Das Portal für Offshore-Windenergie

Thema Mensch und Umwelt

15. Sep. 15

Risiko Vogelschlag?

Naturschützer befürchten, dass Offshore-Windräder einzelne Vogelarten gefährden. Doch auch wenn manche Fragen noch offen sind: Bislang deuten die Forschungsergebnisse nicht darauf hin, dass die Bestände bedroht sind.

Der Messmast FINO 1 ist mit allerlei Technik gespickt: Radargeräte, Video- und Wärmebildkameras überwachen die Umgebung.

Einen Schwerpunkt der ökologischen Begleitforschung bei Offshore-Windparks bildet die Vogelwelt. Sie nämlich könnte besonders von den Anlagen betroffen sein, befürchten Naturschützer: Die Tiere drohen mit den Offshore-Windrädern zu kollidieren, Zugvögel könnten irritiert werden, Seevögel verlieren womöglich angestammte Nahrungs- und Rastgebiete.

Bislang lassen die Ergebnisse nicht darauf schließen, dass Arten in ihrem Bestand gefährdet sind. Doch näheren Aufschluss können nur neue, gerade angelaufene Forschungsprojekte geben.

Um zu erfassen, wie die Vögel auf einen Offshore-Windpark wie Alpha Ventus reagieren, ist der benachbarte Messmast FINO 1 mit allerlei Technik gespickt: Radargeräte, Video- und Wärmebildkameras überwachen die Umgebung, außerdem lauschen Mikrofone nach Vogelrufen.

„Zugvögel passieren den Offshore-Windpark meist nachts“, erläutert Reinhold Hill von der Firma Avitec Research in Osterholz-Scharmbeck, einem der Projektpartner. „Bislang deutet nichts darauf hin, dass die Tiere ihre Zugrouten wegen der Windparks wesentlich ändern.“

Ältere Studien an dänischen Windparks hatten darauf hingedeutet, dass die Vögel bei guter Sicht die Anlagen rechtzeitig entdecken und ausweichen. Nur: „Wie das bei schlechtem Wetter insbesondere für Zugvögel aussieht, wurde bei diesen Studien nicht eingehend untersucht“, sagt Hill.

Momentan sei es schwer abzuschätzen, ob es Arten gibt, die durch Offshore-Windparks in ihrem Bestand gefährdet sind, so Reinhold Hill von der Firma Avitec Research.

Neue Techniken zur Vogelbeobachtung

Das Problem: Wie viele Tiere tatsächlich verenden, lässt sich kaum erfassen. Zum einen sind bei schlechter Sicht auch die Sensoren gehandicapt, mit denen die Forscher die Vögel erfassen.

Zum anderen fallen verunglückte Vögel ins Meer, was eine Zählung unmöglich macht. „Es ist sehr schwierig, sämtliche Parameter zu erfassen, die man für eine wissenschaftlich belastbare Aussage bräuchte“, betont Reinhold Hill. „Deshalb lässt sich momentan noch nicht abschätzen, ob es Arten gibt, die durch Offshore-Windparks in ihrem Bestand gefährdet sind.“

Um diese Fragen zu klären, hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie BSH in diesem Jahr ein neues Projekt gestartet, Multibird genannt. Es soll versuchen, das Verhalten der Vögel insbesondere in den Nächten genauer als bislang zu erfassen. Zudem gibt es heute die technische Möglichkeit, einzelne Vögel mit Sendern zu bestücken.

Dadurch wollen die Experten besonders detailliert beobachten, wie die Tiere auf die Offshore-Windparks reagieren. „Mit diesen neuen Techniken sollten sich die offenen Fragen wesentlich präziser beantworten lassen“, hofft Reinhold Hill.

Eine Maßnahme aber ließe sich im Prinzip jetzt schon treffen: Weil die Vögel von der nächtlichen Sicherheitsbeleuchtung der Offshore-Windräder angelockt zu werden scheinen, könnte man die Sicherheitsbeleuchtung der Offshore-Windparks deutlich reduzieren.

Die Idee: Radargeräte würden Himmel und Meeresoberfläche abscannen und die Beleuchtung erst dann einschalten, wenn sich tatsächlich ein Schiff oder ein Flugzeug nähert. Davon könnten womöglich auch die Betreiber der Offshore-Windparks profitieren: Eine Beleuchtung, die nur sporadisch aktiv ist, geht seltener kaputt und muss entsprechend seltener ausgetauscht werden.

Ricarda Schuller
Artikel speichern gespeichert

Artikel zur Merkliste hinzugefügt