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Thema Mensch und Umwelt

21. Aug. 15

Eine Frau macht Wind

Mit Frauen geht es besser: Das ist die Überzeugung des Vereins Women of Wind Energy. Sprecherin Janine Schmidt erklärt, wie sie die Karrierechancen für Einsteigerinnen in der Branche verbessern will.

Gemischte Teams arbeiten erfolgreicher als gleichgeschlechtliche - davon ist Janine Schmidt-Curreli überzeugt. Als Vizepräsidentin des Vereins Women of Wind Energy setzt sie sich für mehr Chancengleichheit ein.

Frau Schmidt-Curreli, Ihr Verein setzt sich dafür ein, den Frauenanteil an Fach- und Führungskräften in der Windenergie binnen zehn Jahren zu verdoppeln. Warum meinen Sie, dass das der Branche gut tun würde?
Schmidt-Curreli: Kein von Männern dominierter Bereich kann und sollte es sich leisten, auf die klugen Köpfe zu verzichten, die man unter Frauen findet. Da gibt es sehr viel Potenzial, von dem Unternehmen profitieren können.

Es gibt viele Studien, die belegen, dass gemischte Teams erfolgreicher arbeiten als gleichgeschlechtliche. Ingenieurinnen zu gewinnen, zahlt sich für Firmen also aus. Zudem können Frauen mit ihrer Kommunikationsstärke viel Überzeugungsarbeit hinsichtlich der Notwendigkeit der Energiewende allgemein und der Windenergie im Besonderen leisten.

Warum sind Frauen in der Windenergie bisher trotzdem eher unterrepräsentiert?
Schmidt-Curreli: Das ist ein Problem, das viele technische Branchen haben. Da unterscheidet sich die Windenergie nicht groß etwa von der Automobilindustrie. In der Ingenieurwissenschaft sind Frauen leider rar gesät. Um das zu ändern, müssen Frauen schon früh, in den Schulen und Universitäten, ermuntert werden, in diese Bereiche zu gehen. Aber in letzter Zeit sehen wir, dass da schon viel passiert. Das lässt wirklich hoffen, dass künftig mehr Frauen in die Branche kommen.

Die Frauen, die bereits in der Windenergie arbeiten, was begeistert und motiviert sie an ihrem Beruf?Schmidt-Curreli: Die Windenergie ist eine umweltfreundliche und innovative Technik. Beides schätzen Frauen. Insbesondere das Positive an der Windkraft, dass sie etwas Nachhaltiges wie die Energiewende aktiv mitgestalten können.

Das motiviert viele Frauen in dieses Feld zu gehen: das Gefühl, mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien einen sinnvollen Beitrag leisten zu können. Zum anderen reizt es natürlich auch, in einem dynamischen Zukunftsmarkt mit seinen technischen und politischen Herausforderungen zu arbeiten.

Das Netzwerk Women of Wind Energy möchte mehr Frauen in die Offshore-Branche bringen, denn noch sind Frauen in der Branche eher eine Ausnahme.

Was unternimmt Ihr Verein, damit noch mehr Frauen den Einstieg in diesen Beruf finden?
Schmidt-Curreli: In erster Linie sind wir ein Netzwerk, innerhalb dessen Frauen Kontakte knüpfen, sich austauschen und unterstützen können. Bei unseren regelmäßigen Stammtischen in vielen Städten finden dazu auch Vorträge verschiedener Referenten statt, damit unsere Mitglieder auf dem Stand etwa über neue Gesetze und Richtlinie bleiben.

Und wir haben ein eigenes Mentoringprogramm gestartet, eine ganz gezielte Nachwuchsförderung als Tandem: Eine erfahrene Windfrau betreut ein Jahr lang entweder eine Quereinsteigerin oder Berufsanfängerin. Von vornherein wird bei einer Zielplanung festgelegt, wohin die Mentee möchte. In regelmäßigen Treffen wird daran gearbeitet. Bisher haben wir sehr positives Feedback dazu bekommen.

Wurde Ihr Verein denn gegründet, weil Frauen es ansonsten schwer haben in der Branche?
Schmidt-Curreli: Nein, ich würde nicht sagen, dass er aufgrund von Schwierigkeiten entstanden ist. Vielmehr wollten viele Frauen in diesem Bereich weiter vorankommen und haben geschaut, wie sie das schaffen können. Dafür haben sie sich proaktiv ein Netzwerk gebaut. Die Idee dafür wurde 2010 im Vorfeld der Branchenmesse Husum Wind geboren und recht schnell umgesetzt. Heute haben wir bereits über 100 Mitglieder.

Die Fragen stellte Jarka Kubsova.

Facts and Figures zu Women of Wind Energy:

Das Netzwerk Women of Wind Energy setzt sich dafür ein, dass Frauen in der Windkraft ein attraktives Arbeitsumfeld und bessere Einstiegschancen finden. Zu den Mitgliedern zählen sowohl Frauen als auch Männer. Sie haben sich unter anderem zum Ziel gesetzt, den Frauenanteil in der Branche innerhalb von zehn Jahren zu verdoppeln und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer zu verbessern. Außerdem wollen sie gleiche Bezahlung für gleiche Leistung durchsetzen.

Janine Schmidt, 34 Jahre alt, ist Vizepräsidentin des Vereins. Sie arbeitet im „Bremer Medienbüro“ im Bereich Presse- und Öffentlichkeit rund um das Thema Energiewende. Nach ihrem Studium der Internationalen Volkswirtschaft und Politikwissenschaft in Kiel war Schmidt-Curreli fünf Jahre für die halbstaatliche Agentur für Erneuerbare Energien als Referentin für Energiewirtschaft tätig.

Ricarda Schuller
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