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Thema Mensch und Umwelt

01. Dez. 15

Das Havariekommando schiebt die Öl-Sperren ins Meer. Im Falle einer Öl-Verschmutzung verhindern diese, dass sich das Öl weiter ausbreitet, sodass es in die Schiffe gepumpt werden kann.

Popcorn im Meer

Das Havariekommando überwacht die Nord- und Ostsee und ist erste Instanz bei Unfällen auf den Meeren. Die wichtigen Erfahrungen für Noteinsätze in Offshore-Windparks werden dank entsprechender Übungen gesammelt.

Ein Schiff kentert oder wird beschädigt und Öl tritt aus. Wenn dies gescheiht, dann kann eine solche Verschmutzung für die Umwelt ernste Folgen haben. Schnelles Eingreifen und das Wissen, was dann zu tun ist, sind dabei wichtiger denn je.

In solchen Fällen kommt in Deutschland das Havariekommando zum Einsatz. Das Havariekommando ist eine Koordinationsstelle des Bundes in Zusammenarbeit mit den fünf Küstenländern. Es tritt immer dann in Aktion, wenn Vorfälle in Nord- oder Ostsee ein gemeinsames Unfallmanagement notwendig machen.

Um wichtige Erfahrungen für Einsätze in Offshore-Windparks zu sammeln, probte das Team des Havariekommandos den Ernstfall gemeinsam mit nordeuropäischen Energieunternehmen Dong Energy im Windpark Borkum Riffgrund 1.

Zehn Spezial-Schiffe, ein Helikopter, zwei Beobachtungsflugzeuge und eine ganze Menge Popcorn. Das waren die “Zutaten” für die Notfall-Übung. Im Rahmen dieser Übung stellten die Teams eine Verschmutzung des Meerwassers durch Öl nach. Doch anstelle des umweltschädlichen Öls floss Popcorn in die See. Insgesamt 30 Kubikmeter Popcorn ließ das Havariekommando in das Wasser vor Borkum Riffgrund 1 laufen.

„Dass wir für die Übungen Popcorn verwendet haben, liegt daran, dass es sich in Wasserströmungen ähnlich wie Öl verhält”, erklärt Katrin Thalmann, Expertin für Verschmutzungsbekämpfung beim Havariekommando.

„Zuvor hatten wir Schaum genutzt, aber Popcorn ist die deutlich umweltfreundlichere Variante. Und über die wenigen Reste, die im Wasser verbleiben, freuen sich die Möwen und Fische.”

Das Havariekommando wurde während der Übungen im Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 1 gleich von mehreren Abteilungen von Dong Energy unterstützt, darunter das Consent Team und die Mitglieder der Teams Health, Safety and Environment und der Marine und Helicopter Coordinators.

Teamwork für den Notfall

Neben den Mitarbeitern von Dong Energy und des Havariekommandos war auch das Bundesamt für Hydrographie und Seeschifffahrt (BSH) beteiligt, der Genehmigungsbehörde für Offshore-Windparks.

Das BSH war interessiert, mehr über das Strömungsverhalten in Wind-Parks zu erfahren. Zu diesem Zweck verteilte das BSH kleine Detektoren aus Plastik im Wasser.

Während der Notfallübung erprobte das Havariekommando verschiedene Methoden, um das Popcorn einzusammeln. Spezialiserte Schiffe mit so sogenannten Schwenkarmen und Ölsperren, die als Barrieren fungierten, wurden hierbei erstmals getestet.

„Es war beeindruckend zu sehen, wie professionell das Havariekommando mit der ganzen Situation umzugehen wusste”, berichtet Elisa Christina Rosenbohm, Senior Environment und Consents Specialist bei Dong Energy.

„Im Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 1 zu üben war für uns eine sehr aufschlussreiche Erfahrung”, fügt Thalmann hinzu. „Das Thema Offshore-Windpark ist für uns noch relativ neu und wir hatten bisher kaum Erfahrungen mit Notfallsituationen. Eine Schwierigkeit ist beispielsweise, dass das Fundament der Windturbinen die Strömungen beeinflussen kann. Und im Vergleich zu offenem Gewässer haben wir weniger Platz zum Navigieren.”

Ds Havariekommando zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen der gemeinsamen Übung. Katrin Thalmann: „Die Übung war ein großer Erfolg.”

Iris Franco Fratini
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