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Thema Mensch und Umwelt

24. Nov. 17

Elbe statt Alpen

Es sind längst nicht nur Norddeutsche, die in der boomenden Offshore-Windkraft Jobs finden. Cathérine Küpper-Lüders ist von München nach Hamburg gezogen, um in der Branche arbeiten zu können. Ein Porträt

Fasziniert von Meer und Wind: Cathérine Küpper-Lüders ist eine passionierte Seglerin - und auch schon mal durch einen Offshore-Windpark gekreuzt.

Zwischen München und Hamburg liegen Luftlinie mehr als 600 Kilometer, der ICE braucht für die Strecke sechseinhalb Stunden. Cathérine Küpper-Lüders ist der Umzug in den Norden trotz der großen Distanz nicht schwergefallen. Im Gegenteil: Als sie vor rund einem Jahr das Alpenpanorama gegen den Blick auf Hafenkräne, Containerriesen und Elbphilharmonie austauschte, ging für sie ein Wunsch in Erfüllung.

„Ich wollte schon immer mit erneuerbaren Energien zu tun haben“, erzählt die 31-Jährige. Bei ihrem neuen Arbeitgeber, dem dänischen Energiekonzern Ørsted, ist die studierte Betriebswissenschaftlerin für das Controlling der Offshore-Windparks Gode Wind 1 und 2 zuständig.

Das klingt eher nüchtern, im persönlichen Gespräch wird aber schnell klar, dass sie mit dem Klischee eines drögen Zahlenmenschen nichts gemein hat. Ihre besondere Faszination für die Windkraft etwa fasst die passionierte Seglerin in geradezu philosophische Worte: „Wir nutzen mit der Luft ein Antriebsmittel und eine Energiequelle, ohne dabei Spuren in der Umwelt zu hinterlassen. Das finde ich ungemein erhebend.“

Ihren Alltag verbringt sie im Büro im Dockland, einem der ungewöhnlichsten Bürogebäude Hamburgs. Es ragt in Form eines Parallelogramms wie ein Schiffsbug weit über die Elbe hinaus. „Das ist natürlich ein toller Arbeitsplatz“, sagt sie. Trotzdem freut sie sich immer, wenn sie mal rauskommt – an den Ørsted-Standort im ostfriesischen Norddeich zum Beispiel, von dem aus Gode Wind 1 und 2 betrieben und gewartet werden.

Dass Deutschland den Ausbau in der Windkraft gedrosselt hat, beschäftigt natürlich auch Cathérine Küpper-Lüders. Die Zukunftsaussichten hält sie aber dennoch für gut.

In der Firma duzt man sich, typisch dänisch. Das mache den Kontakt untereinander einfacher, findet die Controllerin

Und auch die Reisen in die Konzernzentrale in Kopenhagen sind ein Highlight für Küpper-Lüders. „Das ist eine ganz andere Kultur dort, ähnlich wie in Holland oder England.“ Weil sich firmenintern alle duzen, seien die Hierarchien flach und der Kontakt sehr unverstellt. Die Konzernsprache ist zwar Englisch, trotzdem hat sie sich für einen Dänischkurs eingeschrieben. „Die Sprache gefällt mir einfach.“

Auch wenn sie als Controllerin keinen direkten Kontakt in die Offshore-Windparks weit draußen auf See hat, ist sie einem von ihnen schon einmal sehr nah gekommen. Allerdings nicht beruflich, sondern privat – bei einem Segeltörn auf der Ostsee. „Wir sind eher zufällig durch den Windpak Nysted vor Lolland gefahren. Der ist zwar schon etwas älter und die Turbinen sind nicht so groß wie moderne Anlagen. Aber das war trotzdem schon ein gewaltiges Erlebnis.“

Die Kraftwerke im Meer live zu sehen, hat Küpper-Lüders noch einmal darin bestärkt, mit ihrer Berufswahl die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Es gebe ihr ein gutes Gefühl, an einer sauberen Energieversorgung mitzuarbeiten.

Trotz aller politischen Diskussionen um gedrosselte Ausbauziele – die Offshore-Windkraft sei eine Zukunftsbranche, in Deutschland und weltweit. Auch im persönlichen Bekanntenkreis hätten sich viele bewusst für Ökostromtarife entschieden, obwohl die Preise dafür etwas höher seien. Es gehe eben um eine Grundsatzentscheidung. Und die ist für Cathérine Küpper-Lüders eindeutig ausgefallen. Elbe statt Alpen - diesen Umzug hat sie nicht bereut.

Volker Kühn
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