Das Portal für Offshore-Windenergie

Thema Wind und Wende

04. Sep. 15

Deutschland verdreifacht die Leistung der Offshore-Windparks

Die technischen Voraussetzungen für die Errichtung von Offshore-Windparks in Deutschland sind geschaffen worden. Die deutschen Projekte können deshalb jetzt zügig abgeschlossen werden.

Offshore-Windkraft ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Die meisten Studien kommen zu der Erkenntnis, dass mindestens ein Drittel des Strombedarf von Offshore-Windkraft erzeugt werden muss.

Die technischen Voraussetzungen für die Errichtung von Offshore-Windparks in Deutschland sind geschaffen worden. Die deutschen Projekte können deshalb jetzt zügig abgeschlossen werden.

Wenn die Energiewende gelingen soll, dann muss ein großer Teil des Stroms auf dem Meer erzeugt werden.

Deutschland ist auf die Offshore-Windenergie angewiesen, denn die Windparks an Land werden auch dann nicht zur Versorgung des Verbrauchs ausreichen, wenn sie im Verbund mit Solar- und Biomasseanlagen Strom erzeugen. Die meisten Studien kommen zu dem Ergebnis, dass mindestens ein Drittel des Strombedarfs von Offshore-Windparks erzeugt werden muss.

Die Planung von Windparks in der Nord- und Ostsee begann deshalb schon vor knapp 20 Jahren.

Aber weil das Wattenmeer geschützt ist und die Deutsche Bucht außerdem von zwei Wasserstraßen durchschnitten wird, kamen fast nur Standorte in relativ großer Küstenentfernung und entsprechend großer Wassertiefe in Frage.

Die technischen Voraussetzungen für die Errichtung von Windparks „auf hoher See“ waren noch nicht vorhanden und mussten erst noch geschaffen werden.

Die Dänen waren schneller und errichteten bereits 1991 ihren ersten Offshore-Windparks, die Engländer wagten 2003 diesen Schritt.

In beiden Ländern sind die Voraussetzungen günstiger, denn dort stehen zahlreiche Standorte in Küstennähe zur Verfügung. Die dänischen und britischen Windparks, die bisher errichtet wurden, liegen fast ausschließlich innerhalb der „20-20-Grenze“: Sie befinden sich in höchstens 20 Kilometer Entfernung von der Küste und die Wassertiefe ist nicht größer als 20 Meter.

Die Errichtung und die Netzanbindung sind deshalb relativ einfach zu bewältigen.

Jenseits einer Wassertiefe von 20 Metern braucht man größere Gründungsstrukturen und größere Schiffe. Das ist zum Beispiel bei den deutschen Offshore-Windparks der Fall.

Errichtung in großer Wassertiefe

Jenseits dieser Grenze steigt der Aufwand für die Errichtung eines Offshore-Windparks drastisch.

Man braucht größere Gründungsstrukturen und größere Schiffe, und außerdem ist die Netzanbindung aufwendiger, denn die preisgünstige Drehstromübertragung eignet sich nicht für große Entfernungen.

Im Gegensatz zu den dänischen und britischen Windparks kommt für die meisten Offshore-Projekte in der Deutschen Bucht nur die Gleichstromübertragung in Frage. Die dafür erforderlichen Konverter-Stationen mussten in die Nordsee gestellt werden, bevor die Windparks errichtet wurden. Denn sie sind auf diese „Steckdosen im Meer“ angewiesen.

Aus diesen Gründen war Deutschland ein Nachzügler.

Aber das hatte auch Vorteile, denn erstens konnte die Errichtung gründlicher vorbereitet werden und zweitens konnte man die Erfahrungen der dänischen und britischen Offshore-Pioniere nutzen.

Als die Installation der deutschen Windparks endlich begann, war die Offshore-Industrie schon aus den Kinderschuhen herausgewachsen.

Alpha Ventus ist der erste deutsche Offshore-Windpark und eine Art Testfeld der Offshore-Windenergie. Der Windpark wurde im April 2010 eingeweiht.

Verdreifachung der Leistung

Es war aber eine Initialzündung notwendig, um die Aufbauphase zu starten. Denn die Investoren scheuten das Risiko, als erste einen Windpark ins tiefe Wasser zu stellen.

Deshalb hat die Bundesregierung im August 2005 ihre Unterstützung für die Errichtung des Windparks Alpha Ventus zugesagt. Ein Jahr später übernahmen drei Energieversorger auf Wunsch der Bundesregierung die Verantwortung für die Errichtung und den Betrieb dieses Testfeldes, das im April 2010 eingeweiht wurde. Das war der Startpunkt für den Nachzügler.

Kinderkrankheiten blieben der aufstrebenden deutschen Offshore-Windenergie nicht erspart. Zwar erzeugte das Testfeld gleich im ersten Betriebsjahr einen Ertrag, der Erwartungen deutlich übertraf, doch die Errichtung des zweiten Windparks musste wegen technischer und finanzieller Probleme immer wieder unterbrochen werden und zog sich drei Jahre lang hin.

Ein anderer Windpark musste monatelang auf den Netzanschluss warten, der sich stark verzögert hatte, weil zuvor noch Munition vom Meeresboden geräumt werden musste.

Doch bald darauf liefen die großen Errichter-Schiffe der neuen Generation vom Stapel, die für die deutschen Windparks jenseits der 20-20-Grenze gebraucht wurden. Ende 2012 waren in Deutschland zwar erst 280 Megawatt (MW) auf See installiert – in Dänemark war damals die Leistung dreimal so groß und in Großbritannien zehnmal so groß – aber dann begann die Aufholjagd.

Im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn holt Deutschland bei der Installation von Offshore-Windenergieanlagen deutlich auf.

Verdreifachung der Leistung

Im Jahr 2013 wurden 240 MW in der deutschen Nord- und Ostsee installiert und im folgenden Jahr schon 523 MW.

Dieses Jahr wird das bisher erfolgreichste in der noch jungen Geschichte der Offshore-Windenergie in Deutschland werden. Bis Ende Juni wurden bereits 1.765 MW ans Netz angeschlossen und etwa 485 MW werden noch bis zum Jahresende folgen. Die insgesamt installierte Offshore-Leistung wird sich durch den Zubau dieses Jahres mehr als verdreifachen, sie wird von 1.044 auf etwa 3.300 MW anwachsen.

Ende 2015 wäre also bereits die Hälfte der Wegstrecke bis zum ersten Etappenziel im Jahr 2020 erreicht. Die Zielmarke liegt bei 6.500 MW und wurde vor kurzem von der Bundesregierung gesetzt, als sich abzeichnete, was realistisch zu erwarten ist.

Sollte das Ziel erreicht werden (was aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich ist), dann wird die Offshore-Windenergie in der deutschen Nord- und Ostsee im Jahr 2020 rund 26 Milliarden Kilowattstunden erzeugen.

Das entspricht etwa 4 Prozent der gesamten heutigen Stromerzeugung und ist etwa so viel, wie die elf Binnen-Bundesländer zurzeit aus der Windenergie ernten. Das Beispiel zeigt, welcher Zuwachs mit der Offshore-Windenergie innerhalb weniger Jahre möglich ist.

Im internationalen Vergleich wird Deutschland bis zum Jahresende Dänemark überholen und auf Rang zwei hinter Großbritannien vorrücken. Gemessen an der installierten Leistung pro Kopf der Bevölkerung liegt Deutschland aber auch dann noch weit hinter Dänemark. In Deutschland werden es am Jahresende 40 Watt pro Einwohner sein, in Dänemark sind es 235.

Es ist also noch Vieles möglich.

Ricarda Schuller
Artikel speichern gespeichert

Artikel zur Merkliste hinzugefügt