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04. Mai. 15

Geschäft belebt die Konkurrenz

Damit die Wettbewerber Siemens Marktanteile im Offshore-Turbinenmarkt abjagen können, benötigen sie vor allem eins: einen größeren Markt. Nur der Bau von mehr Windparks kann das De-facto-Monopol von Siemens brechen.

Konkurrenz belebt das Geschäft – so lautet eine Binsenweisheit eines freien Marktes. Allerdings gilt das manchmal auch genau anders herum: Geschäft belebt die Konkurrenz – zumindest, wenn es um entstehende Märkte geht. Das gilt besonders für die junge Offshore-Wind-Industrie.

Bislang hat dort in Europa – und damit auch weltweit – vor allem ein Konzern die Nase vorn: Siemens. Der Münchner Technologiekonzern hat seit 2007 seinen Marktanteil kontinuierlich ausgebaut.

Zuletzt, im 1. Halbjahr 2014, lieferte der Konzern 79 Prozent aller ans Netz angeschlossenen Offshore-Windturbinen. Grund war vor allem die extreme Zuverlässigkeit der Anlagen, deren Technologie vor allem aus Dänemark stammt.

Hauptkonkurrent Vestas, bis 2007 Marktführer und ebenfalls in Dänemark ansässig, hat seitdem arg Federn lassen müssen – Zuverlässigkeitsprobleme haben Vestas gar genötigt, die meistverkaufte Turbine des Unternehmens aus dem Verkauf zu ziehen.

Erst 2020, so Feng Zhao, Direktor und Windenergie-Spezialist beim Beratungsunternehmen FTI Consulting aus Kopenhagen, könnten die Karten im Markt neu gemischt werden. Besonders Vestas, das die Qualitätsprobleme inzwischen in den Griff bekommen zu haben scheint, könnte, so Feng Zhao, bis dahin Boden gut machen. „Die Acht-Megawatt-Turbine von Vestas könnte sich zu einer starken Konkurrenz für Siemens entwickeln“, erwartet er.

Vestas zieht Großauftrag an Land

Im August vergangenen Jahres konnte sich Vestas, das die Turbinen zusammen mit dem japanischen Industriekonzern Mitsubishi entwickelt hat, wieder einen ersten größeren Auftrag sichern.

Der europäische Marktführer Dong Energy – der auch energie-winde.de betreibt – bestellte immerhin 32 Turbinen für seinen Windpark Burbo Bank Extension in Großbritannien.

Senvion, die deutsche Tochter der indischen Suzlon-Gruppe, zählt mit seiner 6,15-Megawatt Offshore-Turbine laut Feng Zhao ebenfalls zu den Top-Konkurrenten von Siemens.

Allerdings liegt der Marktanteil des ehemals Repower genannten Unternehmens aus Bremerhaven noch deutlich hinter Vestas.

In der zweiten Reihe sieht der Experte hingegen die beiden aus Frankreich stammenden Konzerne Alstom und Areva mit ihren Sechs-Megawatt- beziehungsweise Fünf-Megawatt-Anlagen.

Ob das De-facto-Monopol von Siemens unter Druck kommt, liegt allerdings nicht nur in der Hand der Unternehmen. Je schneller der Offshore-Markt wächst, desto einfacher wird es für Konkurrenten von Siemens, sich nennenswerte Marktanteile zu sichern.

Würden die Expansionspläne der Regierungen wie jüngst in Deutschland weiter zusammengestrichen, sei zu erwarten, dass einige Siemens-Konkurrenten ihre Investitionen in die Neuentwicklung von Anlagen zurückfahren, so Feng Zhao.

Damit bestätigt auch der Analyst, worauf Offshore-Lobbyisten schon länger hinweisen: Scharfe Konkurrenz, einen harten technologischen Wettbewerb und schließlich schnell sinkende Preise sind nur zu erwarten, wenn es für Offshore-Windkraft einen wachsenden Markt gibt. Geschäft belebt eben die Konkurrenz. Nicht nur anders herum.

Iris Franco Fratini
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