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04. Aug. 15

Viele Schiffe und neue Spezialisten

Die ersten speziellen Serviceschiffe für Offshore-Windparks sind im Einsatz

Die Serviceschiffe kommen bei den verschiedensten Bauphasen von Offshore-Windparks zum Einsatz, hier zum Beispiel ein Kabellegerschiff von TenneT.

Wenn es darum geht, einen Offshore-Windpark zu bauen und zu betreiben, dann sind Errichter-Schiffe nicht die einzigen Schiffstypen, die gebraucht werden. Insgesamt rund 30 unterschiedliche Schiffe kommen bei dieser Aufgabe zum Einsatz.

Dabei sind nur die wenigsten speziell für die Offshore-Windenergie entwickelt worden und so unterschiedlich wie ihre Aufgaben bei Errichtung, Betrieb und letztlich dem Rückbau des Windparks.

So werden zur Vorbereitung Schiffe zur Bodenerkundung, zur Entnahme von Bodenproben und gegebenenfalls zur Munitionsräumung benötigt. Kabelleger sind dafür zuständig, die dicken Gleichstromverbindungen im Meeresboden zu verlegen, Mannschafts- oder Hotelschiffe beherbergen die Crew, schnelle Transportschiffe bringen Techniker oder Material vom Hafen in den Windpark.

All diese Schiffstypen aber kommen auch in anderen Offshore-Bereichen zum Einsatz, etwa beim Bau und Betrieb von Bohrinseln. Auch bei der Wartung der Riesen auf dem Meer waren bis vor kurzem umgebaute Schiffe oder kleinere Errichter-Schiffe im Einsatz. Doch das hat sich geändert. Jetzt sind die ersten Typen im Einsatz, die speziell für Service und Wartung von Offshore-Windenergieanlagen konstruiert und gebaut worden sind.

Siemens hat im Juni mit der „Esvagt Fraude“ und der „Esvagt Faraday“ zwei so genannte Service Operation Vessel (SOV) getauft. Sie werden für die Windparks Butendiek in der Nordsee und Baltic II in der Ostsee eingesetzt.

Die Schiffe lösen viele der Probleme, die mit der schwierigen Erreichbarkeit der Offshore-Windparks einhergehen: Denn Wartungen und Reparaturen müssen erledigt werden, wenn sie im Hochbetrieb laufen - also bei starkem Wind und Seegang. Vor allem dann ist das Übersetzen der Techniker von einem traditionellen Crew Transfer Vessel zur Anlage schwierig und manchmal sogar unmöglich. In diesen Situationen kann das SOV jedoch seine Stärken ausspielen.

Mit den Service Operation Vesseln habe man versucht, eine schwimmende und eine Wohnlösung zu kombinieren, so Ken Soerensen, Senior Vice President bei Siemens Wind Power Service A/S.

„Wir haben versucht, eine schwimmende und eine Wohnlösung zu kombinieren“, erklärt Ken Soerensen, Senior Vice President bei Siemens Wind Power Service A/S.

Das Ergebnis ist ein großes und stabiles Schiff mit einer Gangway, über die Servicetechniker auch bei durchschnittlich 2,50 Meter hohen Wellen sicher zur Turbine laufen und dabei Werkzeug und kleinere Ersatzteile in einem Wagen mitnehmen können. Mit knapp 90 Metern Länge sind die SOV groß genug, um sechs 20-Fuß Container mit Ersatzteilen zu transportieren.

Das SOV kann mehrere Wochen im Windpark bleiben, so dass das Schiff nur zum Auftanken und zum Auffüllen von Vorräten und Ausrüstung in den Hafen zurückkehren muss. Da die Servicetechniker auf dem Schiff wohnen, ist die Anfahrtszeit zur Anlage kurz und sie können direkt am Ende ihrer Schicht wieder an Bord geholt werden, anstatt den größten Teil ihrer Arbeitszeit mit An- und Abreise zu verbringen.

„Unsere ersten Erfahrungen sind sehr positiv“, sagt Soerensen. „Letztlich geht es immer um Effizienz, denn uns ist klar, dass die Offshore-Windenergie eine noch stark subventionierte Branche ist.“ Daher stehe Kostensenkung ganz oben auf der Agenda. Und natürlich das Ziel, die Parks auch in rauer Umgebung störungsfrei am Laufen zu halten.

Ricarda Schuller
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