtet.

Seit Mitte der 1990er-Jahre werden am Emder Hafen Komponenten für die Offshore-Industrie umgeschlagen. Bereits 2012 arbeiteten mehr als 3.000 Beschäftigte in Emden in der Offshore-Branche.

Die „Ems-Achse“ als maritimes Zentrum

Während die Stadt an zentraler Stelle der deutschen Nordseeküste liegt, nutzt das nur unwesentlich größere Emden seine Randlage geschickt aus. Auf der deutschen Landkarte ist Emden links oben versteckt, aus europäischer Sicht jedoch bildet sie eine Drehscheibe zwischen den deutschen und niederländischen Windparks.

Mit weiteren Standorten auf der sogenannten „Ems-Achse“ wie Leer oder Papenburg bildet Emden ein internationales Zentrum der Offshore-Industrie nahe an der Grenze zum Nachbarland. Und das mit Erfolg: Laut einer Studie des auf die Branche spezialisierten Marktforschers Windresearch gab es bereits 2012 mehr als 3000 Beschäftigte in 130 Firmen der Offshore-Branche, deren Umsatz insgesamt 700 Millionen Euro erreichte.

Einer der Arbeitgeber mit großer Erfahrung in der Branche ist die Firma Off-Shore Wind Solutions (OWS), die aus dem in die Pleite gerutschten Windpionier Bard Holding hervorgegangen ist. Auch der Onshore-Anlagenbauer Enercon hat Fertigungsstätten in Emden sowie im nahegelegenen Aurich. Hinzu kommt die frühere Marinewerft Nordseewerke, die nach mehreren Pleiten und einer Schrumpfkur versucht, sich als Zulieferer im Stahl- und Apparatebau auch für die Windkraft zu etablieren.

Dass dieser Weg funktionieren kann, zeigt ein millionenschwerer Auftrag von Vattenfall aus dem Oktober 2015: Für den schwedischen Energiekonzern liefern die Nordseewerke die Inneneinrichtung und Elektrik einer Wohnplattform, von der aus Windparks in der Nähe von Sylt betrieben werden.

Der Emder Hafen hat viel Erfahrung mit Offshore-Windkraft. Bereits Mitte der 90er-Jahre wurden hier entsprechende Komponenten umgeschlagen. Deshalb haben sich zahlreiche Werften, Reedereien und Service-Unternehmen angesiedelt. Schwere Transportschiffe mit großem Tiefgang können an den Emder Kais anlegen, um ihre Fracht aufzunehmen, Produktionsfirmen in direkter Hafennähe fertigen. Auch Emden hat sich das Ziel gesetzt, die Anlagen in den kommenden Jahren auszubauen.

Ricarda Schuller
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