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16. Aug. 17

Gode Wind: Big is beautiful

Aus zwei mach eins: Mit dem zeitgleichen Bau von Gode Wind 1 und 2 zeigt Dong Energy, wie sich offshore schon in der Planungsphase Synergien ergeben

Von Timour Chafik

Es gibt sie tatsächlich noch, die Band „Godewind“. Seit Ende der Siebzigerjahre trällert das Quartett in unterschiedlichsten Besetzungen seine Musiken, gespeist aus Volkstümlichkeit und Folk. Überhaupt scheint es im Norden ein Faible für Gode Wind, niederdeutsch für „Guter Wind“, zu geben: Da gibt es das Restaurant mit gleichem Namen in Wyk auf Föhr. Oder das „romantische Hotel“ in 25832 Tönning. Liebhaber frischen Fischs haben hier die Qual der Wahl, heißt es auf des Hotels Webpräsenz.

188 Meter messen die 97 Windräder von Gode Wind 1 und 2. Sie stehen mehr als 30 Kilometer von den Ostfriesieschen Inseln Juist und Norderney entfernt in der Nordsee.

Liebhaber erneuerbarer Energien richten ihren Blick aber bitte auf eine rund 57 Quadratkilometer große Fläche, die 32,5 Kilometer nördlich der Insel Norderney und 33,7 Kilometer der Insel Juist liegt. Wer sich ihr vom Land, zum Beispiel mit dem Helikopter, nähert, der erkennt dort, in Wassertiefen von 28 bis 33 Metern stehend , erst schemenhaft, dann immer klarer, was mit dem guten Wind so alles machbar ist: 97 Windkraftanlagen ragen da aus der See und erbringen eine Gesamtkapazität von 582 Megawatt. Das reicht, um jährlich 600.000 Haushalte oder umgerechnet eine Großstadt wie Köln mit Strom zu versorgen. In Betrieb ist der Windpark, bestehend aus Gode Wind 1 und 2, bereits seit April, offiziell eingeweiht wurde er Ende Juni 2017.

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Der Bau des Windparks in großen Wassertiefen ist eine Herausforderung. Trotzdem kommt er schneller voran als geplant

Kurzer Rückblick: 14. September 2015, frühmorgens. Das letzte Fundament der insgesamt 97 Monopiles – einzelne, meist runde Stahlpfähle, die als Fundament in den Meeresboden gerammt werden – ist nach nur fünf Monaten erfolgreich installiert und ein Grund zum Feiern. Denn der Zeitplan sah ursprünglich vor, die Arbeiten bis zum Dezember abzuschließen. Das jetzt ein Vierteljahr früher „Richtfest unter Wasser“ gefeiert werden kann, ist umso erstaunlicher, als dass die Monopiles aufgrund der unterschiedlichen Wassertiefen für jede Anlage individuell entworfen und gebaut werden mussten.

Nicht einmal zwei Jahre später, im Rahmen der offiziellen Gode-Wind-Einweihung in Berlin, wird Thomas Thune Andersen, Aufsichtsratsvorsitzender von DONG Energy sagen: „Das ist ein großer Tag für DONG, denn mit der Einweihung von Gode Wind 1 und 2 feiern wir nicht nur die offizielle Inbetriebnahme unseres zweiten und dritten Windparks vor der deutschen Küste; wir feiern auch Dongs Beitrag zur deutschen Energiewende: Wenn im Jahr 2020 insgesamt 6,5 Gigawatt Offshore-Wind-Leistung installiert sind, dann werden wir mit 21 Prozent einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet haben“.

Die Umspannstation sammelt die Energie der Windräder und schickt sie gebündelt ans Festland. Gode Wind kann rechnerisch rund 600.000 Haushalte versorgen.

97 Windräder mit Sechs-Megawatt-Turbinen: Gode Wind 1 und 2 sind die bis dato größten Offshore-Wind-Projekte der Dänen

Also alles gut? Ja. Und alles herausfordernd, wie sich das gehört bei einem Projekt dieser Größenordnung. So setzt Dong Energy bei Gode Wind 1 und 2 insgesamt 97 Siemens Windenergieanlagen der Sechs-Megawattklasse (188 Meter hoch, Rotordurchmesser 154 Meter, überstrichene Fläche 18.600 Quadratmeter, Turmkopfmasse, also Gewicht von Rotor, Bremse, Generator, Getriebe und Rotorwelle im Kopf der Anlage, von weniger als 360 Tonnen) ein, fundiert mit so genannten XXL-Monopiles. Größere Monopiles erfordern auch umfangreichere Maßnahmen für den Lärmschutz. So wurden spezielle Lärmminderungshüllen und Blasenvorhänge eingesetzt, um die vorgegebenen Grenzwerte einzuhalten.

Im August 2012 kauft Dong Energy die beiden „Gode Winde“. Der ursprüngliche Plan des Verkäufers war: Gode Wind 2 zuerst anzugehen, und Nummer 1 auf die nächste Saison zu schieben. Die Realität: Umplanen. Und zwar so, dass beide Projekte – vom Investitionsvolumen die bis dato größten Dong Energy-Projekte – gleichzeitig umgesetzt werden können. Die Entscheidung des Unternehmens, beide Einzelprojekte zu einem großen Ganzen zusammenzufassen, gab Dong Energy die Möglichkeit, mit Partnern und Zulieferern über den effizienten Einsatz von Installationsschiffen sowie der Produktion von Komponenten zu verhandeln.

Der parallele Bau der Windparks bietet Kostenvorteile. Schiffe etwa können einfach in beiden Baufeldern eingesetzt werden

So konnten zum Beispiel Installationsschiffe je nach Bedarf zwischen Gode Wind 1 und 2 pendeln. Außerdem konnten vorhandene Räumlichkeiten, Infrastrukturen, Know-How und Manpower direkt im Unternehmen genutzt werden. Dong Energy greift dabei auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz zurück.

Und in Zukunft? Gode Wind 3 kommt und wird vorbehaltlich der finalen Investitionsentscheidung 2024 fertiggestellt sein. Denn das Projekt ist eines von vieren, die die erste Offshore-Wind-Auktion im April 2017 in Deutschland gewonnen hat.

Volker Kühn
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