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Thema Mensch und Umwelt

08. Mär. 16

Für Michael Lüders ist die Offshore-Windindustrie eine absolute Zukunftsbranche. Wer etwas erreichen möchte, muss sich aber anstrengen. Dafür sind die Möglichkeiten vielfältig.

"Es ist eine Zukunftsbranche"

Michael Lüders hat 2015 ein Windkraft-Ingenieurbüro gegründet – und erlebt, wie eine Flut von Vorschriften jungen Firmen zusetzt. Dennoch glaubt er, dass Start-ups in der Branche gute Chancen haben.

Michael Lüders hat Elektrotechnik studiert. Er arbeitete zwölf Jahre in der Schifffahrtsbranche, 2008 kam er zur Offshore-Windkraft. 2015 gründete Lüders dann sein eigenes Ingenieursbüro.

Michael Lüders ist studierter Elektrotechnik-Ingenieur und hat zwölf Jahre in der Schifffahrtsbranche gearbeitet, bevor er 2008 in die Offshore-Windkraft einstieg. Als Angestellter verschiedener Unternehmen installierte er in mehreren Windkraftparks die Elektronik, unter anderem bei Baltic 2. Im Juli 2015 gründete Lüders in Hamburg das Ingenieurbüro Desios mit inzwischen drei Mitarbeitern.

Herr Lüders, was sind die Herausforderungen mit denen man als Start-up in der Offshore-Windkraftbranche konfrontiert ist?
Vor allem, dass es viele Vorschriften gibt. Und oft ist nicht klar, welche davon greifen. Geht es beispielsweise um eine Windanlage außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone, ist das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie zuständig. Liegt die Anlage näher an Land, wie etwa der Park Nordergründe in der Wesermündung, sind Behörden an Land zuständig. Ich habe schon Ausschreibungen gesehen, bei denen es darum nur hieß: „Es gelten die entsprechenden Vorschriften“. Bei einer anderen gab es eine Auflistung, die elf Seiten umfasste. Auf solche Komplikationen war ich glücklicherweise durch meine früheren Tätigkeiten schon vorbereitet. Aber es gab auch für mich noch Überraschungen.

Welche denn zum Beispiel?
Ich habe beispielsweise derzeit noch keine Unternehmenshaftpflichtversicherung. Viele Versicherungsmakler wollen Offshore-Arbeiten in ihren Verträgen ausschließen. Die kennen die Branche nicht und sehen nur: Man hat wenig Zeit, um Arbeiten auszuführen, und hohe Kosten, wenn dabei etwas schiefgeht. Inzwischen habe ich Angebote vorliegen, die bei fast 10.000 Euro im Jahr liegen. Beim Schiffbau gibt es Haftpflichtversicherungen schon für ein paar Hundert Euro im Jahr.

Wie sieht es mit Investoren aus?
Theoretisch gibt es viele Fördermöglichkeiten für Start-ups, beispielsweise von der KfW-Bank. Aber wenn es konkret wurde, sah es anders aus. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich Angebote zu akzeptablen Konditionen bekam. Vielleicht, weil man bei einem Ingenieurbüro auf Soft Skills aufbaut. Ich hatte das Gefühl, dass es leichter gewesen wäre, eine Förderung zu bekommen, wenn ich etwas herstellen würde. Das mag für Ingenieure mit anderen Dienstleistungen aber anders sein, weil bei mir das Risiko relativ hoch ist: viele Windparkbetreiber schreiben fest, dass ich in Fällen, in denen ich das ganze Elektrodesign für eine Anlage erstelle, auch dafür haftbar bin.

Wie läuft das Zusammenspiel mit den großen Unternehmen, die die Projekte in Auftrag geben?
In der Schiffsbranche habe ich oft mit Leuten zusammengearbeitet, die seit Jahrzehnten in ihrem Bereich tätig sind. Die Offshore-Branche ist dagegen noch sehr jung, aber auch sehr flexibel. Wenn man jemanden nach einem Jahr wieder trifft, hat er oft schon eine andere Visitenkarte. Das bedeutet auch, dass es weniger Leute mit praktischer Erfahrung gibt. Entsprechend verzögern sich oft die Entscheidungsprozesse.

Für Michael Lüders ist die Offshore-Windindustrie eine absolute Zukunftsbranche. Wer etwas erreichen möchte, muss sich aber anstrengen. Dafür sind die Möglichkeiten vielfältig.

Durchhaltevermögen gefragt

Wie vermeidet man, dass man dabei als Start-up nicht untergeht?
Vertrieb und ein gutes Netzwerk sind extrem wichtig. Ich bin deswegen beispielsweise im Windenergy Netzwerk. Da sind von EnBW bis hin zum kleinen Werkzeugmacherbetrieb alle Unternehmensgrößen vertreten. So kann man sich zu Teams zusammenfinden, die unterschiedliche Produkte und Dienstleistungen anbieten, und gemeinsam auf den Kunden zugehen.

Fürchten Sie, dass auf Dauer große Konzerne eigene Abteilungen gründen, statt Aufgaben an kleine Dienstleister auszulagern?
Nein. Die Erfahrung aus dem Schiffbau zeigt, dass Kostendruck eher dazu führt, dass noch mehr outgesourct wird. Außerdem sind die Phasen zwischen der Errichtung von zwei Anlagen oft sehr lang. Für große Unternehmen ist es darum besser, wenn sie nicht die ganze Zeit das Personal halten müssen.

Könnte das zu einem wachsenden Konkurrenzdruck zwischen den kleinen Unternehmen der Branche führen?
Ich bin da recht zuversichtlich. Es wird zwar mehr Wettbewerb geben. Und es ist gerade auch viel Personal auf dem Markt, weil in den vergangenen Jahren einige Zulieferer im Schiffbau in die Insolvenz gegangen sind. Aber wenn man sieht, was notwendig ist, um die Klimaziele zu erreichen, die sich Deutschland gesteckt hat, ist noch viel Potenzial da. Und die Flächen an Land sind nun mal begrenzt. Außerdem gibt es viele Möglichkeiten im Ausland. Ich arbeite gerade an Aufträgen für Kunden aus England und Skandinavien. Dort ist man uns weit voraus, was die Zahl der Anlagen angeht. Aber man hat sich eben auch nicht so viele Gedanken bezüglich der Vorschriften gemacht wie bei uns. Und jetzt gibt es dort die ersten Probleme, etwa weil die Windkraftanlagen nicht mehr gerade stehen.

Was raten Sie Gründern, die in diese Branche gehen wollen?
Es ist auf jeden Fall eine Zukunftsbranche. Aber der Weg kann auch sehr zäh und anstrengend sein. Der Lernprozess ist noch lang nicht vorbei.

Die Fragen stellte Claus Hornung.

Ricarda Schuller
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