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Thema Mensch und Umwelt

05. Okt. 17

Welches E-Bike passt zu mir? Wer wollte, konnte auf dem Themenpark eine Proberunde drehen.

Klimaschutz zum Mitmachen

Sieben Tage im Zeichen des Klimas: Mit vielen praktischen Beispielen und Aktionen hat die Hamburger Klimawoche gezeigt, wie jeder Einzelne einen Beitrag zur Rettung des Planeten leisten kann

Von Katharina Wolf

Luca gibt sich alle Mühe. Mit einer langen Angel bewaffnet versucht er, schwimmenden Müll aus einem kleinen Planschbecken zu fischen. Zwei Gummistiefel und eine Plastikflasche hat er schon erwischt und geschickt in die Mitte eines Fahrradschlauchs bugsiert. Doch noch so einiges schwimmt im Wasser und lässt sich nur schwer an den Haken bringen.

Das Zelt, in dem Luca versucht, sein kleines Meer vom Müll zu befreien, steht unter dem Hamburger Fernsehturm. Zum Abschluss der Klimawoche Ende September ist hier aus bunten Zelten und Wagen ein Markt der Möglichkeiten aufgebaut. Mehr als 30 Unternehmen, Verbände und Klimaaktivisten zeigen hier den Besuchern ihre Ideen, wie sie selbst zum Klimaschutz beitragen können.

Melanie Quach schenkt Kaffeelimonade aus: Fair gehandelt, biologisch erzeugt und lecker.

Praxis trifft Theorie: Die Besucher lernen Initiativen kennen, die nachhaltigen Kaffeeanbau fördern, und diskutieren über eine CO2-Abgabe

Melanie Quach zum Beispiel schenkt Caté zum Probieren aus. Die Limonade, die ein bisschen nach einer Mischung aus Eistee, Cola und Almdudler mit einem Spritzer Zitrone schmeckt, wird aus dem getrockneten Fruchtfleisch der Kaffeefrucht hergestellt. Heraus kommt ein Getränk, das deutlich weniger Zucker enthält als herkömmliche Erfrischungen, so viel Koffein wie zwei Espresso und dessen Wirkung so nachhaltig ist wie die von grünem Tee – und schmecken tut es auch.

„Wir kaufen das Fruchtfleisch zum selben Preis von den Bauern in Panama, für den sie auch ihre Bohnen verkaufen“, erklärt Melanie Quach. Weniger Abfall und mehr Ertrag für unabhängige Bauern, die umweltschonend produzieren.

Nebenan informiert die Bürgerlobby Klimaschutz über ihr Konzept einer CO2-Abgabe kombiniert mit einer Klimadividende. „Unsere Idee sieht vor, dass auf die Erzeugung von CO2 eine Abgabe erhoben wird, also auf Benzin, Heizöl und so weiter, die über den Kaufpreis gezahlt wird. Die Summe dieser Einnahmen wird anschließend an alle Bürger zu gleichen Teilen ausgeschüttet – wer also durch sein Verhalten wenig CO2 erzeugt, bekommt am Ende Geld raus“, erklärt Marlon Nuske.

Wie genau das organisiert werden soll – über einen Fonds oder anders – wird noch diskutiert. Um ihr Konzept zu bekannter zu machen, sucht die Initiative den Kontakt direkt zu den Politkern, die mal begeistert und mal verhalten reagieren. „Kommt auch ein bisschen auf die Partei an“, so Nuske. Auf alle Fällie liegt die Bürgerlobby mit mit ihrer Idee im Zeitgeist – immer mehr Wissenschaftler und Politiker machen sich für einen höheren CO2-Preis stark.

„Es lohnt sich immer, wenn Leute sich einmischen“ Mojib Latif, Klimaforscher

Engagement, Teilhabe, Mitmachen – diese Begriffe stehen im Zentrum der Klimawoche Hamburg. „Es lohnt sich immer, wenn Leute sich einmischen“, hatte Klimaforscher Mojib Latif schon bei der Eröffnung der Woche betont. Und nennt gleich drei Beispiele, bei denen die Zivilgesellschaft neue Richtungen bestimmt hat und damit der Politik voraus war: die deutsche Wiedervereinigung, der Ausstieg aus der Atomenergie und die Nutzung der Smartphones. „Sie haben sich durchgesetzt, weil viele Menschen davon profitieren, dass andere sich einmischen, etwa durch die Entwicklung von Apps.“

Der bekannte Klimaforscher Mojib Latif macht bei der Eröffnung der Klimawoche klar, wie wichtig der Kampf gegen die Erderhitzung ist.

Auf vier Säulen ruht die Klimawoche, deren Initiator Frank Schweikert dazu beitragen wollte, die Forschung, die in Hamburg zum Thema Klima stattfindet, auch in die Bevölkerung zu tragen. Deshalb dreht sich alles ums Dabeisein: Ein ambitioniertes Bildungsprogramm verschafft innerhalb von fünf Tagen mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler greifbare Beispiele für den alltäglichen Klimaschutz.

Da ist die Hamburger Drogeriekette Budnikowsky, die die Jugendlichen über ihren ökologischen Fußabdruck beim Einkaufen und Mikroplastik in Kosmetika informiert. Oder die Stiftung Offshore Windenergie, die greifbar macht, wie Windparks entstehen, wie komplex es ist, eine Genehmigung zu erhalten und auch, welche Umweltauswirkungen der Bau von Windrädern im Meer auf die Tiere dort hat.

Praktizierter Klimaschutz: Wer Honig aus der Region kauft, hilft lokalen Produzenten und trägt dazu bei weite Transportwege zu vermeiden.

„Kinder sind unsere wichtigsten Multiplikatoren“, erklärt Frank Schweikert. „Sie sind die Entscheider von morgen. Und sie haben jetzt schon großen Einfluss auf das Kaufverhalten der Eltern.“

Weitere Säulen der Klimawoche sind ein Kulturprogramm, mit Science Slam und Klimakonzert in St. Petri; Vorträge und Diskussionen und eben Mitmachaktionen wie eine ökologische Stadtrundfahrt und ein Besuch im Immengarten des Hamburger Park Planten und Blomen, bei dem Imker die Strategien der Bienen von den Tropen bis zur Arktis erläutern.

Doch was haben Honigbienen mit Klimaschutz zu tun? „Sehr viel“, sagt Lisa Duhm, die am Themenpark einen Stand der Hamburger Imker betreut. „Den Bienen macht der Klimawandel zu schaffen, sie sind deshalb schwächer und anfälliger für Krankheiten, wie sie etwa durch die Varroa-Milbe übertragen werden.“

Zudem sorgten regionale Imker dafür, dass hochwertiger Honig aus der Nachbarschaft zu kaufen sei – und nicht wie im Supermarkt oft Mischungen von unterschiedlichsten Honigen aus aller Welt, der per Schiff nach Europa transportiert wird.

Welches E-Bike passt zu mir? Wer wollte, konnte auf dem Themenpark eine Proberunde drehen.

Gegenüber präsentiert Ian Hansen von der Sonnenrepublik trag- und faltbare Solarmodule, mit denen jeder unterwegs seinen eigenen Strom erzeugen kann. Sie laden entweder direkt das Handy auf oder speisen eine Powerbank, die auch ein Laptop versorgen kann. Eine ältere Dame ist begeistert. „Ich habe früher im Jemen gelebt, da war es im Frieden schon problematisch mit der Energieversorgung“, berichtet sie. Immer wieder fiel Strom aus. „Aber Sonne gibt es genug – da wäre so etwas genau das Richtige gewesen.“

„Wir können nicht warten, bis die Politik mit ihren kurzfristigen Zielen auf den Klimawandel reagiert“, sagt Frank Schweikert. „Wir, die Zivilgesellschaft und wichtige Akteure aus der Wirtschaft, müssen diese Themen aufgreifen. Die Klimawoche will Zukunftsbranchen die Möglichkeit geben, gesellschaftlich und politisch Druck auszuüben, damit wir die Transformation der Gesellschaft schnell und zur Freude aller umsetzen.“

Solche Freude, wie sie die E-Bikes verbreiten, die unter dem Fernsehturm ausgiebig getestet werden und die jedem, der losfährt, ein Strahlen ins Gesicht zaubern. Oder wie sie die Herstellung eigener Putzmittel mit dem Sauberkasten vermittelt, der alle Zutaten auf biologischer Basis enthält, um die eigene Wohnung mal richtig zu „säubern“. Oder auch die von Luca, dem es mit einiger Anstrengung gelungen ist, sein Bassin vom Plastikmüll zu reinigen. „Am Anfang war’s leicht, aber die letzten waren am schwersten“, sagt er. Und das gilt wohl auch für den Klimaschutz.

Volker Kühn
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