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Thema Wind und Wende

09. Feb. 18

Wie die Offshore-Wind-Auktion läuft

Zum zweiten Mal versteigert die Bundesnetzagentur Baurechte für Windparks auf dem Meer. Energie-Winde beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Verfahren

Von Volker Kühn

Als im April 2017 die Ergebnisse der ersten Ausschreibung von Offshore-Windparks bekannt wurden, trauten auch Branchenkenner ihren Augen kaum. Zwar war erwartet worden, dass die Preise für Ökostrom vom Meer sinken würden. Dass die Betreiber aber bei drei geplanten Offshore-Windparks komplett auf staatliche Subventionen verzichten würden, war ein Paukenschlag.

Seit dem 30. Januar läuft die zweite Auktion. Wer sind die Bieter? Wie ist das Procedere? Werden die Preise weiter fallen? Fragen und Antworten rund um die Ausschreibung von Offshore-Windparks.

Umspannwerk des Offshore-Windparks Baltic 2: Bei der laufenden Ausschreibung haben Projekte in der Ostsee Vorrang. Das soll für eine gleichmäßigere Auslastung der Stromnetze an Land sorgen.

Um wie viele Windparks geht es in der Auktion?
Die Bundesnetzagentur versteigert Baulizenzen für Offshore-Windparks, die zusammengenommen eine Kapazität von 1610 Megawatt haben. Wird die Menge komplett ausgeschöpft, erzeugen diese Windparks bei idealen Wetterbedingungen mehr Strom als das größte noch laufende deutsche Kernkraftwerk Isar 2, das auf maximal 1410 Megawatt kommt. Den Zuschlag erhalten die Bieter, die für ihre Projekte die geringste staatliche Förderung verlangen.

Auf wie viele Windparks sich die versteigerten 1610 Megawatt am Ende verteilen, hängt von den Geboten ab, die in der Auktion gewinnen – je nachdem, ob mehrere eher kleine Windparks einen Zuschlag bekommen oder weniger, die dafür größer sind.

Wo und wann sollen die Windparks gebaut werden?
Von den bis heute in Betrieb gegangenen 19 deutschen Offshore-Windparks liegen 16 in der Nordsee und nur drei in der Ostsee. Wenn sie unter Vollast laufen, erzeugen sie zusammen rund 5300 Megawatt Strom. Da die Kapazität in den Stromleitungen begrenzt ist und der ganz überwiegende Teil dieser Energie im Nordwesten Deutschlands ins Netz eingespeist wird, werden bei der laufenden Ausschreibung Gebote für Windparks in der Ostsee bevorzugt: Laut der von der Bundesnetzagentur vorgeschriebenen „Ostseequote“ müssen mindestens 500 der 1610 Megawatt auf diese Region entfallen. So sollen die Stromnetze gleichmäßiger belastet werden.

Die aktuell ausgeschriebenen Windparks sollen in der Zeit zwischen 2021 und 2025 in Betrieb gehen.

Bauarbeiten im Projekt Gode Wind: Fast 1200 Windräder stehen inzwischen in der deutschen Nord- und Ostsee. Sie liefern bis zu 5387 Megawatt Strom.

Wer sind die Bieter?
An der Auktion können sich alle Unternehmen beteiligen, die bis August 2016 eine grundsätzliche Genehmigung für ihren geplanten Offshore-Windpark erhalten haben oder deren Projekte sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium des Genehmigungsprozesses befinden. In diesen Projekten stecken jahrelange, millionenschwere Vorarbeiten. Wenn sie in der aktuellen Ausschreibung nicht zum Zuge kommen, müssen die Betreiber, im Amtsdeutsch „Vorhabensträger“ genannt, auf einen späteren Zuschlag hoffen – oder ihre Investion abschreiben.

Eine Liste der genehmigten Projekte veröffentlicht das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie auf seiner Website. Sie können sich an der Ausschreibung beteiligen. Hinter diesen Projekten stehen vor allem Energiekonzerne wie EnBW, Innogy, Ørsted (früher Dong Energy), Vattenfall oder Iberdrola, aber auch kleinere Projektierungsgesellschaften und Finanzinvestoren.

Gibt es Vorgaben für die Gebote?
Ja. Neben dem erwähnten Vorrang für die Ostsee betrifft das vor allem die Höhe der Vergütung, die die Betreiber der geplanten Offshore-Windparks maximal für die Energie verlangen dürfen, die sie ins Stromnetz einspeisen. In der ersten Ausschreibung konnten sie bis zu zwölf Cent je Kilowattstunde aufrufen. In der laufenden Runde sind maximal zehn Cent erlaubt.

Konkret bedeutet das: Fällt der Strompreis an der Börse unter die Höhe, die den Betreibern der Offshore-Windparks garantiert wurde, erhalten sie die Differenz von der Allgemeinheit über die EEG-Umlage. Es sei denn natürlich, sie haben den Zuschlag in der Auktion zu einem Gebot von null Cent erhalten und damit auf die Umlage verzichtet.

Mitarbeiter von Alpha Ventus, Deutschlands erstem Windpark auf dem Meer: Die Offshore-Windindustrie beschäftigt deutschlandweit mehr als 20.000 Menschen.

Warum bietet der Staat den Betreibern von Offshore-Windparks überhaupt eine feste Vergütung an? Könnten sie ihren Strom nicht auch ausschließlich zum Börsenpreis verkaufen?
Die feste Vergütung hat vor allem ein Ziel: Unternehmen einen Anreiz zum Investment in Windparks auf dem Meer zu geben und damit die Energiewende voranzutreiben. Die Offshore-Windkraft in Deutschland ist gerade einmal gut zehn Jahre alt. In ihr steckt viel teure Pionierarbeit. Hätte der Staat die Betreiber nicht mit einer garantierten Vergütung ermutigt, hätten sie vermutlich niemals Milliarden in die wenig erprobte neue Technologie gesteckt. Das Risiko, bei einem niedrigen Strompreis an der Börse auf den Kosten sitzenzubleiben, wäre zu groß gewesen.

Das ist der Grundgedanke, der schon im ersten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus dem Jahr 2000 steckt. Zunächst waren es Solarparks, Biogasanlagen und Windräder an Land, die durch die Förderung in Form der EEG-Umlage ermöglicht wurden. 2009 ging dann auch der erste deutsche Offshore-Windpark in Betrieb.

Inzwischen aber hat sich die Technologie rasant fortentwickelt, die Kosten für die Stromerzeugung sinken. Darauf reagiert der Staat mit dem Ausschreibungssystem. Es zielt darauf ab, die von der Allgemeinheit getragene EEG-Umlage nachhaltig zu senken.

Schiff im Windpark Borkum-Riffgrund 1: Die Branche hat in den vergangenen zehn Jahren eine steile Lernkurve erlebt. Bau und Betrieb der Anlagen werden immer günstiger.

Wie ging die erste Ausschreibungsrunde im April 2017 aus?
Mit einer faustdicken Überraschung. Die Bundesnetzagentur hatte Lizenzen für Windparks mit einer Gesamtkapazität von 1550 Megawatt versteigert. Für 1490 Megawatt davon erteilte sie einen Zuschlag – die übriggebliebenen 60 Megawatt wurden auf die aktuelle Ausschreibung übertragen.

Aus zwei Gründen war bereits im Vorfeld über einen Preissturz spekuliert worden: Zum einen herrscht in der Energiewirtschaft ein harter Wettbewerb. Vor allem die alten Riesen der Branche sind darauf angewiesen, in der Welt der Erneuerbaren Fuß zu fassen. Branchenkenner sehen das als einen Grund dafür, dass sich etwa EnBW bei der Ausschreibung weit aus dem Fenster gelehnt habe.

Zum anderen macht die Offshore-Windkraft gewaltige Fortschritte. Die Produktionsverfahren werden effizienter, der Betrieb der Anlagen hat sich eingespielt, neue Windturbinen erzeugen mehr Strom und die Komponenten werden durch die Serienfertigung günstiger. All das verbessert die Wirtschaftlichkeit der Offshore-WIndkraft und macht Kostensenkungen möglich.

Dennoch kam für viele überraschend, dass drei der vier Siegerprojekte durch Null-Cent-Gebote der Betreiber zustande kamen. Hinter einem dieser Windparks steht EnBW, die beiden anderen will der dänische Konzern Ørsted bauen. Von ihm stammt auch das vierte siegreiche Projekt, das eine Mindestvergütung von sechs Cent je erzeugter Kilowattstunde Strom erhält. Auch das ist sehr viel weniger, als bis dahin für Offshore-Strom fällig wurde.

Mit welchen Ergebnissen ist diesmal zu rechnen?
Branchenbeobachter erwarten, dass die Bundesnetzagentur im Mai verkünden wird, welche Offshore-Windparks bei der Auktion einen Zuschlag erhalten. Der Preisverfall dürfte sich dabei fortsetzten. Darauf deuten auch Ausschreibungen für Offshore-Windparks in Ländern wie Dänemark und den Niederlanden hin. Auch hier geht die Tendenz steil nach unten.

Die Preise für Offshore-Strom sinken, aber trotzdem gibt es Kritik an den Auktionen warum?
Für Ärger sorgt die Menge der ausgeschriebenen Windparks. Laut Branchenkennern haben Investoren in der Nord- und Ostsee Bauvorhaben mit einem Umfang von 7000 bis 8000 Megawatt so weit entwickelt, dass sie an der laufenden Ausschreibung teilnehmen dürfen. Dafür haben sie Millionenbeträge investiert, die zum Teil im zweistelligen Bereich liegen sollen.

In den ersten beiden Ausschreibungen von diesem und dem vergangenen Jahr werden zusammen aber nur 3100 Megawatt ausgeschrieben. Vermutlich mehr als die Hälfte der Projekte wird also leer ausgehen. Das führt zu einem harten Bieterkampf, in dem kleinere Investoren naturgemäß eine geringere Chance haben als finanzstarke Großkonzerne.

Die Branche plädiert deshalb vehement dafür, die Ausschreibungsmenge zu erhöhen, auch, um die Zuliefererindustrie rings um Offshore-Windparks auszulasten und ihre vielen Tausend Arbeitsplätze zu sichern. Die Forderung erscheint umso dringlicher, als die nächste Ausschreibung erst 2021 geplant ist – dann allerdings nach einem geänderten Verfahren im sogenannten „zentralen Modell“.

Volker Kühn
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