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Thema Wind und Wende

18. Nov. 14

6,5 Millionen Arbeitsplätze weltweit zählte die in Abu Dhabi beheimatete Internationale-Erneuerbare-Energien-Agentur Irena für 2013 im Bereich erneuerbare Energien. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Jobmaschine Energiewende

Dank erneuerbarer Energien sind in Deutschland 371.400 Arbeitsplätze entstanden

Die erneuerbaren Energien haben 371.000 Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Meist gut bezahlte Jobs, die den unausweichlichen Beschäftigungsabbau bei fossilen Energieträgern mehr als abfedern.

Ist es nun ein Jobwunder? Oder eher doch nicht? Seit Start der Förderung von erneuerbaren Energien in den neunziger Jahren tobt ein Glaubenskrieg zwischen Befürwortern und ihren Gegnern.

Auch über die Frage, ob grüne Technologien unterm Strich mehr Arbeitsplätze schaffen oder woanders eher vernichten.

Die Antwort darauf ist kompliziert. Das beweist schon allein die große Anzahl an wissenschaftlichen Studien zum Thema, die - manchmal auch abhängig von der Präferenz ihrer Auftraggeber - zu deutlich unterschiedlichen Einschätzungen kommen.

Fest steht indes eins: Für Ausbau und Betrieb erneuerbarer Energien arbeiten in Deutschland 371.400 Menschen.

So viele standen zumindest laut der vom Bundeswirtschaftsministerium alljährlich in Auftrag gegebenen Untersuchung zur „Bruttobeschäftigung durch erneuerbare Energien“ bei grünen Strom- und Wärme-Produzenten in Lohn und Brot. Damit nimmt Deutschland erneut den Spitzenplatz in Europa ein.

Die Wind-Branche liegt bei den Arbeitsplätzen ganz vorne: 119.000 Menschen arbeiteten 2013 bei Herstellern, Projektierern und Betreibern von Windkraftanlagen an Land, weitere knapp 19.000 bei Bau und Betrieb von Offshore-Windanlagen.

Windenergie schafft Arbeitsplätze

Die meisten Arbeitsplätze von Öko-Energien sind in der Wind-Branche entstanden: 119.000 Menschen arbeiteten 2013 bei Herstellern, Projektierern und Betreibern von Windkraftanlagen an Land, weitere knapp 19.000 bei Bau und Betrieb von Offshore-Windanlagen.

Obwohl damit die Beschäftigung im gesamten Windsektor um 16.000 Stellen binnen eines Jahres angestiegen ist, fiel gleichzeitig die Zahl aller Jobs bei den erneuerbaren Energien: 2012 fanden mit 400.000 Menschen knapp 30.000 Beschäftigte mehr in der gesamten Branche ihr Auskommen.

Grund für den Beschäftigungsrückgang: Seit 2012 hat sich die Zahl der Stellen in den Solarstrom-Unternehmen auf 56.000 nahezu halbiert - als Folge der drastischen Senkung der Subventionen für Photovoltaik-Anlagen in den vergangenen Jahren sowie internationalen Überkapazitäten.

Vor allem chinesische Hersteller fluten seitdem die Märkte mit Billigpreis-Angeboten. Das hat zu einem weitgehenden Exodus der einst weltweit bedeuteten deutschen Panel-Industrie geführt.

Große Hersteller wie Conergy, Q-Cells, Solar Millenium oder Solon mit zusammen zehntausenden Beschäftigten gingen seit 2012 in Konkurs. Von 33 Solarzellen- und Modul-Herstellern Anfang 2012 sind laut Statistischen Bundesamt bis vergangenen Juli hier zu Lande gerade einmal 13 übrig geblieben.

Der Aderlass zeigt, dass ein Großteil der Arbeitsplätze in den erneuerbaren Energien noch immer stark von staatlichen Förderinstrumenten abhängt: Rund 70 Prozent aller Jobs, 261.500 Stellen, hingen laut Bundesregierung 2013 am Tropf der Zahlungen aus den EEG-Umlagen.

Andererseits: Im Jahr davor waren es noch 30.000 mehr subventionsabhängige Jobs - die Ökoenergien emanzipieren sich also zunehmend von ihrer staatlichen Förderung.

Zudem hat die fossile deutsche Energieindustrie ebenfalls schon immer von Beihilfen profitiert. Das gilt besonders für Kohle- und Atomkraftwerke, die üppig vom Staat bezuschusst werden oder denen er Betriebsrisiken im Gegenwert von Milliarden von Euro abnimmt.

6,5 Millionen Arbeitsplätze weltweit zählte die in Abu Dhabi beheimatete Internationale-Erneuerbare-Energien-Agentur Irena für 2013 im Bereich erneuerbare Energien. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Schwankende Planungsgrundlagen

Weltweit übrigens ist der Trend zu mehr Jobs im Bereich erneuerbare Energien ungebrochen: 6,5 Millionen Arbeitsplätze zählte die in Abu Dhabi beheimatete Internationale-Erneuerbare-Energien-Agentur Irena für 2013 - eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr von rund zehn Prozent.

Spitzenreiter ist China. Dort sind 2,64 Millionen Menschen im Bereich grüner Energien beschäftigt, 1,6 Millionen davon allein bei Photovoltaik-Unternehmen. Auf den globalen Plätzen zwei und drei folgen Brasilien, in dem 894.000 Öko-Energie-Beschäftigte vor allem im Bereich Biokraftstoffe tätig sind, sowie die Vereinigten Staaten mit 625.000 Grün-Energien-Jobs.

Das bemerkenswerteste Jobwunder hat jedoch das arme südasiatische Bangladesch hinbekommen. Weitgehend ohne Förderung sind dort nämlich billige kleine Solar-Panele für die Versorgung einzelner Häuser zum Rückgrat der Elektrifizierung geworden - und haben so 114.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Für Planung, Bau sowie Betrieb von Onshore- und Offshore-Windkraftwerken arbeiteten 2013 übrigens weltweit 800.000 Menschen.Eine Zahl, die in einzelnen Ländern immer wieder stark schwankt, weil sich die politischen Rahmenbedingungen zuweilen schnell ändern.

So verzeichnen die USA seit mehr als zehn Jahren ein teils abruptes Auf und Ab beim Neubau von Windturbinen. 2012 zum Beispiel wurden mit 13,8 Gigawatt Spitzenleistung so viel neue Kapazitäten errichtet wie noch nie zuvor, 2013 waren es plötzlich nur noch 1,1 Gigawatt - ein Marktzusammenbruch, weil Steuerbefreiungen vorübergehend ausgesetzt worden waren. Klar, dass unter diesen Umständen Hersteller und Projektierer vorsichtig sind, langfristig neue Jobs zu schaffen.

Und das gilt keineswegs nur für die Erneuerbare-Energien-Branche: So warnte kürzlich der Chef des baden-württembergischen Arbeitgeberverbandes, Hans-Eberhard Koch, vor einer schleichenden De-Industrialisierung Deutschlands.

Eine konzeptionslose Energiewende verunsichere mit Dauerdebatten um Stromrabatte und einer unklaren Versorgungssicherheit Branchen wie die Chemische Industrie. Die würden, so Koch, längst mehr ihrer Anlagen im Südwesten der Republik abschreiben als neue hinzu bauen.

Stattdessen werde in den USA investiert, wo die Energiekosten langfristig niedrig bleiben dürften. „Mittelfristig“, warnt Koch, „wirkt sich das deutlich auf das Arbeitsplatzangebot in Deutschland aus.“

Und so gibt es auch viele kritische Stimmen. Deutschland erlebe statt einem grünem Beschäftigungswunder sein „Blaues Wunder“, kommentierte hämisch die Berliner Tageszeitung „Welt“.

Und der Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Hans-Werner Sinn, glaubt gar, dass unter dem Strich keine zusätzlichen Arbeitsplätze entstehen. „Es gibt keinen positiven Nettoeffekt des EEG auf die Beschäftigung“, behauptet Sinn.

Dabei werden viele Jobchancen noch nicht genutzt. Und das gleich in mehrerer Hinsicht. Denn Arbeitsplätze können nur dort entstehen, wo neue Unternehmen einen Markt finden können oder bestehende expandieren.

Das funktioniert aber nur, wenn die Rahmenbedingungen für junge Märkte stabil sind. In Sachen Auf und Ab bei der Förderung erneuerbarer Energiequellen kann davon in den vergangenen Jahren kaum eine Rede sein.

Hinzu kommt: Vor allem hoch qualifizierte Ingenieure, Betriebswirte und technische Facharbeiter benötigt die Branche - kriegt sie aber kaum. Es sind gut bezahlte Arbeitsplätze, die durch erneuerbare Energien entstehen - und es könnten mehr sein, wenn Staat, Universitäten und Fachhochschulen sich schneller auf den zusätzlichen Bedarf einstellen würden. Auch das würde das zarte Pflänzchen des grünen Jobwunders stärker machen.

Iris Franco Fratini
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