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Thema Mensch und Umwelt

18. Jul. 17

Vor dem Säubern kommt die Bestandsaufnahme: Vom Flugzeug aus analysiert The Ocean Cleanup, wie stark einzelne Meeresbereiche verschmutzt sind.

Grüne Blogger: Frischer Wind im Netz

Im Internet liefern nicht nur Greenpeace und Co. relevante Inhalte zu Umweltfragen. Wir stellen drei Initiativen von Bloggern und Start-ups vor, die als Team ihren Beitrag leisten, um Klima und Umwelt zu helfen.

Wo Fake News keine Chance haben: Der Klima-Lügendetektor hat den Anspruch, Halbwahrheiten und Falschbehauptungen über die Erderwärmung aufzudecken.

Von Irene Gronegger

Die Phrasenprüfer

Brauchen wir die Braunkohle tatsächlich, um die Energiewende zu bewältigen? Gefährden Windkraftanlagen die Kraniche? Nicht nur im Gespräch mit Klimaskeptikern kommen kontroverse und manchmal kuriose Thesen ans Tageslicht. Der Klima-Lügendetektor stellt derartige Behauptungen aus Medien, Werbung und selbst der Parteienwerbung auf den Prüfstand.

Die Vorgeschichte: Die Journalisten Toralf Staud und Nick Reimer brachten vor zehn Jahren ein Buch zum Thema Klimapolitik heraus: „Wir Klimaretter. So ist die Wende noch zu schaffen“. Danach ließ sie das Thema nicht mehr los – die intensiven Recherchen hatten ihren Blick für Halbwahrheiten und forsche Behauptungen geschärft.

Staud erinnert sich: „Normalerweise wirft man als Journalist Informationen weg, wenn sie Quatsch sind.“ Aber gerade beim Thema Umwelt und Klima ärgerten sie sich jedes Mal. Und so entstand die Idee, über diesen „Quatsch“ zu schreiben. „Der war größtenteils absichtlich fabriziert, nur das Wort ‚Fake News‘gab es damals noch nicht,“ erklärt Staud.

Seitdem betreibt Staud den Blog „Klima-Lügendetektor“ zusammen mit einigen Kollegen – alle mehr oder weniger unbezahlt neben ihren hauptberuflichen Tätigkeiten, aber dafür mit echter Leidenschaft für ihr Thema. Für diese Arbeit haben Staud und Reimer im Jahr 2012 den Medienprojektpreis der Otto-Brenner-Stiftung erhalten. Und sie machen weiter, decken neue Märchen über Energie- und Klimathemen auf.

Ihre Informationen bekommen sie auch von aufmerksamen Lesern. Die mailen eingescannte Fundstücke und fragen: Stimmt das wirklich? Andere Inhalte für den Blog finden die Redakteure selbst, wenn sie Zeitungen lesen oder Pressemitteilungen von diversen Interessengruppen erhalten. Dann kommt es hin und wieder vor, dass der Ärger wieder aufsteigt. Der Ärger über Unwahrheiten, Halbwissen, der wiederum der Antrieb für den Lügendetektor ist.

Zu den Waffen der Klimakämpfer gehört auch Humor: Dieser Slogan nimmt den Wahlspruch des Skeptikers Donald Trump aufs Korn.

Die Wissensvermittler

Ähnlich wie beim Klima-Lügendetektor geht es auch dem Team von Klimafakten.de um Menschen, die zu Klimathemen professionell kommunizieren oder es aus anderen Motiven, zum Beispiel in der Freizeit, intensiv tun.

Die Motivation der Blogger: Nach dem Scheitern der Klimakonferenz von Kopenhagen war die Umweltdebatte in eine Krise geraten – mancher Akteur befürchtete damals, die Klimaleugner-Diskussionen könnten aus den USA auf Deutschland ausstrahlen. Zwei Stiftungen ergriffen die Initiative für die Klimafakten: Die Stiftung Mercator und die European Climate Foundation. Sie stehen bis heute hinter Klimafakten.de. Ein Beirat mit 16 Fachleuten aus der Wissenschaft stellt zusätzlich sicher, dass die Fakten auch den Tatsachen entsprechen – und so nicht weiteres Futter für die Klimaskeptiker liefern.

Für den ersten Einstieg räumt die Kategorie „Fakt ist“ mit gängigen Zweifeln und Vorurteilen auf. Hier geht es etwa um die Frage, ob sich Mensch und Natur nicht einfach aneinander anpassen können. Leser erfahren aber auch mehr darüber, was beispielsweise der Weltklimarat der Vereinten Nationen macht und wie dessen Berichte entstehen.

Außerdem hat die Klimafakten-Redaktion die Empfehlungen der Weltklimaberichte für verschiedene Wirtschaftszweige allgemein verständlich aufbereitet. Um diese Erkenntnisse zu verbreiten, konnte Klimafakten.de auch einige große Partner gewinnen – darunter den Deutschen Gewerkschaftsbund für das Thema Arbeit und den Deutschen Städtetag für den Branchenbericht Städte. „Es gibt auch Branchen, die unsere Botschaft nicht gerne hören möchten“, sagt Projektleiter Carel Mohn. So gibt es zum Beispiel keinen Partner für den Bereich Tourismus.

Neben der Vermittlung von Fakten hat das Portal eine zweite inhaltliche Säule: „Das Problem ist, dass Klimathemen nicht die Relevanz und Sichtbarkeit haben, die angemessen wäre. Das hat auch damit zu tun, wie darüber gesprochen wird.“ So erklärt Carel Mohn die Notwendigkeit, sich der Klimakommunikation an sich zu widmen.

Hier arbeitet die Redaktion gern mit Erfolgsgeschichten. Ein Beispiel: Im Frühjahr lenkte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron die Aufmerksamkeit der westlichen Welt auf den Klimawandel, indem er von Donald Trump enttäuschte Forscher und Unternehmer aus den USA einlud, in Frankreich eine zweite Heimat zu finden. Macrons Videoansprache hieß – mit einem Augenzwinkern – schlicht „Make our planet great again“.

Vor dem Säubern kommt die Bestandsaufnahme: Vom Flugzeug aus analysiert The Ocean Cleanup, wie stark einzelne Meeresbereiche verschmutzt sind.

Das Meeresräumkommando

Das Beispiel des Niederländers Boyan Slat zeigt, dass in Sachen Klimawandel nicht nur große Organisationen einen Unterschied machen können. 2011 verbrachte Slat, damals noch Schüler, einen Tauchurlaub in Griechenland. Und was er da auf dem Meeresboden sah, lässt ihn bis heute nicht mehr los: mehr Plastiktüten als Fische im Wasser. Sechs Jahre später gibt es für Slat nur eine Vision: den Plastikmüll aus den Weltmeeren zu holen.

Der mittlerweile 23-jährige Aktivist und Start-up-Gründer hat seine eigenen Vorstellungen, wie das praktisch funktionieren könnte: Ein Großteil des marinen Plastikmülls konzentriert sich auf fünf riesige Areale in den Ozeanen. Dort möchte Slat auf dem Wasser schwimmende Barrieren errichten, die das Material passiv einfangen sollen, bevor es zu Mikroplastik zerfällt und noch größere Probleme verursacht. Schiffen sollen den Plastikmüll regelmäßig abholen. Die Energie- und Kostenbilanz des gesamten Ablaufs bleibt dabei neutral, denn: Das Plastik lässt sich recyceln und wiederverwerten.

Für diese Idee hat Slat bereits viele Menschen begeistert. Im Jahr 2014 gingen zwei Millionen Dollar Spenden aus aller Welt ein, nachdem im Vorjahr ein Video mit einer Rede von ihm viral gegangen war. So entstand „The Ocean Cleanup“. Slat bleibt den sozialen Medien treu: Auf Facebook und Twitter hält der Visionär seine Fans und Unterstützer auf dem Laufenden.

Was die Technik angeht, ist das Projekt allerdings noch in der Testphase: Slat und sein Team experimentieren mit kleinen Prototypen, derzeit sind sie damit in der Nordsee unterwegs. Für Ende 2017 ist ein Test im Nordpazifik geplant, im Jahr darauf soll es dann losgehen. Dafür haben sich in den letzten Monaten auch einige Investoren und Großspender gefunden.

Wie auch immer die Sache für Slat weitergehen wird, einen nützlichen Beitrag hat das ambitionierte Projekt bereits geleistet: Das noch ungelöste Problem des Plastikmülls im Meer bekommt die Aufmerksamkeit, die es verdient.

Volker Kühn
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